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Die Favoriten, die Beleidigten, die Deutschen

Überraschungen gibt es wenige. Aber es ist ein starkes Feld, das ins Rennen um die Oscars geht. Leo DiCaprio muss Bryan Cranston fürchten und Kate Winslet Alicia Vikander. Das deutsche Kino geht in mehreren Kategorien an den Start.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Cate Blanchett, Leonardo DiCaprio und Alicia Vikander

Gute Chancen auf den Academy Award: Cate Blanchett ("Carol"), Leonardo DiCaprio ("The Revenant") und Alicia Vikander ("Danish Girl") 

Überraschungen gibt es kaum. "The Revenant" ist als bester Film nominiert, so auch "Bridge of Spies" und "Der Marsianer". Leonardo DiCaprio darf auf den Darsteller-Oscar hoffen, so auch Bryan Cranston und Michael Fassbender. Bei den Frauen sind es Cate Blanchett, Jennifer Lawrence, Brie Larson und Saoirse Ronan. Charlotte Ramplings Nominierung ist ein netter Zug. Die Grande Dame des Independent-Kinos hat wohl eher nicht damit gerechnet. Bei den Nebenrollen ist eigentlich glasklar, dass die bezaubernde Alicia Vikander für "Danish Girl" und der brillante Mark Rylance für "Bridge of Spies" gewinnen müssen. Aber bei der Academy weiß man ja nie. Vielleicht kreuzen ein paar Nostalgiker, wie bei den Golden Globes, wieder Sylvester Stallone an.

Der große Favorit und Hype (irgendwie das Gleiche) ist natürlich Alejandro González Iñárritus Mann-gegen-Natur-Drama "The Revenant". Aber Spielbergs "Bridge of Spies" ist perfektes Kinos alter Schule, während George Millers "Mad Max: Fury Road" mal die Bilder neu erfindet. Das wird wirklich spannend, wo die Academy sich positioniert. Erstaunlich ist, dass weder "Carol" noch "Danish Girl" als bester Film nominiert wurden. Das schien sicher. Zu viel Sexualität für die Academy?


Leonardo DiCaprios Chancen stehen tatsächlich gut. Das weltweite Pfeifkonzert will sich doch keiner antun, das ausbrechen würde, wenn er wieder nicht auf die Bühne darf. Und ganz ehrlich: Was soll er denn noch machen? Mir fallen kaum mehr darstellerische Latten ein, über die DiCaprio in "The Revenant" nicht elegant gesegelt wäre.

Der deutsche Oscar-Kandidat für den besten nicht-englischsprachigen Film, "Im Labyrinth des Schweigens", hat es leider nicht geschafft. Dafür wurde der deutsche Kurzfilm "Alles wird gut" von Patrick Vollrath nominiert. "Bridge of Spies" ist immerhin von Deutschland mit-produziert, so auch "Mustang". Und im ungarischen Holocaust-Drama "Son of Saul" spielt unter anderem Urs Rechn mit.

Beleidigt sein dürften alle afroamerikanischen Schauspieler. Sie sind im zweiten Jahr in keiner Darstellerkategorie vertreten. Nicht einmal die Auftritte von Will Smith ("Concussion") oder Idris Elba ("Beast of no Nation") waren eine Nominierung wert. Ebenso seltsam ist, dass Alex Gibneys Scientology-Dokumentation "Going Clear" ohne Nominierung blieb. Hm, warum wohl? Und wo ist Michael Moores "Where to Invade Next" geblieben?


Außerdem von der Academy "übersehen" wurden Ridley Scott und Steven Spielberg in der Kategorie bester Regisseur. Und wirklich ärgerlich ist die kalte Schulter für das geniale Drehbuch zu "Steve Jobs" von Aaron Sorkin.

"Carol" und "Danish Girl" werden in der Kategorie Bester Film vermisst. Und ehrlich gesagt hätte Helen Mirren eine Nominierung als beste Nebendarstellerin für "Trumbo" verdient. Aber was soll's, Hauptsache "The Big Short" gewinnt so viel wie möglich!

Wir sehen uns am 28. Februar. Dann geht's ans Eingemachte!

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