In "Der gute Hirte" spielt Matt Damon einen wortkargen CIA-Agenten, dem der Dienst fürs Vaterland wichtiger ist als sein Privatleben. Im stern.de-Interview erzählt Damon, wie wichtig ihm Politik ist und wie er in Hollywood ein Privatmann bleibt.

Spielt in "Der gute Hirte" den CIA-Mann Edward Wilson: Schauspieler Matt Damon© Jörg Carstensen/DPA
Am Anfang war ich unglaublich aufgeregt und nervös. Er hat mich das sofort vergessen lassen. Ich hatte keine Zeit, mich richtig vorzubereiten. Bob (Robert De Niro, d. Red.) beruhigte mich, er hätte schließlich acht Jahre an diesem Film gearbeitet und eine genaue Vorstellung von dem, was er will. "Vertrau mir einfach", sagte er, "wir können jeden Augenblick anfangen und es wird gut." Wenn mir Robert De Niro so etwas sagt, dann glaube ich das. Was mich an Bob so fasziniert, ist diese Diskrepanz zwischen seiner unglaublichen Arbeit, dieser Aura, die ihm vorauseilt, und dem, wie er als Mensch ist: nämlich unglaublich nett und umgänglich. Wir alle haben ihn bewundert. Trotzdem schafft er diese entspannte Arbeitsatmosphäre. Mit ihm an etwas zu arbeiten, das ihm so wichtig ist, war ein großartiges Erlebnis für mich. Die ganzen Dreharbeiten über saß er ganz nah an mir dran. Er stand dicht neben der Kamera und hat jedes noch so kleine Detail überprüft.
Bob hat einfach nur die Hand gehoben und eine gerade Linie gezeichnet. Damit wollte er mir zeigen, dass ich mich ruhig halten soll. Weil Edward sich so wenig bewegt und auch kein Wort spricht, hat jede noch so kleine Bewegung eine große Bedeutung. Man muss sich stark zurücknehmen. Wenn man das Schauspielen sieht, hat man schon verloren. Dann ist es übertrieben. Man muss in die Figur einsteigen. Das hat auch Robert De Niros Karriere geprägt. Man würde nie sagen, Robert De Niro war gut in "Taxi Driver", sondern man spricht von Travis Bickle. Er lässt diese Charaktere entstehen, sie leben, weil er so sehr auf die Details achtet. Es gibt diese Figuren, aber man weiß nichts von De Niro und seinem Privatleben. Er ist ein wahrhaft großer Schauspieler.
Ich bin jetzt 36, es ist viel schwerer für mich, einen 18-Jährigen zu spielen als einen 42-Jährigen. 42 ist nicht weit weg. Im Drehbuch gab es sehr klare Anweisungen: Seine Schultern hängen immer mehr, als ob er das ganze Gewicht der Welt tragen müsste. Wir wollten es nicht übertreiben und haben nicht so viel Make up verwendet, nur meinen Haaransatz ein wenig nach vorne und nach hinten gesetzt. Vor allem aber haben wir an Kleinigkeiten in der Darstellung gefeilt.
Ich hatte Kurse darüber in der Uni. Es ist ein Abschnitt der Geschichte, der mich sehr bewegt. Auch diese Geheimbundgeschichten der "Skull and Bones Society", eine geheime Bruderschaft, aus der dann heraus die CIA gegründet wurde. Diese Männer-Clique hatte so viel Macht. Bis sie sich überschätzten und an der Schweinebucht scheiterten. Das ist ein wenig vergleichbar mit dem Irak. Das ganze basierte auf einer falschen Einschätzung, man dachte, wenn man da ist, wird ein Wunder geschehen. Diese Art von Ideologie endet immer im Desaster.
Nein. Die Frage wie viel seiner persönlichen Freiheit man für nationale Sicherheit aufgibt, beschäftigt uns ständig, gerade heutzutage. Mittlerweile plaudern die Mitglied der "Skull and Bones Society" selbst ihre Geheimnisse aus. Aber sie haben immer noch die Macht in der Gesellschaft: 2004 kamen beide Präsidentschaftskandidaten von Yale, sie waren beide Mitglied bei "Skull and Bones", und auch unser jetziger Präsident Bush ist Mitglied. Den großen Einfluss kann man nicht verleugnen.
Bob will weitermachen, der nächste Teil soll dann nach der Schweinebucht mit dem Bau der Berliner Mauer starten und bis zum Fall der Mauer gehen. Der Schah, Chile - all das würde da mit reinkommen. Ein dritter Teil soll 1989 beginnen und bis heute gehen. Das könnte eine große Trilogie amerikanischer Geschichte aus der Sicht der CIA werden.