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Märchen, Mütter, Jesus-Freaks

Bei Disney setzt man mit der "Eiskönigin" mal wieder auf Märchen und Musical-Einlagen. Andere Filme gehen mehr Risiken ein, was in manchen Fällen klappt, aber bei Ridley Scott gehörig schiefgeht.

Von Patrick Heidmann und Nicky Wong

  • Patrick Heidmann

"Die Eiskönigin"

Wen Sie kennen könnten: die Stimme von Hape Kerkeling ("Horst Schlämmer - Isch kandidiere!")

Die Geschichte in einem Satz:

Weil sie ihre magischen Fähigkeiten nicht kontrollieren kann und aus Versehen das ganze Land in ewigen Winter versetzt, zieht sich die frisch gekrönte Königin Elsa in einen Eispalast zurück, doch ihre Schwester Anna versucht - gemeinsam mit Naturbursche Kristoff, seinem Rentier und dem sprechenden Schneemann Olaf - alles wieder ins Lot zu bringen.

Geschwister im Kinoversum:

"Rapunzel - Neu verföhnt"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Weil Disney hier an die schöne Tradition anknüpft, pünktlich zur Weihnachtszeit ein klassisches Märchen mit vielen Musical-Einlagen auf die Leinwand zu bringen. Nur schade, dass neben ein paar amüsanten Momenten, schmissigen Songs und tollen Schnee-Animationen so wenig von der Andersen-Vorlage "Die Schneekönigin" übrig und die Action wichtiger als die Figuren ist.

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"The Counselor"

Wen Sie kennen könnten: Regisseur Ridley Scott ("Gladiator") und die Darsteller Michael Fassbender ("Inglourious Basterds"), Brad Pitt ("World War Z"), Javier Bardem ("No Country For Old Men"), Cameron Diaz ("Verrückt nach Mary"), Penélope Cruz ("Vicky Cristina Barcelona") und Bruno Ganz ("Der Untergang")

Die Geschichte in einem Satz:

Ein namenloser Rechtsanwalt lässt sich von der Aussicht auf das große Geld blenden und verstrickt sich im US-mexikanischen Grenzgebiet so tief in illegale Drogengeschäfte, dass es bald keinen Ausweg mehr gibt.

Geschwister im Kinoversum:

"Killing Them Softly"

Warum Sie den Film womöglich sehen sollten:

Weil es schon ein erstaunlicher Anblick ist, einem so hochkarätigen Team vor und hinter der Kamera (das Drehbuch stammt von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy) beim spektakulären Scheitern zuzusehen. Denn selten ist ein so spannendes Projekt auf so krude Weise schief gelaufen. Ein Film, der einen ziemlich ratlos zurücklässt.

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"Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß"

Wen Sie kennen könnten: die Darstellerin Maribel Verdú ("Pans Labyrinth")

Die Geschichte in einem Satz:

Ein von seiner bösen Stiefmutter verhasstes Mädchen tritt in den 1920er Jahren in die Fußstapfen ihres Matador-Vaters und flüchtet mit einer Gruppe kleinwüchsiger Toreros, doch als sie zur Königin des Stierkampfes aufsteigt, tritt auch die Stiefmutter wieder auf den Plan.

Geschwister im Kinoversum:

"The Artist"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Schneewittchen-Verfilmungen gab es in den letzten Jahren einige, doch diese hier stellt alle in den Schatten. Denn nicht nur funktioniert das historisch-spanische Setting erstaunlich gut, sondern vor allem der Einfall, die Geschichte als schwarzweißen Stummfilm zu erzählen. Nicht ohne Grund gewann der Film von Pablo Berger in Spanien zehn Goyas und hat am 7. Dezember auch Chancen auf zwei Europäische Filmpreise.

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"Battle Of The Year"

Wen Sie kennen könnten: die Darsteller Josh Holloway ("Lost") und Chris Brown ("Takers - The Final Job")

Die Geschichte in einem Satz:

Die besten Breakdancer der Welt nehmen jedes Jahr am Battle of the Year teil, doch der letzte Sieg eines US-Teams liegt lange zurück, woran ein HipHop-Mogul und ein Ex-Basketball-Trainer gemeinsam mit allerlei B-Boys etwas ändern wollen.

Geschwister im Kinoversum:

"Step Up 4: Miami Heat", "Stomp the Yard"

Warum Sie den Film nicht sehen sollten:

Weil sich der Boom der HipHop-Tanzfilme langsam wirklich totgelaufen hat und in diesem Fall noch nicht einmal die Breakdance-Szenen in 3D oder die Musik besonders gelungen sind. Von den Dialogen ganz zu schweigen.

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"Tage am Strand"

Wen Sie kennen könnten: die Darstellerinnen Naomi Watts ("King Kong") und Robin Wright ("Forrest Gump")

Die Geschichte in einem Satz:

Roz und Lil kennen sich seit ihren Kindertagen und sind in ihrem australischen Bade-Heimatort noch immer dick befreundet, als sich beide Frauen ausgerechnet auf Affären mit dem gerade mal erwachsenen Sohn der jeweils anderen einlassen.

Geschwister im Kinoversum:

"Wilde Unschuld"

Warum Sie den Film nicht sehen sollten:

Lassen Sie sich nicht davon täuschen, dass diesem seltsamen Film eine Erzählung der kürzlich verstorbenen Nobelpreisträgerin Doris Lessing zugrunde liegt. Oder davon, dass mit Naomi Watts und Robin Wright zwei tolle Schauspielerinnen die Hauptrolle spielen. Denn mehr als vier hübsche, leicht bekleidete Menschen und eine gute Portion unfreiwilliger Komik gibt es hier nicht zu sehen.

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"Tore tanzt"

Wen Sie kennen könnten: vermutlich niemanden

Die Geschichte in einem Satz:

Als der junge, gläubige Punk Tore in der Gartenlaube von Familienpapa Benno Unterschlupf findet, sieht das zunächst wie der Beginn einer besonderen Freundschaft aus, doch als Bennos Sadismus erschreckendes Ausmaß annimmt, stößt Tores Vertrauen in die Nächstenliebe an Grenzen.

Geschwister im Kinoversum:

"Breaking the Waves"

Warum Sie den Film sehen sollten:

Weil dieser Film von Regiedebütantin Katrin Gebbe - in diesem Jahr der einzige deutsche Beitrag in Cannes - zwar schwer auszuhalten und sicherlich nicht rundum gelungen ist, sie aber mehr Risiken eingeht als es Filmemacher hierzulande sonst tun. Das ist mutiges Kino, gibt spannende Einblicke ins Milieu der Jesus-Freaks und lässt sich sogar als Beitrag zur aktuellen Debatte um moderne Sklaverei sehen.

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