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Von "Taxi Driver" bis "Hugo Cabret"

Er ist 1,63 Meter klein, doch "Marty" zählt seit Jahrzehnten zu den Größten in Hollywood. Mit 70 Jahren sitzt Oscar-Preisträger Martin Scorsese unermüdlich auf dem Regie-Stuhl.

  Der New Yorker Regisseur Martin Scorsese wird 70

Der New Yorker Regisseur Martin Scorsese wird 70

Auf Hollywoods schönstes Geburtstagsgeschenk hatte Martin Scorsese eine Ewigkeit warten müssen. In dem Jahr, in dem das Regie-Genie 65 Jahre alt wurde, holte Scorsese im achten Anlauf seinen längst überfälligen ersten Oscar. Diesen Samstag (17. November) feiert der schmächtige New Yorker mit der dicken Hornbrille seinen 70. Geburtstag. Statt nach dem Oscar-Triumph in den Ruhestand zu gehen, legt er mit zahlreichen Drehs ein rasantes Tempo vor.

Bei der Oscar-Gala 2007 konnte es Scorsese - auf der Bühne zu Tränen gerührt - kaum glauben. "Das war wirklich eine totale Überraschung", beteuerte der Italo-Amerikaner mit dickem New Yorker Akzent nach seinem Sieg vor der Presse. "Ich bin es einfach nicht gewohnt zu gewinnen." Das Genie hinter Filmen wie "Taxi Driver", "Good Fellas" und "Wie ein wilder Stier" hatte mit dem Mafia-Streifen "The Departed: Unter Feinden" den Regie-Oscar gewonnen. Obendrein wurde der Thriller mit Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio und Matt Damon zum besten Film des Jahres gekrönt und für den Schnitt und das beste Drehbuch ausgezeichnet. In der Aufregung vergaß Scorsese nicht, seinem langjährigen Kameramann, dem Deutschen Michael Ballhaus, ausdrücklich zu danken.

In diesem Jahr war Scorseses 3D-Märchen "Hugo Cabret" gleich elfmal nominiert, doch am Ende gab es "nur" fünf Oscars in den technischen Sparten, wie Kamera und Schnitt. Der Stummfilm "The Artist" hatte im Februar die wichtigsten Trophäen abgeräumt. Scorsese konnte sich da aber schon mit dem Golden Globe trösten, den er im Januar als bester Regisseur erhalten hatte.

Es geht unermüdlich weiter

Seit September stehen Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Jean Dujardin für Scorsese vor der Kamera. Der Börsen-Thriller "The Wolf of Wall Street" dreht sich um Betrug und Korruption an der New Yorker Wall Street. Es ist der fünfte gemeinsame Film für Scorsese und DiCaprio, nach "Gangs of New York", "Aviator", "Departed - Unter Feinden" und dem Horrorthriller "Shutter Island". Nur Robert De Niro konnte den Teamwork-Rekord mit acht Scorsese-Filmen, darunter "Taxi Driver" und "Good Fellas", übertreffen.

Auf Scorseses vollem Drehplan stehen als nächstes eine Filmbiografie über den legendären US-Entertainer Frank Sinatra und das Historien-Epos "Silence" über zwei Jesuitenpriester, die im 17. Jahrhundert auf der Suche nach einem Mentor nach Japan reisen. Daniel Day-Lewis, Benicio Del Toro und Gael García Bernal haben schon zugesagt. Mit "Silver Ghost" will der unermüdliche Regisseur auch noch die Geschichte der legendären Autohersteller Charles Stewart Rolls und Frederick Henry Royce erzählen.

Scorsese wurde 1942 als Sohn sizilianischer Arbeiter geboren und wuchs im New Yorker Italienerviertel "Little Italy" auf. Er litt an Asthma, und schon als kränkelnder Junge entdeckte er seine Liebe zum Film. Nach zwei Jahren in einem Priesterseminar entschied er sich für ein Studium der Filmwissenschaften und jobbte nebenher als Cutter und Regieassistent. Mit Steven Spielberg, Francis Ford Coppola und George Lucas baute er in den 70er Jahren das "New Hollywood" auf.

Enge Zusammenarbeit mit Robert De Niro

"Hexenkessel", eine Milieustudie über das harte Leben in den Straßen von New York, brachte Scorsese 1973 das Lob der Kritiker ein. Zu diesem Zeitpunkt begann auch die enge Zusammenarbeit mit Robert De Niro, mit dem er 1976 "Taxi Driver" drehte. Für das geniale Porträt eines verbitterten Vietnamkämpfers bekam Scorsese die "Goldene Palme" in Cannes. "Taxi Driver" erhielt vier Oscar- Nominierungen, darunter als bester Film, verlor aber gegen Sylvester Stallones "Rocky" - eine Entscheidung, die Scorsese-Fans der Oscar-Akademie nie verziehen haben.

Mit dem Box-Drama "Wie ein wilder Stier" holte sich Scorsese 1980 die erste von sechs Oscar-Nominierungen als bester Regisseur. Es folgten "Die letzte Versuchung Christi", "Good Fellas", "Gangs of New York", "Aviator" und schließlich "Departed: Unter Feinden". Zwei Mal wurde er für ein Drehbuch nominiert. Die letzte Bruchlandung vor seinem Oscar-Triumph erlebte Scorsese 2005 mit "Aviator", einem Film über den Flug- und Filmpionier Howard Hughes. Damals schnappte ihm Clint Eastwood mit "Million Dollar Baby" den Regie-Oscar weg.

Francis Ford Coppola frotzelte einmal über seinen Kollegen, Scorsese sei so arbeitseifrig und aufs Geld aus, weil er eine große Familie und vier Ex-Ehefrauen unterhalten müsse. Scorsese hat drei Kinder und ist seit 1999 zum fünften Mal verheiratet. Seine Ehe mit Schauspielerin Isabella Rossellini hielt drei Jahre.

Barbara Munker, DPA/DPA

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