Kult-Trio aus der Eiszeit prescht nach vorn

9. Juli 2012, 17:25 Uhr

Da muss sich selbst Spider-Man zurückziehen: "Säbelzahnhörnchen" Scrat ist zurück auf der Leinwand und erobert mit Mammut Manni und seinen "Ice-Age"-Freunden im Nu die Charts. David Cronenberg sorgt derweil für Bewegung in den unteren Rängen der Top Ten.

Platz 10 (7) "Der Diktator"

Regie: Larry Charles
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley

Ein Volltreffer ist Sacha "Borat-Brüno" Baron Cohen mit seiner neuen Satire "Der Diktator" gelungen. Man möchte glauben, dass Charlie Chaplin, würde er noch leben, einen anderen Humor hätte, aber wahrscheinlich wäre er stolz auf seinen Landsmann, der als Kampfkomiker nach den mehr oder weniger gut versteckten Wunden dieser Gesellschaft sucht. In Zeiten von Bin Laden, Gadhafi, Assad hat der Brite sich das Klischee des arabischen Diktators gesucht und "Borat"-mäßig schmerzfrei bis in die unappetitlichste Ecke ausgeschlachtet. Als Herrscher von Wadija wird er vor die UN in New York zitiert, um sich für Terror, Mord und Korruption zu rechtfertigen. Und dann läuft alles ein bisschen anders als der grausame Landesvater Aladeen sich das vorgestellt hat. Er landet unerkannt in einem Bioladen, erfährt Wahrheiten über seine Dissidenten, und dann verliebt er sich auch noch. Als Anti-Chaplin zieht er gegen die Bigotterie der westlichen Welt ins Feld, ohne selbst auch nur einen Deut besser zu sein. Und deshalb hört keiner zu. Wie im richtigen Leben eben.

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Platz 9 (-) "Cosmopolis"

Regie: David Cronenberg
Darsteller: Robert Pattinson, Paul Giamatti, Juliette Binoche

Wer, wenn nicht David Cronenberg, hätte Don DeLillos Roman verfilmen können. Die Wahl Robert "Twilight" Pattinsons als Hauptfigur Eric kam allerdings ziemlich überraschend. In der schalldichten Limousine, in der dieser megareiche arme Junge durch Manhattan gleitet, während die Welt da draußen demonstriert, macht das unbewegliche Babyface jedoch plötzlich Sinn. Das Draußen und Drinnen haben sich nichts mehr zu sagen, würden sich nicht einmal mehr verstehen. Und während der megareiche arme Junge online seinen Reichtum mehrt, Bilder kauft, die ihn nicht interessieren und Frauen flachlegt, die ihn nicht berühren, frisst in ihm die Sehnsucht nach der Wirklichkeit, in der ihm seine Indifferenz mitten ins glatte Gesicht geschlagen würde.

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Platz 8 (8) "LOL - Laughing Out Loud"

Regie: Lisa Azuelos
Darsteller: Miley Cyrus, Douglas Booth, Ashley Greene

Nur so viel zu diesem Film: Vor vier Jahren gab es eine großartige, smarte, amüsante 21.-Jahrhundert-Version von "La Boum" namens "LOL", in der die grandiose Sophie Marceau die Mutter einer wilden Tochter spielte, die ihrer Vic in nichts nachstand. Weil der Film ein großer Erfolg war, hat Hollywood sich die Rechte gekauft und nachgedreht: mit Demi Moore als Mutter und Miley Cyrus als Tochter. Den Rest kann man sich denken. Und so kommt es leider auch.

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Platz 7 (-) "2 Tage New York"

Regie: Julie Delpy
Darsteller: Chris Rock, Julie Delpy, Albert Delpy

Julie Delpy macht, was sie will, und sie macht es so gut. Als Stadtneurotikerin des 21. Jahrhunderts zeigt sie New York von der französischen Seite. Mit ihrem Kind aus einer früheren Beziehung ("2 Tage Paris") und ihrem coolen neuen Freund Mingus (Chris Rock) lebt sie ein kuscheliges Hipsterleben, bis die Familie aus old europe anrollt: Papa mit stinkendem Käse und schlüpfrigen Witzen, die sexbesessene Schwester, der Ex-Freund. Da werden Rassismus, sexuelle Toleranz und die amerikanisch-französische Freundschaft gewaltig auf die Probe gestellt. Ein exzentrisches, hysterisches, totkomisches Feuerwerk!

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Platz 6 (6) "Hanni & Nanni 2"

Regie: Julia von Heinz
Darsteller: Jana Münster, Sophia Münster, Heino Ferch

Die berühmtesten Internatsschülerinnen der Welt sind zurück - und das der Zeit angemessen aufge-Biebert und -ge-Cyrust. Lindenhof wird Schauplatz von Entführungsplänen, erster Hormonwallungen und "härrrlischer" Wutanfälle der Französischlehrerin (Katharina Thalbach). Deren Neffe (mit Justin-Bieber-Welle) macht die Mädchen kirre, die eh schon völlig aus dem Häuschen sind, weil angeblich eine echte Prinzessin (mit Miley-Cyrus-Ego) zu ihnen stoßen soll. Während sich die Zwillingsschwestern Hanni und Nanni um die Ehe ihrer ewig streitenden Eltern sorgen, müssen sie auch noch erfahren, dass die Prinzessin gekidnappt werden soll. Wann soll man da noch Schularbeiten machen?

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Platz 5 (4) "Chernobyl Diaries"

Regie:Brad Parker
Darsteller: Jesse McCartney, Jonathan Sadowski, Olivia Dudley

2007 überrannte der Computerspiel-Programmierer Oren Peli das selbstverliebte Hollywood mit einem Kinokassensturm: Sein selbstgeschriebener, selbstgedrehter, selbstproduzierter Pseudo-Doku-Horror "Paranormal Activity" hatte in der Herstellung gerade mal 11.000 Dollar gekostet. Eingespielt hat die Dämonen-im-Reihenhaus-Geschichte fast 200 Millionen. Peli ist seitdem ein gemachter Mann mit Standleitung zu Steven Spielberg. "Paranormal Activity 5" ist in Arbeit, und ihm wird Geld hinterhergeworfen, damit das Publikum die Gänsehaut gar nicht erst los wird. Das hat er unter anderem in "Chernobyl Diaries" gesteckt. Die Umsetzung seines Drehbuches hat er allerdings Nachwuchsregisseur Bradley Parker überlassen: US-Touristen fahren zwecks Extremurlaub nach Tschernobyl und lassen sich die tote Zone zeigen. Als der Wagen des Touristenführers nicht anspringt, bemerken sie, dass sie nicht allein sind. Einen Überraschungserfolg kann man schlecht wiederholen. "Chernobyl Diaries" versucht es nicht einmal und wird zum klassischen Zombiehorrortrip. Aber die Idee war genial.

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Platz 4 (2) "Men in Black 3"

Regie: Barry Sonnenfeld
Darsteller: Will Smith, Tommy Lee Jones, Josh Brolin

Sie sind wieder da! Die coolsten Men in Black seit "Matrix". 15 Jahre nach Teil eins beglückt Regisseur Barry Sonnenfeld seine Fans mit der dritten Auflage der Will-Smith-auf-den-Leib-geschneiderten Unterhaltung und dem großartigsten seltsamen Paar seit Jack Lemmon und Walter Matthau: Smith und Tommy Lee Jones. Alien-Agent J (Smith) muss in die Vergangenheit reisen, um seinem Partner K (Jones) das Leben zu retten, weil ein schlecht gelaunter Außerirdischer namens Boris, das Tier, dem zwecks Ende der Welt ein schnelles Ableben wünscht. Die Inszenierung der Geschichte von einer Regierungsorganisation, die Aliens in Schach hält, die schon immer unter den Menschen auf der Erde weilen, während der Rest der Welt auf den Angriff von oben wartet, ist wie immer monumental aberwitzig, brachial laut, gespickt mit den seltsamsten Lebensformen und einfach irre komisch. "Men in Black 3" hält alle Versprechen, die diese erfolgreiche Kultreihe (Teil eins und zwei haben gut eine Milliarde Dollar eingespielt) je gegeben hat. Besser geht Popcornkino einfach nicht.

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Platz 3 (3) "Snow White and the Huntsman"

Regie: Rupert Sanders
Darsteller: Kristen Stewart, Chris Hemsworth, Charlize Theron

Wir können auch anders, schreit dieser Film und erledigt mal eben die allgemein anerkannte Disney-Kuschelversion des Grimmschen Märchens "Schneewittchen". Zwar hat die Prinzessin immer noch Haut so weiß wie Schnee und Lippen so rot wie Blut, und die böse Stiefmutter hat immer noch ein Problem mit dem Spiegel, aber das war's denn auch schon mit der altbekannten Geschichte. Diese Prinzessin wird gefangen gehalten, vom perversen Bruder der Königin bedrängt, sie kämpft, sie schwitzt, sie blutet. Aber das größte und vor allem dankenswerte Novum dieses "Remakes" (ein Film, der den Titel als Neuerfindung wirklich mal verdient) ist die Rolle der Königin selbst. Erstmals seit 200 Jahren (1812 haben die Brüder Grimm die Volkssage aufgeschrieben) geht es darum, WARUM diese Frau so hasserfüllt Jagd auf Schneewittchen macht, warum sie so verzweifelt nach Schönheit lechzt, dass sie dafür über Leichen geht. Das macht diesen schon wegen der Effekte sehenswerten Film erstaunlich aktuell. Jugend und Aussehen als Machtwerkzeuge, als Waffe und Verteidigung. So grausam (und in diesem Film sieht man das auch) und gleichzeitig so tragisch war die Königin noch nie. Und Charlize Theron spielt das so fulminant, dass Kristen "Bella" Stewart fast ein bisschen verblasst. Aber eben nur fast. Denn zum Glück können wir auch anders!

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Platz 2 (1) "The Amazing Spider-Man"

Regie: Marc Webb
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Ryan Ifans

Da ist er wieder. Fünf Jahre nach dem Ende der gefeierten "Spider-Man"-Trilogie mit Tobey Maguire im Spandexanzug wird der Spinnenmann neu aufgelegt. Und dem "menschlichsten" aller Superhelden ist tatsächlich noch etwas hinzuzufügen: Es geht auch kuscheliger! Nach dem Erfolg von "Twilight" ist die Kinowelt eben eine andere!
Lesen Sie die ausführliche "The Amazing Spider-Man"-Kritik hier.

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Platz 1 (-) "Ice Age 4 - Voll verschoben"

Regie:Steve Martino, Mike Thurmeier
Stimmen unter anderem von: Otto Waalkes, Arne Elsholtz, Michael Iwannek

Auch in "Ice Age 127" werden wir "Säbelzahneichhörnchen" Scrat noch gern dabei zusehen, wie es auf der Jagd nach der Eichel die Welt zerlegt. Diesmal - wir sind erst bei Teil vier - ist das coolste Eiszeit-Getier, das es nie gegeben hat, für das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten verantwortlich. Mammut Manni wird deshalb von seiner Familie getrennt und setzt mit seinen Freunden - Faultier Sid und Säbelzahntiger Diego - jede Eisscholle in Bewegung, um zu Frau und Kind zurückzufinden. Neben natürlichen Hindernissen wie Unwettern und Sid gibt es tierische Piraten, die den drei Helden nachsetzen und sie durch eine wahre Odyssee jagen. Und dann ist da noch Sids rabiate Oma... "Ice Age 4 - Voll verschoben" ist von vorn bis hinten ein solider Popcorn-Spaß für die ganze Familie - und für Scrat-Liebhaber!

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