Oscar mit 30-jähriger Verspätung

26. Februar 2007, 05:25 Uhr

Martin Scorsese hat ganz bestimmt einen Preis für Ausdauer und Geduld verdient. Erst beim achten Anlauf ist es dem 64 Jahre alten Regie-Genie geglückt, den Oscar tatsächlich mit nach Hause zu nehmen. Verdient gehabt hätte er ihn schon vor 30 Jahren.

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Martin Scorsese hat den verdienten Lohn für mehr als 30 Jahre herausragendes Filmschaffen erhalten©

Lange musste Martin Scorsese auf diesen Triumph warten, jetzt ist er endlich zu verdienten Ruhm und Ehren gekommen: Sein Film "Departed: Unter Feinden" wurde dieses Jahr als bester Film ausgezeichnet, auch der Regie-Oscar ging an Scorsese. In diesem Thriller wagte sich der Italo-Amerikaner in sein altbewährtes Revier: gefährliche Straßen und brutale Unterwelt. Im Gegensatz zu seinen großen frühen Filmen spielt "Departed" allerdings nicht in seiner Heimatstadt New York, sondern auf den Straßen Bostons.

Mit Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio und Matt Damon stand dem Regisseur eine erlesene Starbesetzung zur Seite. Der schmächtige Mann mit der dicken Hornbrille konnte sein Glück bei der diesjährigen Gala gar nicht glauben und rasselte seine Dankesrede hinunter. "Bitte überprüfen sie genau den Inhalt des Kuverts", sagte er in Anspielung auf die Briefumschläge, in denen die Oscar-Ergebnisse stets verborgen sind.

Mitbegründer von "New Hollywood"

Seit vier Jahrzehnten zählt der 1,63 Meter kleine "Marty" zu den Größten in Hollywood. Er wurde 1942 als Sohn sizilianischer Arbeiter geboren und wuchs im New Yorker Italienerviertel "Little Italy" auf. Er litt an Asthma, und schon als kränkelnder Junge entdeckte er seine Liebe zum Film. Nach zwei Jahren in einem Priesterseminar entschied er sich für ein Studium der Filmwissenschaften und jobbte nebenher als Cutter und Regieassistent. Mit Steven Spielberg, Francis Ford Coppola und George Lucas baute er in den 70er Jahren das "New Hollywood" auf. So passte es gut, dass es diese drei Männer waren, die Scorsese den Oscar überreichten.

"Hexenkessel", eine Milieustudie über das harte Leben in den Straßen von New York, brachte Scorsese 1973 das Lob der Kritiker ein. Zu diesem Zeitpunkt begann auch die enge Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Robert De Niro, mit dem er 1976 "Taxi Driver" drehte. Für das geniale Porträt eines verbitterten Vietnamkämpfers bekam Scorsese die "Goldene Palme" in Cannes. "Taxi Driver" erhielt vier Oscar-Nominierungen, darunter als bester Film, verlor aber gegen Sylvester Stallones "Rocky" - eine Entscheidung die Scorsese-Fans der Oscar-Akademie nie verziehen haben.

Mit dem Box-Drama "Wie ein wilder Stier" holte sich Scorsese 1980 die erste von den sechs Oscar-Nominierungen als bester Regisseur. Es folgten von "Die letzte Versuchung Christi", "Good Fellas", "Gangs of New York", "Aviator" und schließlich "Departed: Unter Feinden". Zwei Mal wurde er für das Drehbuch nominiert. Die letzte Bruchlandung erlebte Scorsese vor zwei Jahren mit "Aviator", einem Film über den Flug- und Filmpionier Howard Hughes. Damals schnappte ihm Clint Eastwood mit "Million Dollar Baby" den Regie-Oscar weg. Jetzt ist das Rennen umgekehrt ausgegangen. Scorsese triumphiert, Clint Eastwood hatte das Nachsehen.

che/DPA

 
 
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