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Das doppelte McClanechen

14. Februar 2013, 15:26 Uhr

John McClane hat einen Sohn. 25 Jahre nach Beginn der glorreichen "Stirb langsam"-Reihe bereitet Bruce Willis seinen Abgang vor. Und grinst sich einen. Von Sophie "Holly" Albers

Die Hard, Stirb langsam, Bruce Willis, Jai Courtney, Willis, Sebastian Koch

Wenn der Vater mit dem Sohne ... : John und Jack McClane (Bruce Willis und Jai Courtney) kommen, sehen und schießen.©

In der universalen Coolness-Skala des Actionfilms liegt Bruce Willis knapp hinter dem ewigen Ersten Chuck Norris. Deshalb hält man kurz die Luft an, als Jai Courtney bei der Berliner Premiere von "Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben" seinem berühmten Filmvater den Rücken tätschelt und sagt: "Im Kino ist er echt einschüchternd, aber im wahren Leben ist er total nett." Augenblicklich fallen einem kleine und große Bestrafungen ein, die sich Willis als John McClane seit 1988 in den "Stirb langsam"-Filmen hat einfallen lassen. Aber dann wirft Bruce Willis seinen jungen Kollegen doch nicht aus dem Fenster, sondern kräuselt die schmalen Lippen und sagt: "Meine Frau sagt, ich sei eine Miezekatze".

Ja, Sie haben richtig gehört: John McClane hat jetzt einen Sohn. Und den spielt der besagte junge Australier tatsächlich ausnehmend überzeugend. Wenn sich die beiden vor, während und nach dem Zusammenraufen anpöbeln, sieht man gern doppelt.

134 Totalschäden und 518 Fasttotalschäden

Es gibt Actionfilme, und es gibt "Stirb langsam", sagt Regisseur John Moore ("Max Payne") ehrfurchtsvoll. Und zu seinem Glück erfüllt der fünfte Teil der Standard-setzenden "Schnell schießen - schnell reden"-Blockbusterreihe alle Erwartungen. McClane ist zwar noch ein bisschen älter geworden (Willis ist mittlerweile 57), aber wie schon in Teil vier scheint der Held mit jedem Dreck-Blut-Schweiß-Spritzer mehr im Gesicht oder auf dem weißen T-Shirt jünger zu werden. Auf der Suche nach dem verlorenen Sohn, der angeblich in Moskau zum Verbrecher geworden ist und im Gefängnis sitzt, findet der alte McClane heraus, dass ihm der junge in nichts nachsteht.

Von sadistischen Terroristen gejagt versucht das doppelte McClanechen einen russischen Nuklearwissenschaftler (angenehm verzweifelt: Sebastian Koch) zu retten. Und dabei geht natürlich halb Moskau zu Bruch, vor allem Autos: ingesamt 134 Totalschäden und 518 Fasttotalschäden, verkündet Regisseur Moore begeistert.

Old school Jump-and-Run

"Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben" ist eine Hommage an das McClane-Universum, dessen einfache Gesetzmäßigkeiten längst ihre Gültigkeit verloren haben. Willis und Moore liefern Jump-and-Run-and-Shoot alter Schule: pre-Tarantino und - was viel wichtiger ist - pre-9/11. Das ist eine heile Welt, die nach ihrer fulminanten Zerstörung am Ende, wenn das Böse besiegt ist - denn es wird immer besiegt - wieder glänzt wie neu.

Fast hatte man schon vergessen, wie versöhnlich es doch ist, Willis schwitzend und blutend von explodierenden Gebäuden springen zu sehen, oder wie er mit einem Auto einen Hubschrauber erledigt, oder wie er durchlädt, "Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke" sagt und in einem Raum voller Terroristen stürmt. Zum Glück ist er zurückgekommen, um uns daran zu erinnern.

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