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Primat der Primaten

"Planet der Affen: Prevolution" ist Hollywoods neuester Vorschlag eines möglichen Weltuntergangsszenarios. Und die Forterzählung einer Kultreihe von 1968. Vor allem aber ist dieser Film eine Effekte-Show.

Von Sophie Albers

Niemand, der die alten "Planet der Affen"-Filme aus den 60er- und 70er-Jahren gesehen hat, wird jemals die Schlussszene des ersten Teils vergessen: In einer überwältigenden Strandlandschaft ragt die abgewrackte Freiheitsstatue halb aus dem Sand. Ex-Astronaut Charlton Heston trabt hoch zu Pferd darauf zu und begreift plötzlich, dass er die ganze Zeit auf der Erde war, die die Menschen zu Grunde gerichtet und an die Affen verloren haben: "Ihr Wahnsinnigen! Ihr habt die Erde in die Luft gesprengt!", brüllt er, heulend im Sand liegend. "Ich verfluche euch! Ich verfluche euch alle!"

Weil dem nichts hinzuzufügen ist, hat Regisseur Rupert Wyatt ("The Escapist") keine Fortsetzung gedreht. Sein Film "Planet der Affen: Prevolution" erzählt die Vorgeschichte dieses tierischen Endzeitszenarios. Und das ist ihm ganz gut gelungen, wenn man bedenkt, wie spektakulär Tim Burton vor zehn Jahren mit seinem "Affen"-Remake gescheitert ist.

Spektakulärer Andy Serkis

Die Handlung: Ein junger, ehrgeiziger Wissenschaftler (James Franco) sucht ein Mittel gegen Alzheimer, um seinen Vater (John Lithgow) zu heilen. Der gierige Pharmakonzern, für den er arbeitet, sucht wiederum eine sprudelnde Geldquelle. Also werden kurzerhand umfangreiche Versuche an Affen genehmigt. Mit Erfolg. Erstmal. Weil dies aber ein Actionfilm ist, geht natürlich einiges schief. Und der Wissenschaftler muss schließlich - ganz Knut-mäßig - ein niedliches Schimpansenbaby großziehen. Dieser kleine Affe heißt Cäsar und ist anders als die anderen, denn er hat das Anti-Alzheimer-Medikament nicht nur im Blut, sondern in den Genen. Das macht ihn hyperintelligent und schließlich zum Spartakus seiner Spezies.

Nun ist es allerdings ein weiter Weg von Burtons Desaster zur visionären Kultreihe. "Planet der Affen: Prevolution" liegt irgendwo dazwischen. Manchmal übertreibt die Geschichte der medikamentengetriebenen Evolution ein bisschen zu sehr, und das tut dem Film nicht gut. Wirklich spektakulär ist hingegen Cäsar. Gespielt (falls man das bei einem CGI-Makeover noch sagen kann) von Peter Jacksons Monster-Wunderwaffe Andy Serkis. Dieser Boris Karloff 2.0 hat einst Gollum in "Der Herr der Ringe" und dem Riesenaffen in "King Kong" so viel Menschlichkeit verpasst, dass der Zuschauer tatsächlich für eine Zeit lang die Spezialeffekte vergessen konnte. Auch Serkis’ Cäsar ist zuweilen gespenstisch gut. Vor allem die Augen zeigen, wie weit die Effekte mittlerweile tatsächlich sind. Und dann ist da noch ein Orang-Utan, der als eine Art spaßiger Sidekick für Cäsar angelegt ist.

Charlton Hestons Fluch

Überhaupt haben die Menschen kaum Chancen gegen die Affen - nicht nur die Weltherrschaft betreffend. "Slumdog Millionaire"-Schönheit Freida Pinto, Tierärztin und Freundin von Francos Wissenschaftler, ist ein ödes Stehrümchen. Franco ("Spider-Man", "127 Stunden") selbst scheint heftig unterfordert. Und "Harry Potter"-Star Tom Felton, der einen fiesen Tieraufseher spielt, muss sich gefallen lassen, dass es im Publikum "Expelliarmus"-Rufe gibt, als er mit einem Elektroschocker herumfuchtelt.

Das Ende der Welt durch vermasselte Experimente im Namen der menschlichen Hybris gibt es im Kino häufger zu sehen. Man denke nur an "28 Day Later" oder "I am Legend", in denen nach gescheiterten All-Heilungsversuchen Zombies die neue Weltordnung aufstellen. Aber "Planet der Affen: Prevolution" entwickelt dabei eine seltsame Eigendynamik: Der Zuschauer möchte fast, dass die Affen gewinnen. Insofern hat Charlton Hestons Fluch wunderbar funktioniert. Und das auch noch in einer Zeitschlaufe. Aber das wäre wieder ein anderer Film.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo