8. September 2010, 13:31 Uhr

Der große Schauspieler im Interview

Jetzt feiert ihn die ARD: Zum 80. Geburtstag von Mario Adorf ist an diesem Freitag ab 20.15 Uhr der neue TV-Zweiteiler "Der letzte Patriarch" zu sehen - Mit der Nachrichtenagentur dpa sprach Adorf über seine Ähnlichkeit mit Maradona, seine Jungenhaftigkeit und die Enkel.

Herr Adorf, man sagt Ihnen eine gewisse optische Ähnlichkeit mit dem Fußballgott Maradona nach. Hätte es Sie in jüngeren Jahren nach all den historischen Rollen, die Sie schon bis hin zum Mussolini verkörpert haben, gereizt, diesen Typ einmal zu spielen?

Adorf: "Diese kleine Kugel? Ich weiß nicht, ob das hätte sein müssen. Fußball ist sowieso nicht ganz mein Sport. Ich habe in meiner Jugend auch gekickt, aber damals, in der ersten Nachkriegszeit, war vor allem Boxen angesagt, als Mittel der Selbstverteidigung, um das wenige, was man so hatte, gegen andere zu schützen. Mein letzter Boxkampf fand übrigens am Tag meiner ersten Theaterpremiere statt, ich habe im Rückwärtsgang geboxt und den Kampf natürlich verloren, denn ich durfte ja keinen Treffer riskieren."

Sie wurden am 8. September 80 Jahre alt, aber zu Ihrem Wesen, Ihrer Ausstrahlung gehört immer eine gewisse Jungenhaftigkeit. Wundert es Sie da, nunmehr ein grand old man zu sein?

Adorf: "Bin ich das denn? Das weiß ich nicht. Aber die Jungenhaftigkeit muss wohl zu mir gehören, jedenfalls sagen mir das viele nach. Wenn ich jetzt im ARD-Doppelteiler am 10. September "Der letzte Patriarch" bin, so ist das auch nicht nur der autoritäre Sturkopf, sondern er hat durchaus seine verspielten, weichen, jungenhaften Züge."

Über 50 Jahre Kino-Geschäft, 200 Filme, und Sie waren immer da - selbst in Zeiten, da "Opas Kino" und seine Stars, zu denen Sie in Ihren Anfängen ja auch gehörten, ziemlich abgeschrieben waren. Wie schafft man das?

Adorf: "Indem man auf die Jungen zugeht und sich nicht, wie manche Kollegen, gegen sie abgrenzt. Ich wusste damals in den 60ern: Die Alten sind am Ende, jetzt sind die Jungen dran. Und ich bin auf sie zugegangen, auf Schlöndorff, Hauff, Reitz, Fleischmann, Verhoeven, ich habe gern mit ihnen gearbeitet. Jetzt ist es übrigens genau wieder das gleiche. Jetzt sind die Enkel dran. Die geben sich vorerst mir gegenüber noch etwas zögernd, aber das wird noch kommen."

DPA
 
 
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