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Stern Logo Acadamy Awards - Die Oscar-Verleihung

Was der Siegerfilm und ein Nudelgericht gemeinsam haben

stern-Redakteur Matthias Schmidt geht schon seit Jahren auf die Berlinale. Und trotzdem lernt er dort jeden Tag etwas dazu. Seine wichtigsten Erkenntnisse von dem Filmfestival.

Tag 11 und Schluss

• Wer sich alle Wettbewerbsfilme angeschaut hat, war gut 38 Stunden im Kino. Die sich eher wie 83 Stunden angefühlt haben.

• "Bai Ri Yan Huo" also. Das mag klingen wie die 38 von der Speisekarte eines chinesischen Nudelrestaurants, ist aber tatsächlich der Gewinner des Goldenen Bären.

• Den Goldenen Bären bekommt der Film, der der Beste des gesamten Festivals war. In der Theorie.

• "Bai Ri Yan Huo" lag auf der Kritikerliste des Tagesspiegels am Ende auf Platz 2 mit einem Notendurchschnitt von 2,17.

• Auf Platz 1 mit großem Abstand: "Boyhood" von Richard Linklater.

• Die allermeisten Gäste der Preisverleihung hatten auf "Boyhood" getippt und gehofft. Als dann der mäßig spannende Krimi aus China gewann, machte sich eine gewisse Ratlosigkeit breit. Die nach der Sichtung des Films in Ungläubigkeit umschlug.

• Wieder einmal wird es ein Berlinale-Gewinner extrem schwer haben, ins reguläre Kinoprogramm zu kommen. Und mehr als 20.000 Besucher zu finden.

• In China gibt es Nachtclubs mit so prosaischen Namen wie "Tages-Feuerwerk". Das Symbol für eine Männertoilette ist eine altmodische Tabakpfeife, die auch Bilbo Beutlin gefallen würde.

• "Bai Ri Yan Huo" heißt auf deutsch "Schwarze Kohle, dünnes Eis". Auf einer Kohlenhalde werden Leichenteile gefunden und es kommen viele Schlittschuhe zum Einsatz.

• Das beste Drama, die tollste Show des Tages fand ebenfalls auf Eis statt. USA gegen Russland, Eishockeyduell bei Olympia.

• Eine chinesische Luxusmarke war dieses Jahr erstmals einer der Hauptsponsoren des Festivals. Drei von acht Bärenpreise gingen dieses Jahr nach China, ein weiterer nach Japan. Was nur Zufall sein kann.

• Die Berlinale hat 2014 einen neuen Besucherrekord aufgestellt: rund 330.000.

• An einem normalen Bundesligawochenende gehen rund 380.000 Menschen ins Stadion.

• Wir werden auch nächstes Jahr wieder viel Spaß bei der Berlinale haben. Und viel Spaß beim Lästern.

Tag 10

• Wer nach über einer Woche Festival auf Anhieb alle zwölf Sektionen der Berlinale aufzählen kann, war nicht auf der Berlinale.

• Eine Sonderreihe heißt "Native" und widmet sich Indianerfilmen. Kein Scherz.

• Auf der Berlinale laufen so viele Filme in so vielen Sektionen, dass selbst Regisseure oft nicht mehr wissen, ob ihr Film mal irgendwann auf dem Festival gelaufen ist. Und vor allem in welcher Reihe.

• Das war natürlich ein Scherz.

• Die Berlinale ist ein Traum für Cineasten. Hier können Filme entdeckt werden, die danach oft nicht mal mehr auf DVD erscheinen.

• Die Berlinale ist ein Albtraum für Cineasten. Um zwischen all dem Wust die echten, kleinen Perlen zu entdecken, braucht man sehr viel Geduld und sehr viel Glück.

• Eine solche Perle ist der slowakische Beitrag "Velvet Terrorists", der in der Nebenreihe "Forum" versteckt wurde. Er erzählt vom heutigen Alltag dreier Männer, die gegen das kommunistische Regime mit selbst gebastelten Bomben kämpften und dafür im Knast landeten. Eine urkomische Mischung aus Doku und Fiktion, die auch den Wettbewerb geschmückt hätte.

Martin Scorsese scheint jedes Jahr kleiner zu werden und schmückt jede Veranstaltung.

• In dem von seiner Film Foundation brillant restaurierten Klassiker "…denn sie wissen nicht, was sie tun" gibt es einige logische Fehler, die sich heute kein Regisseur mehr erlauben dürfte.

• James Dean sieht in seinem roten Windbreaker trotzdem noch lässiger aus als Ryan Gosling in "Drive".

• Martin Scorsese hat "…denn sie wissen nicht, was sie tun" das erste Mal mit 13 gesehen.

• Scorsese hat den Film auch seiner Tochter zum ersten Mal gezeigt, als sie 13 war. Ihr Kommentar, nach etwas Bedenkzeit: "This was really good."

• "…denn sie wissen nicht, was sie tun" läuft in der Reihe "Berlinale Classics" und wurde unter anderem vom Modehaus Gucci gefördert.

• Auf dem Cocktailempfang von Gucci nach der Vorführung gibt es Sekt nur gegen Aufpreis. Egal. Hauptsache, das Geld fließt in die Restaurierung weiterer Filme.

Tag 9

• Der luxussanierte Zoo-Palast ist wunderschön geworden. Mit richtig fetter Leinwand und Sound.

• In jenem Zoo-Palast werden wohl außerhalb der Berlinale nie mehr so schrille Hongkong-Thriller laufen wie "The Midnight After", in dem die Insassen eines Mini-Busses entdecken, dass sie die letzten Überlebenden einer Katastrophe sind.

• Filme, bei denen der Regisseur Fruit Chan heißt und der Buchautor "Pizza", hinterlassen einen seltsamen Nachgeschmack. Wie mit Obstsalat gefüllte Lasagne.

• Auch Frauen mit dicken Bäuche machen in Abendgarderobe ein tolle Figur. Beispiele der letzten Tage: Karoline Schuch (siebter Monat), Yvonne Catterfeld (achter Monat), Lavinia Wilson (neunter Monat). Außer Konkurrenz: John Goodman (wird im Juni 62).

• Wenn Schauspieler unter sich sind, lästern sie genauso über unfähige Regisseure und die TV-Optik vieler angeblicher Kinofilme wie die Journalisten. In einem offiziellen Interview würden sie dazu nie etwas sagen

• Feministen schwören im Kino auf den "Bechdel"-Test. Benannt nach der US-amerikanischen Comic-Autorin Alison Bechdel, deren autobiographisches Werk "Fun Home" (deutsch bei KiWi) eine der besten Graphic Novels der letzten Jahre war.

• Filme, die den Bechdel-Test bestehen wollen, müssen folgende drei Kriterien erfüllen: 1.) Mindestens zwei weibliche Darsteller mit Rollennamen. 2.) Die miteinander reden. 3.) Über etwas anderes als Männer.

• "The Monuments Men" und "The Grand Budapest Hotel" würden diesen Test nicht bestehen.

• "Nymphomaniac" und "American Hustle" dagegen schon.

• Was Martin Scorsese vom Bechdel-Test hält, wissen wir leider nicht. Aber der "Wolf of Wall Street" ist von Bechdel ungefähr so weit entfernt wie die Mafia von Ärzte ohne Grenzen.

Tag 8

• Die Jury-Mitglieder James Schamus und Christoph Waltz gehen zusammen aufs Klo und stellen sich dabei brav in die Schlange mit den Journalisten.

• Jury-Präsident Schamus sieht nach jedem Film so aus, als wäre er bester Dinge. Waltz macht selbst nach einem fantastischen Film wie "Boyhood" ein Gesicht wie nach einer Wurzelbehandlung.

• Ein Film, der fast drei Stunden lang von nichts anderem erzählt als von der normalen Schulzeit eines normalen texanischen Jungen, wirkt sehr viel kürzer und dramatischer als ein Drama, in dem Kinder gequält werden und sterben oder Killer ein Blutbad anrichten.

• Wenn man bei Mädchen punkten will, muss man viele Fragen stellen und dann interessiert gucken.

• Stimmt das wirklich? Erzähl doch mal...

• Handwerker und kleine Kinder haben eines gemein. Sie machen morgens zwischen 7 und 9 Uhr am meisten Lärm. Danach sind die Kinder in der Schule.

• Wenn man ins Eis einbricht, muss man nicht ins Helle, sondern ins Dunkle schwimmen.

• Das gilt auch für den Handlungsverlauf der allermeisten Berlinale-Filme.

• Sponsoren sind dazu da, ein Festival noch angenehmer zu machen. Die klotzige Audi-Lounge direkt am Herzstück des roten Teppichs macht nur den Audi-Mitarbeitern das Leben angenehmer. Die normalen Fans sehen: nichts.

• Selbst auf der sonnigsten und wärmsten Berlinale seit geraumer Zeit kann man sich einen hartnäckigen Schnupfen einfangen.

• Was in einem Saal voller müffelnder Filmkritiker durchaus olfaktorische Vorteile hat. Deo war wohl ausverkauft. In ganz Berlin.

Tag 7

• Die Wettbewerbsfilme können bislang wenig begeistern, selbst der Umsatz auf dem Filmmarkt ist nur lauwarm. Trost spendet der "Hollywood Reporter". Überschrift des heutigen Leitartikels: "Don’t Worry, Cannes Will Be Better."

• "Cinema for Peace" hat nix, aber auch gar nix mit der Berlinale zu tun.

• Bei "Cinema for Peace", das wirklich nichts mit der Berlinale zu tun hat, wurde ein signierter Helm von Schumi versteigert. Angepriesen in der Auktionsbroschüre mit den Worten: "Ein Helm kann Leben retten."

• Die Doku über Nick Cave heißt "20.000 Days On Earth". Ungefähr genauso lange hat man Nick Cave nicht mehr lachen sehen.

• Jury-Mitglied Greta Gerwig hat damals vor der ersten Vorführung ihres Indie-Hits "Francis Ha" gekotzt. Vor Anspannung.

• Greta Gerwig sollte nie zu "Cinema for Peace" gehen. Obwohl.

• Filmkritiker sind seltsame Menschen mit seltsamem Geschmack. Ich: Der Alpenwestern "Das finstere Tal" hat einen "dämlichen“ Showdown. Ein Kollege vom "Tagesspiegel": "Aber der grandiose Shoot-Out (...) ist dann wieder so gut, dass er für alle Nachlässigkeiten entschädigt."

• Wenn ein Film in einer Eiswüste nahe des Polarkreises spielt, ist das eine Metapher für eingefrorene Gefühle, die wieder aufgetaut werden müssen. So geschehen im Wettbewerbsquark "Aloft" mit Jennifer Connelly und Cillian Murphy.

• Wenn im selben Film in der selben Schneewüste dann auch noch ein abgerichteter Jagdfalke eine tragende Rolle spielt, ist das eine Metapher, die man nicht unbedingt verstehen muss.

• Selbst die filmkennerische Jury mit Christoph Waltz, Michel Gondry oder James Schamus schaut sich Filme nicht bis zum Ende an, sondern stürmt bereits bei Beginn des Abspanns aus dem Saal. Zumindest bei "Aloft".

Tag 6

• Bruno Ganz kann auch Pate. Der ewige Adolf macht in dem schreiend komischen norwegischen Wettbewerbsbeitrag "Kraftidioten" als Clan-Oberhaupt der serbischen Drogenmafia eine großartige Figur. Mit Pelzmütze und Narbe im Gesicht.

• In Norwegen sind Gefängnisse das reinste Luxus-Resort. Das Essen ist gut, die Wärter freundlich. Man kann sich die Zähne richten lassen und bekommt für die Knastarbeit sogar Rentenpunkte.

• Gangster geben sich selbst Spitznamen. In Norwegen heißen sie Wingman (nach "Top Gun") oder der Chinese, in Griechenland Krokodil.

• In Griechenland nennt man einen Mordauftrag "Malerarbeiten". Hat der Killer ganze Arbeit geleistet, ist "der Pinsel im Wasser".

• In Afghanistan ist eine Kuh ungefähr 500 Euro wert. Zumindest wenn die Deutschen für ihren Tod aufkommen sollen.

• Wenn man die Wahl hätte, sich einen brasilianischen Wettbewerbsbeitrag in Berlin anschauen zu müssen, oder einen Berliner Wettbewerbsbeitrag in Brasilien, sollte man sich immer für Letzteres entscheiden.

• Gut aussehen ist nicht alles. Aktueller Beweis: der Alpenwestern "Das finstere Tal" mit dem dämlichsten Showdown seit der letzten Eiszeit.

• Filmtitel müssen nicht unbedingt Sinn machen. Die Favoriten heute: "The Snow Queen 2 - Snow King" und "Hotel Noir - Now in Living Color".

• Das Görlitzer Gebäude, das die Titelrolle spielt in Wes Anderson Film "The Grand Budapest Hotel" wird gerade renoviert und soll nächstes Jahr wieder eröffnet werden. Als Kaufhaus.

• Einer der tollsten Filme der Berlinale stammt von einem Deutschen, kostet keinen Eintritt und ist gerade mal sechs Minuten lang. In "Afterimage" von Clemens von Wedemeyer streift ein digitaler Geist durch ein verlassenes Skulpturen-Atelier. Zu sehen in einer Ausstellung in der Kreuzberger St. Agnes-Kirche.

Tag 5

• Papiertüten bleiben weiter im Fokus der Hauptstadtpresse. Nach dem bizarren Auftritt von Shia LaBeouf wurde nun Catherine Deneuve beim Stil-Bruch überrascht. Die französische Diva spazierte mit einer prall gefüllten McDonalds-Tüte über den Potsdamer Platz.

• Selbst James Bond ist ein Muttersöhnchen. Pierce Brosnan, 60, machte zusammen mit seiner Mama Mary Sightseeing rund um das Brandenburger Tor.

• Zehn Jahre nach "Gegen die Wand" hat tatsächlich mal wieder ein deutscher Film gute Chancen auf einen der Hauptpreise. Das beklemmende Drama "Kreuzweg" über ein streng gläubiges Teenager-Mädchen finden fast alle Kritiker gelungen.

• Wobei: Einige ausländische Kollegen werten "Kreuzweg" als Satire und schwärmen vom bislang lustigsten Film des Festivals

• Bei religiösen Fundamentalisten gelten sogar Soul und Gospel als satanisch. Gerade noch okay: Choräle von Bach.

• Erkenntnis beim Berlinale-Dinner von Produzent Nico Hoffmann. Das Leckerste im Promi-Treff "Grill Royal" sind nicht die butterweichen Fleischberge. Sondern ein Nachtisch: warmes Schokotörtchen mit Sahne.

• Ich sehe aus wie Jacob Matschenz. Zumindest von hinten. Und wurde deswegen von Florian Stetter, der mit gleich zwei Filmen im Wettbewerb vertreten ist, stürmisch geschüttelt und begrüßt. Schon okay.

• Neben einer blonden Frau mit roter Spiegelsonnenbrille wirkt selbst der Vorzeige-Literat Daniel Kehlmann hilflos und etwas verloren.

• Wenn die Karriere stockt, besinnt man sich alter Partner. Regisseur M. Night Shyamalan dreht 15 Jahre nach seinem Hollywood-Durchbruch "The Sixth Sense" wieder mit Bruce Willis. Arbeitstitel: "Labor of Love" - fürwahr.

• Früher war eben doch alles besser. Bei der Berlinale von 1967 lieferten sich Filmjournalisten und Filmstars einen Bowling-Wettstreit. Flott an der Kugel: Jimmy Stewart.

Tag 4

• US-Schauspieler Shia LaBeouf steckt auch mit 27 noch mitten in der Pubertät.

• Das kleine Restaurant "Lokal" in Berlin Mitte könnte bald Umsatzsteigerungen verbuchen, nachdem die "Grand Budapest Hotel"-Truppe Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Edward Norton, Jeff Goldblum und Willem Dafoe dort gegessen hat.

• Juror Christoph Waltz hat schon wieder ein neues Projekt: eine noch nicht näher beschriebene Rolle in der Romanverfilmung "Tulip".

• Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu standen für den Psycho-Thriller "Stereo" erstmals gemeinsam vor der Kamera

• "Von Guinness kann man nicht betrunken werden" (Pierce Brosnan)

• Die Trophäe des Caligari-Filmpreises ist eine Wolldecke der Firma Trikoton mit eingestickten Auszügen aus der Partitur von Robert Wienes Stummfilmklassiker "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920)

• Die Restaurierung des in der Retrospektive wiederaufgeführten Films dauerte knapp zwei Jahre

• Das Lieblingsessen von George Clooney in seinem Lieblingsrestauant "Grill Royal" ist Chateaubriand.

• Ex-Abba-Mitglied Benny Andersson war in der Stadt, um sich mit Festivalchef Dieter Kosslick zu treffen und Werbung für einen von ihm produzierten Film zu machen. Über den Inhalt ist bisher nur bekannt, dass es um eine Gruppe Frauen geht, die es mit magischen Kräften zu tun bekommen.

• "Ich kann George Clooney nicht leiden. Meine Frau ist zu sehr in ihn verliebt" (Bundesinnenminister Thomas de Maizière)

Tag 3

• Riesenbauklotz-Ansammlung vom Potsdamer Platz hat klobigen Nachwuchs bekommen: die direkt vor den Berlinale Palast gepflanzte Audi Lounge.

• Die schönste Frau bei der von der ARD veranstalteten "Blue Hour" im Museum für Kommunikation war Schauspielerin Aylin Tezel.

• Erst sechs deutsche Filme haben den Goldenen Bären gewonnen: "Die Ratten" von Robert Siodmak" (1955), "Palermo oder Wolfsburg" von Werner Schroeter (1980), "Die Sehnsucht der Veronika Voss" von R.W. Fassbinder (1982), "Die Frau und der Fremde" von Rainer Simon (1985), "Stammheim" von Reinhard Hauff (1986) und "Gegen die Wand" von Fatih Akin (2004).

• Christian Bale kann doch gute Laune verbreiten

• Besetzung, bizarr: Mike Tyson steht in Verhandlungen für die Rolle eines Axtmörders in Werner Herzogs "Vernon God Little", die Verfilmung von DBC Pierres gleichnamigem Roman.

• Der Wettbewerb hat den ersten Favoriten: Yann Demanges Nordirland-Drama "`71"

• Und einen beeindruckenden Nachwuchs-Star: der elfjährige Ivo Pietzcker, Titeldarsteller in "Jack".

• Schräge Filmtitel, heute: "Zombeavers" (Horrortrash um, richtig, untote Bieber).

Special Edition: "The Monuments Men"

• Die Berlinale kann schon am dritten Tag an die Substanz gehen: Die Pressevorführung von George Clooneys Kriegs-Abenteuer musste unterbrochen werden, weil ein Journalisten-Kollege eine Herz-Attacke erlitten hat. Es geht ihm inzwischen besser.

• Die Warteschlange der Journalisten im Hyatt Hotel, die zur Pressekonferenz des Films wollten, war 150 Meter lang – eine Stunde vor Beginn.

• Journalisten, die von Selbstzweifeln gequält werden, sollten auf jeden Fall mal eine der Festival-Pressekonferenzen besuchen. Aktueller Favorit auf den Goldenen Gummibären für die sinnfreieste mit den beknacktesten Fragen: "The Monuments Men".

• Bill Murray hatte wieder seine Wollmütze auf

• Ihm wurde keine einzige Frage gestellt. Auch John Goodman, Jean Dujardin, Hugh Bonneville, Bob Balaban und Justus von Dohnanyi nicht.

• Matt Damon immerhin zwei. Der Rest ging an Clooney.

• George Clooneys Luxus-Apartment im Soho House kostet 1200 Euro pro Nacht. Es ist dasselbe, das er auch schon während der Dreharbeiten zu "The Monuments Men" bewohnt hatte.

Tag 2

• Ein Zug fährt in Dauerschleife um die zugefrorene Erde, an Bord der Rest der Menschheit, der sich in eine herrschende Oberklasse (lebt vorne) und eine arme Unterklasse mit Revolte-Willen (lebt hinten) teilt. Klingt völlig gaga, ist aber eins der Überraschungs-Highlights der Berlinale: "Snowpiercer" vom Koreaner Bong Joon-Ho.

• Filmtitel, die neugierig machen. Heute: "Vulva 3.0"

• Die Hauptrolle in Volker Schlöndorffs wiederaufgeführter Brecht-Verfilmung "Baal" (1969) sollte ursprünglich Daniel Cohn-Bendit spielen. Doch dann kam Rainer Werner Fassbinder…

• Wes Anderson ist ein Fan der Deutschen Bahn. Weil sie seiner Ansicht nach so effizent ist.

• Stuart Murdoch, Sänger der schottischen Indie-Band "Belle and Sebastian", hat seinen ersten Film inszeniert. "God Help The Girl" heißt er und ist ein Musical.

• Das Berlinale-Leibgericht von Jury-Chef James Schamus ist das Herings-Brötchen der Anfang Werbeblock: maritimen Fast Food-Kette Nordsee, Ende Werbeblock. "Ich habe schon unzählige wichtige Filmleute ins Untergeschoss der Arkaden geschleppt, damit ich eins dieser Brötchen und ein Bier genießen kann." Ahoi.

• Hat nichts mit Kino zu tun, war aber der erste amüsante Eindruck des Tages: "Französisch ist die Buttersprache" (Text über einem Croissant auf der Seitenfront eines Bäckerei-Lasters vorm Hotel Adlon).

Eröffnungstag der Berlinale

• Es fängt nicht immer an zu schneien, wenn die Berlinale ist.

• Sonne und mildes Klima – wird sind also nicht in Cannes, sondern tatsächlich in Berlin.

• Das Essen ist allerdings in Cannes besser als in Berlin (Christoph Waltz).

• Die Favoriten auf die Pressekonferenz-Worthülse 2014 sind auch diesmal wieder: "I'm honoured", "I'm glad", "I'm excited", "It was so inspiring" und "What was the question?"

• Jury-Präsident und Prouzent James Schamus war vor 25 Jahren bei der Berlinale, um einen chilenischen 16-mm-Film zu verkaufen. Sein erstes Geschäft in der Filmbranche.

• Die lustigsten Filmtitel findet man immer beim European Film Market. Heute: "Robodog" und "Kamasutra 3D"

• Meg Ryan lebt noch. Sie wird im Sommer ihren ersten Film als Regisseurin machen. Er heißt "Ithaca".

• "Fack Ju Göhte" wird ausländischen Verleihern unter dem Titel "Suck Me Shakespeer" zum Verkauf angeboten.

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