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Sex, Lies and Spendensammeln

In dem Kinofilm "Das Wetter in geschlossenen Räumen" zeigt Maria Furtwängler ganz neue Seiten: Die marmorschöne Kühle säuft, kokst und nimmt sich einen jungen Liebhaber.

Maria Furtwängler

Maria Furtwängler und Mehmet Sözer in dem Kinofilm "Das Wetter in geschlossenen Räumen"

Dieser Film wird die Fans von Maria Furtwängler irritieren. "Das Wetter in geschlossenen Räumen" (Start: 28. Januar) ist ein eher sperriges Werk: eine bizarre Mischung aus Kammerspiel, Psychodrama und Gesellschaftskritik. Hauptperson ist die deutsche Entwicklungshelferin Dorothea (Maria Furtwängler). In irgendeinem arabischen Krisengebiet wartet sie in einem Luxushotel auf das Ende eines Krieges im Nachbarland. Panzer bewachen das Gebäude. Dauernd hört man Explosionen in der Ferne. Eine unwirkliche, fast kafkaeske Stimmung weht durch diese kleine, von Westlern bevölkerte Enklave. 

Draußen wird gestorben und drinnen gefeiert und genetzwerkt. Dorothea organisiert als Freelancerin ein Hilfsprojekt, bei dem ein Londoner College Stipendien für Flüchtlingsmädchen vergibt. Dafür müssen Spenden her. Und die treibt Dorothea ein. Sie gibt Charity-Empfänge, auf denen sie u.a. die Botschafter westlicher Länder becirct und zu Spendenzusagen bringt.

Kein gefälliger Film

Dorothea ist gut in diesem Job. Sie ist attraktiv, eloquent, mehrsprachig und äußerst trinkfest. Doch schnell wird klar, dass genau das eines ihrer vielen Probleme ist. Der viele Alkohol zeigt Wirkung. Dorothea verändert sich, wird sich selber fremd. Eines Morgens wacht sie nach einer Feier in ihrem Hotelzimmer neben dem jungen Alec (Mehmet Sözer) auf. Erst schickt sie ihn fort, doch dann trifft sie den ziellos durch sein Leben treibenden Jüngling immer wieder.

Alex lässt sich von ihr aushalten. Das Hotelzimmer wird zum Sündenpfuhl: Sex, Alkohol und Drogen bestimmen Dorotheas Leben. Dann gibt es auch noch Probleme mit ihrem aktuellen Projekt. Die Flüchtlingslager an der geschlossenen Grenze sind leer. Keine Flüchtlinge, keine Spenden. Dorothea trinkt immer mehr. Nach und nach entgleitet ihr die Kontrolle...

"Das Wetter in geschlossenen Räumen" (Regie und Buch: Isabelle Stever) ist kein gefälliger Film. Er hat auch Längen. Aber er thematisiert die durchaus fragwürdigen Seiten der Arbeit von Hilfsorganisationen, und er zeigt eine Maria Furtwängler, wie man sie bisher noch nicht sah: verletzlich, hilflos unglamourös, kaputt. Eine der stärksten Szenen spielt in Dorotheas Hotelzimmer. Dort sitzt sie an einem Morgen allein und raucht. Angestellte machen derweil im Hintergrund sauber. Eine traurige Szene. Dorothea kann nicht woanders hin. Das Zimmer ist gleichermaßen Rückzugsort und Gefängnis. Die Kamera verweilt minutenlang auf ihrem Gesicht. Furtwängler spricht in dieser Szene kein Wort. Aber man sieht alles, was ihre Filmfigur gerade empfindet, in ihrem Gesicht.

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