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15. Juli 2005, 17:58 Uhr
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"Der Krieg ist vorbei"

Er war einer der größten Schauspieler seiner Generation, die ungeduschte Antithese zu den klinischen Achtzigern. Dann stürzte er ab und verlor alles. Nun feiert Mickey Rourke ein Comeback, an das nicht mal er selbst geglaubt hat.

Mickey Rourke, 48© Capital Pict.

Mit einer Stunde Verspätung schlurft Mickey Rourke in die Bar eines Londoner Hotels, lässt sich vorsichtig in einen Sessel sinken und schiebt die Sonnenbrille auf die Stirn. Er trägt einen Nadelstreifenanzug mit Einstecktuch, sein Händedruck ist schlaff, die Augen blicken glasig.

Mr. Rourke, Sie sehen mitgenommen aus.

Ja, wir hatten einige Partys in den vergangenen Tagen. Ich bin wieder im Geschäft und finde es großartig.

Früher hatten Sie für Hollywood nur Verachtung übrig. Sie sagten, es gehe nur ums Geld, nicht um die Kunst. Was ist heute anders?

Sehen Sie, ich habe in den letzten Tagen 94 Interviews gegeben. Jetzt sitze ich schon wieder hier. Damals hätte ich Sie rausgeschmissen. Und wenn nicht, hätte ich Bullshit geredet. "Schöne Titten, Baby", alles Mögliche. Ich hätte bloß nicht vernünftig und professionell mit Ihnen reden können. Aber nun war ich so lange aus dem Geschäft, jetzt weiß ich es zu schätzen.

Ihr Verhältnis zu Hollywood hat sich entspannt?

Ja. Früher wollte ich mich dieser Industrie um keinen Preis anpassen, ich dachte, ich sei ein so begnadeter Schauspieler, dass ich stärker sei als das System. Heute weiß ich, es ist Teil des beschissenen Spiels: Wer arbeiten will, muss mitspielen. Der Krieg ist vorbei. Der neue Mickey lehnt sich zurück und sagt: Okay, was wollt ihr haben?

Damals waren Sie ein Kotzbrocken: Sie haben Rollen abgelehnt, nur weil Ihnen der Mantel des Regisseurs nicht gepasst hat, mit anderen Schauspielern haben Sie gar nicht erst geredet, in Ihrer Freizeit haben Sie sich in Bars geprügelt ...

Ja, und ich bin durch Beverly Hills gelaufen mit zehn Hell's Angels um mich rum. Wissen Sie, es war einfach zu viel Wut in mir. Es ging mir wunderbar, aber ich war nicht dankbar - weder für mein Geld und meine Karriere, noch für meine Gesundheit und meine wunderschöne Frau. Es tat weh, Mickey Rourke zu sein. Ich bin wütend aufgewacht und wütend ins Bett gegangen.

Wo kam all die Wut her?

Ich habe lange gebraucht, das zu kapieren. Eigentlich habe ich mich geschämt. Irgendwann habe ich in den Spiegel gesehen und erkannt: Das da ist der Scheißbastard, nicht die anderen, die ich gehasst habe. Ich beschuldige niemanden mehr außer mich selbst. Vielleicht noch diejenigen, die mich vor langer Zeit zu dem gemacht haben, der ich bin.

Sie sind in einem Ghetto in Miami aufgewachsen. Ihr Stiefvater hat sie geschlagen.

Es sind schlimme Dinge passiert, die man sich nicht vorstellen will. Dinge, die du auch nicht mit Ruhm und Geld kompensieren kannst. Als ich klein war Aber ich will nicht darüber reden. Wenn du als Kind verletzt wirst, wirst du es nie wieder los. Es ist ein Teil von dir, es ist, als säßest du lebenslang im Gefängnis.

Wie sind Sie damit fertig geworden?

Ich musste lange mit meinem Therapeuten reden, seit neun Jahren bin ich bei ihm. Er hat gesagt: Wenn du alle Menschen so behandelst, als wären sie der Mann, der dich verletzt hat, dann verlierst du, und er gewinnt. Das will ich jetzt verhindern. Mein Stiefvater hat so viel in meinem Leben zerstört, ich will dagegen kämpfen, dass er mir den Rest auch noch zerstört. Er soll mich nicht länger kontrollieren.

In den Achtzigern kauften Sie sich einen goldenen Rolls-Royce, einen Nachtclub und eine Villa in Beverly Hills, in der Sie so lange gefeiert haben, bis alle Nachbarn ausgezogen waren. Haben Sie sich betäubt?

Vielleicht. Verloren war ich, verwirrt. Ein beschissener Idiot. Umgeben von anderen roboterhaften, beschissenen Idioten, Jasagern, die immer hinter mir hergekrochen sind und eigentlich nur mein Geld wollten.

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