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Jungfrau, 40, männlich, gelähmt sucht

Kalifornischer Journalist, gefesselt an eine Eiserne Lunge, möchte seine Jungfräulichkeit verlieren. Helen Hunt brilliert in "The Sessions" als Sex-Therapeutin, John Hawkes als gelähmter Autor.

Es sind nicht viele Filme, die einen zum Lachen und Weinen gleichermaßen bewegen. "The Sessions - Wenn Worte berühren" aber, der einen realen Hintergrund hat, gehört dazu. Er erzählt vom US-Journalisten und Poeten Mark O'Brien, der seit einer Kinderlähmung bewegungsunfähig und auf die Unterstützung einer Eisernen Lunge angewiesen ist. Und sich doch einen großen Wunsch erfüllen möchte: den Wunsch nach körperlicher Liebe. In der Hauptrolle des so humorvollen wie traurigen Films ist der 2011 für einen Oscar nominierte John Hawkes zu sehen, an seiner Seite Oscar-Preisträgerin Helen Hunt sowie William H. Macy.

Was nach einem nicht weiter fesselnden Plot klingt - gelähmter, knapp 40 Jahre alter Mann und sein erster Sex - entpuppt sich rasch als unterhaltendes, dabei stets einfühlsames Porträt. In seiner Verzweiflung wendet sich der gläubige, mit wunderbarem Humor gesegnete Journalist zunächst an den Geistlichen (William H. Macy) seines Vertrauens. Der ihm zumindest die Sorge, sein Wunsch nach körperlichem Kontakt mit einer fremden Frau, sei gar nicht im Sinne Gottes, nehmen kann.

Schließlich gerät Mark an Cheryl, eine attraktive Sex-Therapeutin. Und bald schon sind sie zu einem ersten "Date" verabredet. Marks Aufregung, wie ein Pennäler vor großer Prüfung, ist rührend. Cheryls Therapie so routiniert wie charmant. Was sich aus der zunächst recht geschäftsmäßig anmutenden Beziehung der beiden noch entwickeln soll, ahnt weder der Protagonist auf, noch der Zuschauer vor der Leinwand.

Lässiger Umgang mit Religion und Glaube

John Hawkes, der einen starken Auftritt als Sektenführer in "Martha Marcy May Marlene" hatte und zuvor als krimineller Junkie in "Winter's Bone" überzeugte, vermag nun auch dieser Rolle Glanzlichter aufzusetzen. Die Hauptfigur lässt der 53-Jährige mit der jugendlichen Ausstrahlung gekonnt zwischen diversen Stimmungen oszillieren. An seiner Seite in "The Sessions" hat er mit Helen Hunt eine kongeniale, mindestens ebenbürtige Filmpartnerin. Und auch William H. Macy weiß Akzente zu setzen. Seine Figur des mitfühlenden, dabei stets leicht überforderten Pfarrers ist für US-amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich angelegt. Vom Habitus und vom Verhalten: Macy trägt das Haar im Film schulterlang, raucht und trinkt Bier.

Auffallend lässig ist Regisseur Ben Lewins Umgang mit den Themen Religion und Glauben. Vor den Ohren anderer Kirchgänger etwa, inmitten eines Gotteshauses, tauscht sich Mark mit Pfarrer Brendan über sein körperliches Begehren, seine sexuellen Wünsche aus. Zu Beginn des Films lässt Lewin, von dem auch das Skript stammt, seinen Protagonisten sagen: "Ich glaube an einen Gott mit einem fiesen Sinn für Humor". Der seltsame Sinn für Humor des Films jedenfalls trägt dazu bei, dass das eigentlich so tragische Thema von "The Sessions" an keiner Stelle zu belastend wirkt.

Beim Filmfestival in San Sebastián erhielt der rundum sympathische und auch ergreifende Film 2012 den Publikumspreis. Und auch beim wichtigen Sundance Film Festival in Utah gab's vom Publikum eine Auszeichnung. Das ganz große Publikum indes dürfte die kleinere US-Produktion auch im deutschsprachigen Raum nicht erreichen. Dazu wohl fehlen die entsprechenden, werbekräftigen Namen, sowohl im Cast als auch hinter der Kamera. "The Sessions" endet mit einer Widmung, "In Memory of Mark O' Brien" heißt es im Abspann zum Film. Der kalifornische Journalist starb 1999 mit nur 49 Jahren.

Matthias von Viereck, DPA/DPA

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