Männer wollen mit ihr schlafen, Frauen sind ebenfalls von ihr verzaubert. Die Rede ist von der spanischen Schauspielerin Penelope Cruz. Auch wenn der neue Film von Pedro Almodóvar in Cannes nicht gerade für Begeisterung sorgt - bei der Hauptdarstellerin sind sich alle einig. Von Sophie Albers

Denkmal für eine Leinwandgöttin: Penelope Cruz in "Broken Embraces"© AP
Ist es das dunkle, hochgesteckte Haar, das immer kurz vor der Auflösung scheint, so wie die ganze Frau in "Volver"? Sind es die aufgeworfenen Lippen, die alles versprechen, ohne es je zu formulieren wie in "Elegy"? Oder doch die Augen, dieser rehbraune Blick im Puppengesicht, der den Beschützerinstinkt weckt, doch auch ein bisschen Wahnsinn versprüht wie in "Vicky Cristina Barcelona"?
Penelope Cruz ist ein Leinwandstar, wie ihn sich Hollywood von Anfang an gedacht hat. Ein Mysterium, Projektionsfläche für Wünsche und Träume, Herausforderung für die Vorstellungskraft im Dunkel des Kinosaals. Wie in ihren Filmen wird die spanische Schauspielerin vom Publikum begehrt, es will sie retten und fürchtet doch ihre Unberechenbarkeit. Die Klatschpresse liebt die fragile Grazie, eben weil sie so wenig greifbar ist. Und nun hat Regisseur Pedro Almodovar dieser Frau, die Audrey Hepburn, Marilyn Monroe und Sophia Loren in einem Körper zu vereinen scheint, mit "Broken Embraces" ein Denkmal gesetzt.
Es ist sein vierter Film mit Cruz, die in ihrer Heimat nur liebevoll "Pe" genannt wird, und erzählt die Geschichte eines Regisseurs, der einst aus Liebe zu seiner Schauspielerin wortwörtlich blind geworden ist. Es geht um Sehn- und Eifersucht, Hingabe und das Wesen der Kunst. Für einen Almodóvar unerwartet abstrakt-verschlungen und fast ein bisschen kühl berichtet das Drama von Gründen und Abgründen. Und so wie der Film im Film kreisen auch beide Regisseure immer wieder um das wunderschöne Anlitz ihrer Muse Lena/ Penelope.
Die Frau im blassrosanen Corsagenkleid streicht sich mit zarten Händen eine Strähne aus der puderglatten Stirn. "Ich bin erkältet", sagt sie, als wolle sie sich für ihren ernsten Gesichtsausdruck entschuldigen. Ansehen tut man es ihr bei der Präsentation von "Broken Embraces" bei den Filmfestspielen in Cannes kaum. Auch real ist die Spanierin, die in Sekundenschnelle von Lolita auf femme fatale schalten kann, eine Erscheinung. Und sie möchte offensichtlich, dass das so bleibt.
Fast schüchtern lächelt sie aus einem makellos geschminkten Gesicht und beantwortet jede Frage einzig im Rahmen des neuen Films. Ob ihr Verhältnis zu Almodovar - ihr Mentor seit sie 18 ist - oder der persönliche Antrieb bei der Rollenauswahl, Cruz spricht nur über Technikfragen am Set, tolle Drehbücher und dankt dem Meister. Das Mysterium bewegt sich keinen Zentimeter, bleibt das von der Leinwand herabgestiegene Wesen, das so trotz des weichen Fleisches - Cruz ist sehr schmal, aber nicht knochig - fast ein wenig körperlos wirkt. Die Hülle, die zu sein ihr Job ist. Und jeder darf sich seine eigene Füllung vorstellen.
Für diese Hülle hat Cruz sich schon früh entschieden. Gerade mal 18 Jahre alt war sie in ihrem ersten Film "Jamon, Jamon" (1992). Und er habe schon damals gewusst, "dass diese Frau geschaffen wurde, damit ich sie filme", sagt Almodóvar. Im spanischen Kino war Cruz schnell etabliert. Ihre Arbeit mit Almodóvar in "Alles über meine Mutter" (1999) wurde für den Auslands-Oscar nominiert. Der internationale Durchbruch war allerdings eine zweischneidige Sache: Cruz' Auftritt in Cameron Crowes "Vanilla Sky" (2001) machte ihr Gesicht bekannt. Ihre Liaison mit Filmpartner Tom Cruise machte sie zur Beute der Klatschpresse.

Penelope Cruz hat offenbar lieber eine Leinwand zwischen sich und dem Publikum© Jean-Paul Pelissier/Reuters
Aber die hat die Frau mit dem Talent fürs Posen bisher einigermaßen im Griff. Die Beziehung mit ihrem Kollegen Javier Bardem konnten die bunten Blättchen jedenfalls nicht breittreten, so sehr sie sich auch bemühten. Dafür muss Cruz als Model herhalten, was sie offensichtlich gerne tut, ob nun für L'Oréal oder Mango.
Sie kaut Kaugummi, zieht ihre elegant geschwungenen Augenbrauen zusammen, und während sie Arme und Beine verschränkt, sieht es ein bisschen so aus, als wolle sie sich selbst festhalten. Sie ist nicht gerne hier, nicht gerne in direkter Kommunikation mit all den Menschen, die sie so sehr bewundern, suggeriert ihr Blick, der gerade an einen schmollenden Teenager erinnert. Vielleicht ist das ihr Geheimnis: Penelope Cruz wirkt immer so, als sei sie noch nicht fertig, noch nicht ausgewachsen. Und das ist für eine Oscar-Gewinnerin doch eine großartige Perpektive.