Geschichtsstunde voller Spannung

24. Januar 2013, 10:46 Uhr

Großes Historiendrama und Lehrstunde in Demokratie: Steven Spielberg erzählt in dem für zwölf Oscars nominierten "Lincoln" mitreißend von Abraham Lincolns Kampf gegen die Sklaverei.

Wie kann man einer Ikone der amerikanischen Demokratie gerecht werden? Es gibt etliche Spielfilme, Dokus und eine Unmenge an Biografien über Abraham Lincoln (1809-1865), den 16. und wohl bedeutendsten Präsidenten der USA. Nun stellt Regisseur Steven Spielberg ("Schindlers Liste", "Der Soldat James Ryan") ihn in den Mittelpunkt seines Kinofilms "Lincoln". Dabei hebt er die Titelfigur aber nicht in den Olymp der Staatsmänner, sondern zeigt einen Politiker, der in einer entscheidenden Phase der US-Geschichte hartnäckig für seine Überzeugungen kämpft - nicht mit Waffen, sondern mit Worten, Witz und Argumenten.

Das für zwölf Oscars nominierte Drama beschränkt sich klug auf die vier Monate im Leben Lincolns, als der Bürgerkrieg seinem Ende entgegenging und der Präsident die gesetzlichen Grundlagen für die Abschaffung der Sklaverei schaffen musste. Es ging ganz profan darum, eine Mehrheit für dieses Ziel zu organisieren, eine Herkulesaufgabe angesichts der Mehrheitsverhältnisse.

Lincoln macht - ganz ähnlich wie heute Barack Obama - pragmatische Realpolitik, bindet frühere Konkurrenten in sein Kabinett ein, und übt sich nach dem Ausspruch von Max Weber im "Bohren harter Bretter". Demokratie als mühsames, unglamouröses Geschäft. Für die "New York Times" entfaltet der Film "eine Lektion in Staatsbürgerkunde, energisch und mit moralischer Verve inszeniert".

Daniel Day-Lewis auf dem Weg zum nächsten Oscar

Das pointierte Drehbuch des Pulitzerpreisträgers Tony Kushner ("Angels in America") zeigt Lincoln als liebenswürdigen, etwas kauzigen Hinterwäldler, ein Provinzanwalt aus Springfield, Illinois, der für sein Leben gern Geschichten erzählt, dies meisterhaft beherrscht, und seinen politischen Scharfsinn und Ehrgeiz mit einer hart antrainierten Schrulligkeit tarnt.

Daniel Day-Lewis ("Gangs of New York", There Will Be Blood") hat sich diese Figur bis in die letzten Bartspitzen angeeignet, so als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Für diese Ausnahmeleistung wurde er bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet, der Oscar als "Bester Hauptdarsteller" dürfte ihm Ende Februar ziemlich sicher sein. In "Lincoln" gibt er neben dem Politiker einen fürsorglichen Vater, der seinen ältesten Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt) vor dem Krieg bewahren will, sich rührend um seinen jüngsten Spross Tad kümmert und im Dauerclinch mit seiner streitsüchtigen Ehefrau Mary (Sally Field) liegt.

Opulentes Kostümdrama

Das grandiose Ensemble wird komplettiert von einer Riege großartiger Mitstreiter und Widersacher, angeführt vom bärbeißigen Sklaverei-Hasser Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones), dem gewieften Parteistrategen William Seward (David Strathairn) und dem alten Haudegen Preston Blair (Hal Holbrook).

"Lincoln" ist aber trotz des Fokus' auf die Politik keineswegs eine staubtrockene Geschichtsstunde geworden, sondern brilliert als opulent in Szene gesetztes Kostümdrama, in erlesenen Braun- und Grau-Tönen eingefangen von Spielbergs langjährigem Kameramann Janusz Kaminski. Da kann man Bärte und Frisuren bestaunen, prächtige Sommerhäuser, Kutschen und gediegene Interieurs, selbst die vom Kanonenrauch verdüsterten Schlachtfelder des Bürgerkrieges leuchten in erlesener Melancholie wie Gemälde von Caspar David Friedrich.

Zum Thema
stern TV-Programm
Kostenlos downloaden: stern TV-Programm für iPhone, iPad und Android-Smartphones und -Tablets Mehr Infos über die App
 
Humor
Tetsche, Haderer, Mette und Co. Tetsche, Haderer, Mette und Co.
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Da ich mehrere Autos fahre, müßte ich mehrfach Maut bezahlen. Bekomme ich entsprechend die...

 

  von Gast 107364: Muss ich aus meiner finanzierten Immobilie bei Beantragung der Privatinsolvent raus

 

  von Gast 107350: Wie bekomme ich Verfärbung von einer Creme Farbigen Ledertasche raus?

 

  von Gast 107348: werden Kellerräume in der Mietberechnung mit einbezogen

 

  von Gast 107340: Wann soll ich us Dollar kaufen?

 

  von Gast 107336: ´Benötige ich einen Ernergieausweis oder einen Bedarsausweis für ein Haus von 1963

 

  von Amos: Nochmal zu MB: der neue CLE 450 hat einen Dreilitermotor. Müßte also CLE 300 heißen

 

  von Gast 107289: Glas-Tisch total milchig, Hilfe!

 

  von Gast 107284: Ist parken in einer Verkehrsberuhigten Zone erlaubt?

 

  von bh_roth: Oleander umtopfen

 

  von Amos: Ich suche jemand zur Haushaltsauflösung, NICHT zur Entrümpelung.

 

  von dorfdepp: Wie kann man eine Zinke richten?

 

  von elfigy: Flugzeugabsturz. Wozu ein Krisenstab, was wollen Regierungsmitglieder an der Absturzstelle ?

 

  von StechusKaktus: Gibt es nun die Kriegsanleihe oder nicht?

 

  von starmax: Richtig?

 

  von Gast 107217: Gibt es beim Rentenausgleich eine Renteneinkunftsuntergrenze

 

  von Gast 107213: Muss der Vermieter die Kosten für ein neues Türschloß tragen, wenn der Mieter den Schlüssel seiner...

 

  von Gast 107201: Was kann ich tun, wenn mein ehemaliger Arbeitgeber die Meldungen zur Sozialversicherung nicht...

 

  von jacobidry: Umkehrosmose Wasserfilter

 

  von jacobidry: Boxspringbett oder Kaltschaummatratze