Startseite

Stern Logo Medienkolumne

Das immergleiche Rate-Ritual

Schaue eines - und du kennst sie alle. Ob "Star-Quiz", "Quiz-Show" oder "Quiz vom Menschen" - was so bunt daherkommt, ist zum routinierten Einerlei verkümmert. Es gibt nur eine Ausnahme.

Von Bernd Gäbler

  Voll gut drauf und immer schön locker: Eckart von Hirschhausen als Moderator von "Das fantastische Quiz des Menschen".

Voll gut drauf und immer schön locker: Eckart von Hirschhausen als Moderator von "Das fantastische Quiz des Menschen".

  • Bernd Gäbler

Alles wird wie immer sein: Eckart von Hirschhausen wird heute Abend (20.15 Uhr im Ersten) ungelenk durch eine technisch aufwendige Studio-Dekoration staksen und versuchen, witzig zu sein. Alles ist aufgezeichnet, hübsch zusammengeschnitten, steril und langweilig. Die Regeln sind stets die gleichen. Paarweise hocken Prominente hinter Pulten. Immer sind es Jan-Josef Liefers und Christine Neubauer, ein Nachrichtensprecher und eine Schöne (oder Barbara Schöneberger), ein Comedian und eine Schauspielerin. Sie raten und scherzen, machen alberne Spielchen und spenden am Ende irgendwas für irgendwen. Die Spannung ist gleich Null, die Fragen sind beliebig, der Ausgang ist egal. Hauptsache, die TV-Familie ist unter sich.

Diesmal kommen Ulrike von der Groeben (RTL) und Marcel Reif (Sky), der Koch Steffen Henssler und Ingo Nommensen (beide ZDF), sowie Mariella Ahrens (als Schöne) und Gesine Cukrowski - also eher die zweite Garnitur, sonst wäre Armin Rohde dabei. Und Eckart von Hirschhausen wird wieder so tun, als könne man was lernen, bei seinem "Quiz des Menschen", das er selbst "fantastisch" findet.

Eine Zeit lang war das deutsche Fernsehen fast zur quizfreien Zone geworden. Seit dem Erfolg von "Wer wird Millionär?" aber gibt es auch in ARD und ZDF Quiz wieder in Hülle und Fülle. Optisch und inhaltlich ist dabei eine bemerkenswerte Annäherung zu beobachten. Immer will das Quiz eine ganz große Show sein, mit viel Publikum, knallbuntem Studio, Musikeffekten und Lachern. Und immer wirkt es letztlich brav, risikofrei und piefig. Immer sollen die Fragen zum Schmunzeln anregen oder etwas kurios sein. Manchmal sind sie auch auf altväterliche Art schlüpfrig. Aber sie stehen längst nicht mehr im Zentrum. Das Raten und Wissen ist zum Beiwerk geworden. Der Inhalt ist dünn, die Verpackung opulent. Ob "Star-Quiz" oder "Quiz-Show", ob Pflaume oder Pilawa, im Kern ist alles zu einem furchtbar routinierten Einerlei einer großen Unterhaltungsfabrikation von der Stange geworden.

Ein Kindergeburtstag für TV-Firmen

Die Firmen, die im Hintergrund die Quiz-Sendungen konzipieren und produzieren, können alle in etwa dasselbe und schauen alles voneinander ab. Allenfalls lächelt Kai Pflaume mal etwas süß-saurer als Jörg Pilawa, der ZDF-gemäß vom einst Spitzbübischen ins Fach des Jovialen gewechselt ist. Außerdem taucht Günther Jauch wieder häufiger in den Rateteams auf. Warum? Weil das sein Alleinstellungsmerkmal als Produzent ist: die Selbstvermarktung. Der Zuschauer kann sich als Merksatz notieren: Wenn es Jauch ist, der wieder einmal seine niedliche Tapsigkeit in neckischen Bewegungsspielen vorzeigt oder sich Charlys-Tantenhaft mit Queen-Elizabeth-Fummel verkleidet, wie jüngst zum Jahresende bei "2012 - Das Quiz" geschehen, dann wird das Quiz auch von dessen Firma i+u produziert.

Da gab übrigens Frank Plasberg, einst als knallharter Journalist in die erste Reihe der TV-Größen aufgestiegen, den albernen Bi-Ba-Butzemann. Die Kandidaten mussten unter anderem mit um den Bauch geschnallten Pappbooten auf Skateboards knieend um die Wette paddeln. Plasberg tut dann so, als würde er sich köstlich amüsieren. Es mag für ihn sprechen, dass man ihm noch anmerkt, wie wenig er eigentlich für derartige Quiz-Masterei geschaffen ist.

Das Quiz will Kindergeburtstag sein, simuliert aber nur dessen Ausgelassenheit. Nur bei Pilawa geht es etwas gemächlicher zu. Er lässt als sportiven Test rüstige Seniorenpaare Tischtennisbälle in Blumenvasen titschen. Das ist dann doch mehr Altennachmittag.

Wissen ade

Wenn man sich anschaut, welche Spiele gespielt und welche Fragen gefragt werden, dann ist ein Paradigmen-wechsel greifbar. Selbst im Quiz zum Jahresrückblick mit Frank Plasberg geht es ausschließlich um Nebensächliches und Absurdes. Früher einmal hatte das Quiz nicht nur mit Raten, sondern auch mit Wissen zu tun. Wie illusionär auch immer das war, es behauptete zumindest irgendeine Relevanz. Das ist endgültig vorbei. Indem das Fernsehen alle bildungsbürgerlichen Hüllen abstreift, landet es fröhlich und willentlich im Infantilen.

Dass dieses Kindische keineswegs sein muss, lehrt unter anderem ein Blick auf das ausländische Privatfernsehen. Wer einmal auf dem britischen Privatsender ITV "The Chaser" gesehen hat, wird sich verwundert Augen und Ohren gerieben haben. Da gibt es zwar auch Fragen zu Filmstars und Popmusik, aber ebenso selbstverständlich zu griechischen Göttern und physikalischem Basiswissen.

Die Quoten sind manierlich

Ein Horror für die hiesigen Produzenten des öffentlich-rechtlichen Quiz-Elends. Veränderungsdruck aber gibt es nicht. Zwar kenne ich keinen unter 60-Jährigen, der sich stolz zum Anschauen der Pilawa/Pflaume/Plasberg/Hirschhausen-Quize bekennen würde, aber die Quoten sind manierlich. Die Prime-Time am Donnerstag gehört für die ARD nicht zu den Baustellen. Pilawa hat sich beim ZDF etabliert. Alles geht seinen Gang. Die Produktionsfirmen verdienen herrlich, die Kandidaten mehren ihre TV-Bekanntheit, die Zuschauer dösen und die Sender sind zufrieden.

Womit sie zugleich zeigen, dass sie überhaupt nicht begriffen haben, worin eigentlich der Reiz des globalen Erfolgsformats "Wer wird Millionär?" besteht. Das einzige Quiz-Format übrigens, in dem Jauch auftaucht - als Moderator - und nicht auch produziert. Und er moderiert es gut, denn er weiß, worauf es ankommt: auf die normalen Menschen, die da nervös auf dem Kandidatenstuhl herumrutschen. Sie schwitzen und freuen sich, haben Glück oder wissen viel, raten und riskieren etwas oder gehen lieber auf Nummer sicher. Mit ihnen können wir uns vergleichen und mitfiebern. Außerdem sind die Fragen - vielleicht mit Ausnahme der großen Kalauer am Anfang - in der Regel ganz interessant, oft originell, manchmal witzig. Man möchte die richtige Antwort wissen. Das ist der Unterschied: Das Publikum wird nicht per se für blöd gehalten.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Zu hohe Inkassogebühren, rechtens?
Hallo, ich habe am 20 März 15 einen Vertrag über 12 Monate mit einem Fitness-Studio abgeschlossen. Die Kosten (9,98 € 14-Tägig, 39,99€ Verwaltung einmalig, 19,99 Trainer und Servicepauschale Jährlich) sollten per Einzugsermächtigung abgebucht werden. Kürzlich bekam ich überraschend einen Brief von einem Inkassobüro mit der Zahlungsaufforderung für die gesamten 12 Monate inkl. der Verwaltung und Servicepauschale + Auslagen des Gläubigers (63,38€), Zinsen (1,42€), Geschäftsgebühr (45€), Auskunftskosten (5€) , Auslagenpauschale (9€) Hauptforderung 320,28€ Offene Forderung 444,08€ Nach dem ich mich bei der Firma erkundet habe, sagten sie mir, dass Zahlung zurückgegangen ist da mein Konto nicht gedeckt sei. Fakt war das sie einen Zahhlendreher in der Kontonummer hatten obwohl im meinem Durchschlag die Richtige Kontonummer angegeben wurde. Aber im Original hat jemand aus einer 3 eine 8 geändert. Nach Überprüfung konnte ich Feststellen das es diese Kontonummer gar nicht gibt und das diese vom System gar nicht angenommen wird. Spätestens da hätte man mich doch hinweisen oder fragen können was mit dem Konto sei. Es kam nie ein zu einem Zahhlungsrückgang, noch zu einer Zahlungserinnerung Mahnung seitens des Fitnessstudios. Die AGB´s habe ich nie zu Gesicht nie bekommen und auch nicht gelesen - diese stehen (nach meiner Recherche) im Internet aber auch nicht definiert wie man in Zahlungsverzug kommt. Leider habe ich unterschrieben das sie mir bekannt sind. Dies steht ganz kleingedruckt im Durchschlag. Ich habe der Firma vorgeschlagen die offenen Beiträge bis jetzt zu bezahlen und für die Zukunft eine neue Einzugsermächtigung zu erteilen, was sie aber abgelehnt haben und mir gesagt haben ich soll dies mit dem Inkassobüro klären. Der Fitnessvertrag ist somit gesperrt seit einem Monat. Da ich aber mit den Gebühren, Mahnspesen von dem Inkassobüro nicht einverstanden bin weiß ich nicht ob ich diese bezahlen muss. Ich habe dem Inkassobüro auch vorgeschlagen die offenen Beiträge zu begleichen und diese dann wie vertraglich vereinbart abgebucht werden. Sie haben mir angeboten diese in einem Jahr zu einem monatlichen Beitrag von 35€ abzuzahlen. Dies währen Mehrkosten von 100€, ist das rechtens? Bitte Antworten sie mir in einer Sprache die ich auch versteh - mit langen Gesetzestexten kann ich leider nicht umgehen Und was Sie denken was ich tun soll was rechtens ist. Vielen Dank im Voraus

Partner-Tools