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Stern Logo Acadamy Awards - Die Oscar-Verleihung

Warum Oscar ein Sexist ist

Bei der 82. Oscarverleihung könnte mit Kathryn Bigelow erstmals eine Frau den Preis für die beste Regie gewinnen. Das wäre revolutionär für Hollywood, wo man Frauen am liebsten vor der Kamera mag.

Von Sophie Albers

Ausgerechnet in der Nacht zum Weltfrauentag wird eine phallische, 34 Zentimeter hohe, vergoldete Trophäe zum Kristallisationspunkt der Emanzipation der Frau im Filmgeschäft. Dann, wenn am Sonntag im Kodak-Theater in Los Angeles zum 82. Mal die Oscars verliehen werden, und vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der Academy Awards eine Frau den Preis für die beste Regie bekommt.

Auch wenn der Typ ziemlich androgyn daherkommt: Oscar ist ein Macho übelster Sorte. Von Männern erdacht, von Männern ausgerichtet, von Männern präsentiert und vor allem an Männer vergeben. Ja, ein paar Frauen sind zuweilen auch dabei, doch da gilt die Regel: Erfolgreiche Frauen ziehen sich in Hollywood aus, und erfolgreiche Männer in Anzügen leiten die Geschäfte. Doch gibt es eben auch Frauen, die Oscar mit nach Hause nehmen und angezogen bleiben wollen: Regisseurinnen, Produzentinnen, Drehbuchautorinnen, Kamerafrauen, Cutterinnen. Für die war das Jahr 2009 ein denkbar schlechtes, und deshalb ist die Vergabe des Regie-Oscars am Sonntag neben der künstlerischen vor allem auch eine politische Entscheidung.

Kathryn Bigelows langer Weg auf die Bühne

US-Filmemacherin Kathryn Bigelow ist mit ihrem Irakkriegs-Film "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" die vierte Frau in der gesamten Geschichte der Oscars, die in der sogenannten Königskategorie Regie überhaupt nominiert worden ist. Gewonnen hat bisher keine: 1976 verlor Lina Wertmüller mit "Sieben Schönheiten" gegen John G. Avildsens "Rocky". 1993 hatte Jane Campions "Das Piano" keine Chance gegen Steven Spielbergs "Schindlers Liste". Und 2003 war schon Sofia Coppolas Nominierung für "Lost in Translation" eine große Ehre. Der Goldjunge ging dann an Peter Jackson und "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs". 82 zu null, so der Stand, der die Zustände im angeblich so fortschrittlichen Hollywood spiegelt.

2009 wurden gerade mal sieben Prozent der 250 erfolgreichsten Filme des Jahres von einer Frau inszeniert. Das sind noch zwei Prozent weniger als im Vorjahr, vermerkt Martha M. Lauzen, Leiterin des Studienzentrums für Frauen in Film und Fernsehen der Universität San Diego. In ihrer Statistik "The Cellulouid Ceiling" dokumentiert Lauzen alljährlich den Status Quo der Frauen in Hollywood. Bei den Regisseurinnen entsprach der 2009 dem Stand von 1987.

Der Stillstand zieht sich durch das gesamte Filmgeschäft: Die meisten Frauen gibt es unter den Produzenten: 23 Prozent. Dem gegenüber stehen allerdings 35 Prozent der erfolgreichsten Filme, die gänzlich ohne Frauen produziert wurden. Cutterinnen hat die Traumfabrik laut Lauzen nur 18 Prozent zu bieten. Von den erfolgreichen Drehbuchautoren sind gerade mal acht Prozent weiblich. Ganz übel sieht es bei den Kameraleuten aus: Zwei Prozent Frauen arbeiten in dieser Branche. 86 Prozent der Schlüsselberufe hinter der Kamera wurden im Jahr 2009 von Männern besetzt, so das reaktionäre Ergebnis.

Wenn Kathryn Bigelow Sonntagnacht den Oscar in Empfang nehmen sollte, steht sie stellvertretend für 16 Prozent des Hollywoodschen Filmpersonals auf der Bühne. So klein ist der weibliche Anteil am Geschäft hinter der Kamera. Und dem ist es egal, dass Bigelow selbst immer wieder betont, dass es ihr ums "Erforschen und Vorantreiben des Mediums Film" gehe, und "nicht um das Aufbrechen von Geschlechterrollen", wie sie im Interview mit "Newsweek" sagte.

Wie sie sich auch dreht und wendet, Bigelow sitzt in der Sexismus-Falle:

Sollte sie verlieren

, wird es Wut und Enttäuschung nach sich ziehen, dass der "Club der weißen Jungs", wie Hollywood zuweilen auch genannt wird, seine Macht behauptet hat.

Sollte sie gewinnen

, wird es auch nicht um ihren intelligenten, packenden, aussagestarken Kriegsfilm gehen, sondern darum, dass sie ihren Ex-Mann James Cameron abgehängt hat (dessen "Avatar" wie "The Hurt Locker" insgesamt neun Mal nominiert ist), wie gut sie doch aussieht, und darum, wie großartig es ist, dass eine 58-jährige schmale Frau "einen Männerfilm" gedreht hat. Was auch immer am Sonntag passieren wird, es wird jedes Mal daran liegen, dass sie eine Frau ist.

Seit Beginn ihrer Karriere vor mehr als 30 Jahren muss Bigelow sich anhören, dass sie Filme "wie ein Mann" mache. Ob der Polizeithriller "Blue Steel" (1990) mit Jamie Lee Curtis, die Bankraub-Surf-Action von "Gefährliche Brandung" (1991) mit Keanu Reeves, die düstere Zukunftsvision von "Strange Days" (1995) mit Ralph Fiennes oder nun "The Hurt Locker ", der vom Einsatz eines Bombenräumungskommandos im Irak erzählt. Dieses "Männerfilm"-Argument dient gleichsam als Entschuldigung dafür, dass Bigelow mit den Jungs spielen darf, dass sie sie sogar locker an die Wand spielt. Sie gehöre schließlich nur dazu, weil sie das Frausein aufgegeben hat, so die patriarchale Denke.

Und dann natürlich ihr Aussehen: Wirklich kein Artikel über Kathryn Bigelow kommt ohne den Verweis auf ihre Schönheit aus. "Man sollte Kathryn nicht vorwerfen, dass sie tolle Wangenknochen hat", schwadronierte Tom O'Neil von der "Los Angeles Times". Und nicht einmal Independent-Filmer Lee Daniels, dessen harte Milieustudie "Precious" mit im Oscar-Rennen steht, hat sich entblödet, Bigelow auf das Äußere zu reduzieren: "Dein Film ist so schön wie deine Beine. Vielleicht werde ich heterosexuell", sagte der Regisseur im Januar, als Bigelow als erste Frau den Preis der Directors Guild of America (US-Verband der Filmregisseure) entgegennahm. "Egal wie talentiert eine Frau auch ist, am Ende des Tages wird es immer wieder darum gehen, wie sie aussieht", schreibt ein resignierter Forum-User der Website "Women and Hollywood".

"Und die ganzen Explosionen..."

"Ich mache Filme, seit ich acht bin. Das steckt in meinen Genen. Ich habe mich dabei nie als Frau gesehen, aber offensichtlich ist das anderen Leuten wichtig", sagt Susanna White im Gespräch mit stern.de. Die britische Regisseurin hat 2008 für Aufregung gesorgt, als sie für den US-Sender HBO die TV-Miniserie "Generation Kill" drehte, Porträts von Soldaten während der US-Invasion im Irak. "Man sagte mir: 'Oh, es ist so beeindruckend, dass eine Frau sowas Großes macht, nur mit Männern dreht, und all die Explosionen...' Aber es hat noch nie jemand gesagt: 'Wie beeindruckend, dass ein Mann 'Stolz und Vorurteil' inszeniert hat."

Und was macht Kathryn Bigelow mit den ganzen Mutmaßungen, Anspielungen und Debatten? Gar nichts. Die Regisseurin steckt im nächsten Projekt. "Triple Frontier" heißt es und spielt im südamerikanischen Grenzgebiet zwischen Argentinien, Paraguay und Brasilien. Und ach ja, es ist ein Actionfilm.

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