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Raab muss noch sehr viel üben

Eine "Ladies Night" sollte es diesmal richten. Aber auch die zweite Ausgabe von "Absolute Mehrheit" zeigte: Es bedarf noch einiger Arbeit für Stefan Raab, um eine gute Polit-Talkshow zu installieren.

Von Bernd Gäbler

  Kann Raab Kanzlerduell? Bei der zweiten Ausgabe von "Absolute Mehrheit" stieß der Moderator sichtbar an seine Grenzen.

Kann Raab Kanzlerduell? Bei der zweiten Ausgabe von "Absolute Mehrheit" stieß der Moderator sichtbar an seine Grenzen.

  • Bernd Gäbler

Besser hätte sich Stefan Raab die Vorab-Reklame für seine Sendung kaum wünschen können. Durch eine neuerliche Ungeschicklichkeit des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück war Raab in aller Munde. Edmund Stoiber hatte den Wok-Weltmeister als Moderator des kommenden Kanzlerduells vorgeschlagen. Dieser Werbegag des ProSiebenSat.1-Beiratsvorsitzenden wäre rasch verpufft, hätte jemand Steinbrück erklärt, dass man sich als Politiker seine Interviewer tunlichst nicht selbst aussuchen darf. So lehnte Steinbrück Raab gegenüber der "Neuen Passauer Presse" ab, um dies zwei Tage später in "Bild" zu widerrufen - und verlieh so dem Thema Flügel, ob Raab ein geeigneter Polit-Moderator sein könne. Der verkündete gewohnt selbstbewusst, erst mit ihm würde Seriosität zurückkehren ins Kanzler-Duell.

Damen aus der dritten Reihe

Zugleich hat er damit aber auch einen Maßstab für die zweite Ausgabe seines Polit-Talks "Absolute Mehrheit" errichtet. Kann Raab Politik? Oder macht Raab doch immer nur Raab, egal, ob es um Wokrodeln, Quizboxen, Karneval oder politische Fragen geht? Diesmal würden ein paar flotte Sprüche, schnelle Themenwechsel und permanente Blicke auf den Tabellenstand jedenfalls nicht ausreichen.

Weit entfernt von jedem Kanzlerduell wirkte zunächst einmal die Besetzung seiner zur "Ladies Night" umfirmierten Runde: Dorothee Bär (CSU), Linda Teuteberg (FDP), Katja Dörner (Grüne) und Yvonne Ploetz (Linke) - das war eher die dritte als die zweite Reihe der Politik. Was ja an sich nicht schlimm wäre, wenn die Runde dadurch besonders kompetent oder dialogfreudig geworden wäre. Das traf aber nur teilweise zu. Zum ersten Thema "Frauenquote" gab es vor allem einen freundlich-fröhlichen Austausch bekannter Statements. Der fünfte Gast, männlich, der Musiker Olli Schulz, der sich selbst als "Mann des Volkes" in die Runde einführte, mühte sich zwar redlich, populäre Akzente zu setzen, konnte aber dem Gesamteindruck, hier handele es sich um eine etwas einfach gestrickte Ausgabe von "Jugend diskutiert" kaum Abhilfe zu schaffen.

Raab führte an, dass in Norwegen Unternehmen mit Frauenquote an Wert verloren hätten und fragte nach, ob es bei mehr Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft menschlicher zugehen würde? Wäre der Berliner Flughafen mit Frauen in verantwortlichen Positionen etwa besser gebaut worden? Das hielt er der Grünen Katja Dörner vor. Sie hatte nämlich erwähnt, dass da bei jeder Anhörung immer nur Männer zu vernehmen waren. Das war ihr Todesstoß: Bei der Abstimmung nach dem ersten Thema schied sie mit 13,3 Prozent aus. Gewiss nicht, weil sie besonders schlecht argumentiert hatte.

Raabs Problem: Überforderung

Als nächstes hatte Raabs Redaktion das Thema "Tugendrepublik Deutschland" gewählt und ihm damit sichtbar keinen Gefallen getan. Es sollte darum gehen, ob von Politikern Übermenschliches erwartet würde, ob sie durch Medien ungerecht behandelt würden, ob zu schnell Skandale ausgerufen würden oder gar "Hysterie" herrsche. Wie immer war der Einspielfilm vor allem albern, aber dann ging es auch schon drunter und drüber: Frau Schavans Plagiat, Brüderles Machismo, gefärbte Haare, alles Mögliche wurde erwähnt.

Dass Raab keiner ist, der in solch ein weites Feld begriffliche Klarheit bringen kann, war klar. In dieser Diskussion vermochte er es aber nicht einmal, wenigstens die Themen zu sortieren. Eine Gewichtung nach Bedeutung gelang ihm schon gar nicht. Auch die Flucht in den schalen Witz, ihn persönlich habe ja mehr als dessen Verfehlung bei der Doktorarbeit gestört, dass Karl-Theodor zu Guttenberg nach einem Jahr ohne Brille aus Amerika zurückkam, verhieß keine Rettung. Hier blieb einfach durchgehend alles vage, im Ungefähren, bei Allerweltsweisheiten. Olli Schulz schied aus, versuchte aber danach, sich zunehmend in die Rolle eines erregten Volkstribuns hineinzusteigern.

Alles war so harmlos

Da ging es schon um die "Mietexplosion", und Stefan Raab erklärte, dass sei ein Thema, das man "nicht mal eben so aus der Hüfte" behandeln könne und tat es dann doch. Jedenfalls jubelte ihm Frau Bär (CSU) die Wiedereinführung der Eigenheimzulage unter, die viele ja als Prämie für Landschaftszersiedelung ansehen - ohne Nachfrage. Frau Teuteberg (FDP) wünschte eine schnellere Bauverwaltung und sah in den "teuren Klimaschutzvorgaben" und der "hohen Grunderwerbssteuer" das Hauptübel. Raab hakte mitnichten nach. Nur bei Frau Ploetz von der Linkspartei stellte er die berechtigte Frage, wie denn ein Grundrecht auf Wohnung funktionieren solle. Mit lustigen Entweder-Oder-Fragen wie: Lasagne oder Currywurst? Jogginghose oder Dirndl?, die selbstverständlich an FDP-Frau Linda Teuteberg gingen, schloss er die Runde.

Durchgängig wirkte Raabs zweiter Polittalk vor allem harmlos. Er wolle die Politik für junge Leute attraktiver machen, hat Raab sich auf die Fahne geschrieben. Dazu aber gehört mehr, als bloß das Naheliegende zu benennen. Natürlich ist er kein Intellektueller. Das muss er auch nicht sein. Aber nur ein bisschen Flottheit reicht eben auch nicht aus. Ein Polit-Talkshow-Moderator muss schon Wichtiges von Nebensächlichem trennen und auf Widersprüche in Argumentationen hinweisen können. Raab muss noch sehr an sich arbeiten.

Das Endergebnis war übrigens genauso wie in der ersten Ausgabe von "Absolute Mehrheit": Auf Platz 1 kam die FDP, die Linke belegte Rang 3. Auch das blieb belanglos.

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