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23. August 2006, 10:04 Uhr

Vom Rentnerparadies zum Sündenpfuhl

Produzent Michael Mann hat eine Generation geprägt, eine Generation aus Pastellfarben, String-Bikinis und Art Deco. Jetzt bringt er seinen Klassiker "Miami Vice" in moderner Aufmachung ins Kino mit zwei Cops, die cooler sind, als die Polizei erlaubt. Von Christine Kruttschnitt

Jamie Foxx und Colin Farrell als Titelhelden des Gangsterdramas "Miami Vice"© UIP/ddp

Dieser Mann ist also schuld daran, dass in den achtziger Jahren Scharen von Männern ihre Jackenkragen aufgestellt und penibel die Ärmel hochgekrempelt haben, dass sie sich ohne Strümpfe in Schuhe wagten und überhaupt Rosa trugen oder Babybreigelb. Die Fernsehserie "Miami Vice" überschwemmte damals ganz Deutschland mit karibischer Lässigkeit; plötzlich wusste jeder Hempel, wie String-Bikinis aussehen und dass Art Deco ein puppenbunter Baustil ist. Michael Mann war als Produzent verantwortlich für den Look der amerikanischen Erfolgssendung, die das floridianische Rentnerparadies in einen tropischen Spielplatz für Yuppies und Drogendealer verwandelte.

Von 1984 bis 1989 begleitete das Publikum zwei modebewusste Polizisten auf ihren Tauchgängen in Miamis Sündenpfuhl - Don Johnson wurde damals zum Star und Sexsymbol als sonnenöliger Detective Sonny Crockett.

Professionalität statt Moral

Als Drehbuchautor und Kino-Regisseur wurde Michael Mann berühmt für seine schroffen Männerwelten: Seine Helden sind ramponierte Gesellen, die irgendeinen harten Job zu erledigen haben - eine Bank ausrauben oder einen Killer erlegen, einen Coup durchziehen oder ihn aufklären; auf welcher Seite sie stehen, ist fast egal, es kommt nur darauf an, wie gut sie sind. In "Heat" hetzte er 1995 den schlauesten Polizisten (Al Pacino) auf den schlauesten Dieb (Robert de Niro); der Thriller geriet nicht nur zum Powerplay zweier Schauspiel-Ikonen, er zeigte auch, dass Mann vor professioneller Arbeit mehr Respekt hat als vor Moral.

Wie Verbrecher ticken, hat den heute 63-jährigen Filmemacher immer interessiert. Seit Jahren hält er Kontakt zu Polizisten und überführten Gangstern, ist auf dem neuesten Stand, was Ermittlungsmethoden und Milieu angeht.

Pastell ist passé

In seiner Leinwandversion von "Miami Vice", die jetzt in den deutschen Kinos zu sehen ist, wird manchmal so viel Insider-Slang gequasselt, dass man sich als Zuschauer heimlich wünscht, die Cops arbeiteten mit Lupe statt GPS, und es ginge um Taschendiebstahl in Miami Beach statt um ein international operierendes Drogenkartell. Pastell ist passé, düster sind die Zeiten: Kokain-Könige aus der Dritten Welt machen Geschäfte mit Amerikas Hochfinanz; die Globalisierung schafft sich ihre eigene Unterwelt. In den USA waren die Kritiken für Manns sorgfältig komponiertes Gangsterdrama gemischt: Diese Typen, befand die "Los Angeles Times", seien einfach zu cool, als dass man warm mit ihnen werden könnte.

Von Christine Kruttschnitt
 
 
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