Der Hype um die "Hungerspiele"

23. März 2012, 17:50 Uhr

Hollywood wirft ein neues Teenager-"Phänomen" auf den Markt. Teil eins der "Tribute von Panem" bricht in den USA Ticketrekorde. Aber worum geht es eigentlich? Von Sophie Albers

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Jennifer Lawrence spielt Katniss, die Heldin der "Hungerspiele"©

Mittlerweile muss ein Film noch gar nicht im Kino sein, um Kassenrekorde zu brechen: Schon Wochen vor dem Start war "The Hunger Games: Die Tribute von Panem" in den Schlagzeilen, weil bereits Millionen Tickets verkauft wurden - einen Tag vor Start für mehr als 15 Millionen Dollar. Mehr als 100 Millionen Dollar versprechen sich die Filmverleiher vom ersten Teil der Verfilmung der gleichnamigen Bestseller-Trilogie von Suzanne Collins und wollen damit erfolgreiche Reihen-"Phänomene" wie "Harry Potter" und "Twilight" angreifen.

Der "Panem"-Hype kommt geballt. Nach monatelanger Dauerbeschallung, die keinen anderen Zweck hat als das Wiederkennen, erkennt man dieses Mädchen, das mit strengem Blick von Plakaten starrt, dann eben wieder. Die Medienkampagne ist hierzulande notwendig, weil die Romanvorlage mit mehr als 25 Millionen verkauften Exemplaren in den USA ein gigantischer Erfolg, in Deutschland aber kaum bekannt war. Bis jetzt.

Die Geschichte

"Die Tribute von Panem" spielt in einem postapokalyptischen Amerika. Das Land ist in zwölf Distrikte aufgeteilt, deren Bevölkerung Arbeitssklaven der luxuriösen Hauptstadt Panem sind. Um Aufstände zu verhindern, muss jeder Distrikt einmal im Jahr zwei Kinder, Junge und Mädchen, an die Metropole liefern, wo diese 24 dann in einer Art Wald-und-Wiesen-Arena auf Leben und Tod gegeneinander antreten. Das Ganze wird als blutige, ultimative Castingshow im Fernsehen übertragen. Stanley Tucci gibt eine Art blauhaarigen, scheinbar warmherzigen Dieter Bohlen, der die Kinder vorführt und wortwörtlich Schießbudenfiguren aus ihnen macht. Die "Tribute" haben Stylisten und Trainer. Doch die Vorbereitungszeit ist kurz. Heldin der Geschichte ist die 16-jährige Katniss aus dem besonders armen Distrikt 12. Sie meldet sich freiwillig, um ihre kleine Schwester zu retten. Sie rechnet sich Überlebenschancen aus, weil sie gut mit Pfeil und Bogen umgehen kann. Der Film begleitet Katniss und ihren Distriktkollegen Peeta von der Auswahl bis zum Massaker in der Arena.

Die bereits Oscar-nominierte Jennifer Lawrence ("Winter's Bone", "X-Men") als Katniss ist ein Glücksgriff. Die 21-jährige Amerikanerin ist bestes Identifikationsmaterial in dieser Rolle einer jungen Frau, die zugleich hart und weich sein kann, brutal und zärtlich, widerspenstig und mütterlich. Ihre Mitkämpfer, vor allem Josh Hutcherson als Peeta, spielt sie kurzerhand an die Wand. Auf Augenhöhe sind da schon eher Woody Harrelson als Ausbilder Haymitch oder auch Lenny Kravitz als Stylist Cinna, der bereits in "Precious" gezeigt hat, dass er auch ein guter Schauspieler ist.

Teil zwei und drei der "Hungerspiele", deren Verfilmung in Arbeit ist, werden davon berichten, wie Katniss sich und ihre Freunde vom Unrechtssystem befreit und zur Revolutionsführerin heranreift. Das Gehemnis des Erfolges liegt auch darin begründet, dass die Geschichte des jugendlichen Aufruhrs aus weichgespülter Egoshooter-Perspektive anders als die "Twilight"-Schmalzigkeit sowohl Mädchen als auch Jungen anspricht. Obwohl das Gemetzel im Buch für die Leinwand entschärft wurde, macht der Film einen großen Schritt in Richtung klare, harte Gewaltdarstellung.

Worum es geht

Auch diese Brutalität macht "Die Tribute von Panem" zu einem Phänomen. Der Film startet in Deutschland für ein Publikum ab zwölf Jahre, und das obwohl es um nichts anderes geht, als Kinder, die sich gegenseitig abschlachten und eine Nation, die dabei begeistert zuguckt. Der japanische Film "Battle Royale" (2000) macht nichts anderes, steht aber auf dem Index.

"Panem sucht den Splatterstar" will sich natürlich als Kritik verstanden wissen - an Realityshows, an der menschlichen Sensationslust. Es gehe um die Frage, wie man in solch einer Situation "menschlich bleiben" könne, sagte Regisseur Gary Ross im Interview mit stern.de. Aber die Frage, die am Ende dieses nichtsdestotrotz spannenden, solide inszenierten Jugendthrillers stehen muss, ist doch die, ob wir nicht selbst in Panem sitzen und dabei zugucken, was Menschen Menschen antun. Wenn wir es wirklich ändern wollten, wenn wir konsequent wären, müssten wir das Kino verlassen, wenn die Kinder in die Arena einziehen.

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