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DiCaprios dreckiger Versuch, endlich den Oscar zu bekommen

Viermal war Leonardo DiCaprio bereits für einen Darsteller-Oscar nominiert. Jedes Mal ist der Schauspieler leer ausgegangen. In "The Revenant" robbt er sich nun durch Blut, Dreck und Eingeweide an den Goldjungen heran. Reicht das, liebe Academy?

Von Sophie Albers "Rose" Ben Chamo

Leonardo DiCaprio zerschlagen und verfroren in "The Revenant"

Leonardo DiCaprio in "The Revenant"

Leonardo DiCaprios Oscar-Pech ist schon eine Berühmtheit für sich. Mit eigener Fan-Fiction: In "A Hell of a Time" verkauft der Hollywoodstar seine Seele, um endlich an den Academy Award zu kommen. Dieses Jahr allerdings müsste es bei der Oscar-Verleihung tatsächlich mit dem Teufel zugehen, wenn DiCaprio nicht als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet würde. Wenn seine "The Revenant - Der Rückkehrer"-Tour-de-Force nicht die höchsten Kinowürden verdient - was dann? 


Aber wahrscheinlich hat DiCaprio sich bereits vom Konzept der Vorfreude verabschiedet. Wer kann es ihm verdenken, der Frust währt lange: 1999 hat er mit "Gilbert Grape" gegen Tommy Lee Jones' "Auf der Flucht" verloren. 2005 setzte sich Jamie Foxx als "Ray" gegen seinen "Aviator" durch. 2007 schnappte ihm Forest Whitaker als "Last King of Scotland" den Goldjungen für "Blood Diamond" weg. 2014 kam seinem "Wolf of Wall Street" der klapprige Matthew McConaughey in "Dallas Buyers Club" zuvor.

Dabei hat DiCaprio nach den vermeintlichen Jugendsünden "William Shakespeares Romeo und Julia" und "Titantic" fast ausschließlich Oscar-Material abgeliefert: Er war irre ("The Aviator", "Shutter Island"), er war charmant ("Catch me if you can"), er war verzweifelt ("Gangs of New York", "The Departed"), er war strahlend schön ("The Great Gatsby"), er war fies ("J. Edgar", "Django Unchained"). Jetzt hat er sich dem letzten, dem härtesten Oscar-Gesetz von allen unterworfen, das auch schon McConaughey, Charlize Theron und Nicole Kidman zum Jackpot verholfen hat: Mut zur Hässlichkeit. Was den angeht, stehen die Chancen besser als je zuvor.

Zerkaut, verfault, verscharrt

DiCaprio spielt den Trapper Hugh Glass, der in der nordamerikanischen Wildnis Anfang des 19. Jahrhunderts von allem, was Menschheit und Natur so hergeben, gequält wird: Er wird von einem Bär zerkaut, von Kameraden lebendig begraben, er robbt sich durchs eigene Blut zurück ins Leben, droht bei lebendigem Leibe zu verfaulen und kriecht am Ende in die Eingeweide eines toten Pferdes, um nicht zu erfrieren. Will sagen: So hässlich und dreckig war DiCaprio noch nie. Reicht das, liebe Academy?

Aber ja, auch das Gesamtpaket stimmt: "The Revenant" ist das Werk von Alejandro González Iñárritu ("Amores Perros", "Babel"). Der Mexikaner ist einer von Hollywoods besonders genial-wahnsinnigen Regisseuren und hat im vergangenen Jahr mit "Birdman" vier Oscars abgeräumt. "The Revenant" macht noch mal ein ganz anderes Fass auf, was Geschichte und Bilder, aber auch was Aufwand und Anforderungen an alle Beteiligten angehen: Traumgleich schöne Naturaufnahmen, die sogar einen Terrence Malick neidisch machen, wechseln sich ab mit epischen Gewaltausbrüchen à la Werner Herzog.

Die härteste Rolle von allen für DiCaprio

Diesen Hugh Glass hat es tatsächlich gegeben - wenn auch über sein tatsächliches Schicksal weniger bekannt ist, als der Film erzählt. Es wurde wirklich in der Wildnis gedreht, DiCaprio musste wirklich andauernd ins Eiswasser springen, er hat wirklich in die Bisonleber gebissen, und angeblich nisteten in seinem Bart am Ende Fliegen. Kirre Legenden gehören zu Filmen wie diesem natürlich dazu, und selbstredend sagt DiCaprio, dass dies nun wirklich die härteste aller Rollen war. Nun ja, dass der Dreh es in sich hatte, ist anzunehmen. Angeblich war es die "Hölle auf Erden", wie der "Hollywood Reporter" berichtete.

Liebe Academy, Eddie Redmayne hat den Oscar schon, Michael Fassbender kann ihn auch nächstes Jahr bekommen, und Matt Damons "Marsianer" ist doch nicht wirklich Konkurrenz. Wenn DiCaprio endlich gewinnen würde, wüssten wir auch, wie cool der Blondinen-Verschleißer wirklich ist: Wird seine Dankesrede eher "James Cameron": "Ich bin der König der Welt!" oder doch eher "Benicio del Toro": "Ich habe gewonnen und kann jetzt ein bisschen schreien und herumhüpfen. Aber morgen gehe ich wieder zur Arbeit." Erlöse uns, Oscar-Jury.

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