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16. Oktober 2005, 01:36 Uhr

Der Erklärbär geht in Rente

25 Jahre lang erklärte er in seiner Sendung "Löwenzahn" den Kindern die Welt. Jetzt zieht sich Peter Lustig aus dem Fernsehen zurück. stern-Redakteur Alexander Kühn hat ihn zuhause besucht.

So kennen ihn die Fernsehzuschauer: Peter Lustig in seinen obligatorischen Latzhosen und immer wissensdurstig© ZDF/Christiane Pausch

Da muss es sein, gegenüber von dem Maisfeld. Drei Hunde stürmen bellend auf einen zu, ein Mops, ein Labrador, ein Schnauzer. Da kommt er. Latzhose, Brille, Bart. Die hochgezogenenen Brauen, die neugierigen Augen. Die Märchenonkelstimme, freundlich und ruhig. Die kurzen Sätze: "Tja, guten Tag. Freut mich. Hmm. Kommen Sie rein." Eins zu eins, wie im Fernsehen. Uff. Gottseidank.

Das wäre schlimm gewesen: Peter Lustig treffen und feststellen, dass er einem den netten Onkel nur vorgespielt hat, 25 Löwenzahnjahre lang. Wie damals, als der Nachbarsjunge einem gesteckt hat, dass der Weihnachtsmann eine Erfindung der Eltern ist. Peter Lustig ist keine Erfindung des ZDF. Er ist 67, lebt in Nordfriesland und hat gerade seine letzte Folge "Löwenzahn" abgedreht, hat zum letzten Mal den Mann im Bauwagen gespielt, der den Kindern die Welt erklärt. Er bietet einem einen Gartenstuhl an und schenkt sich ein Glas Rotwein ein.

Lustig geht am Stock, und das macht einen etwas traurig, weil man nicht möchte, dass die Helden aus der Kinderzeit alt werden oder krank. Der Stock richtet ihn auf, so bekommt er besser Luft. Vor zwanzig Jahren haben sie ihm die halbe Lunge rausgenommen. Krebs. Im Fernsehen darf man den Stock nicht sehen, ohne geht es kaum noch. Das Drehen wurde immer mühsamer.

Der echte Peter Lustig haust nicht im Bauwagen, warum sollte er. Er lebte lange auf Mallorca, vor vier Jahren ist er hierher gezogen, mit seiner Frau und den Hunden. Reetgedecktes Bauernhaus, 200 Jahre alt, Wohnzimmer mit Kamin, Klavier und Flipper. Billardzimmer, Sauna, ein kleines Tonstudio, eine Werkstatt, wo Lustig aus Legosteinen computergesteuerte Autos bastelt und wo Klaus-Dieter hängt, die Ukulele aus dem Bauwagen. Hinterm Haus ein Garten; Lavendel, Kirschbäume, ein Teich. Vorm Haus ein Mercedes, ein Smart und eine 125er Honda, rot und schick, und sie machen Peter Lustig nicht weniger glaubwürdig.

Konsumverzicht hat er nie gefordert. Überhaupt hat er nie etwas gefordert, lediglich am Ende jeder Sendung empfohlen: "Abschalten!" Er hat sich laut Fragen gestellt und Antworten gesucht. Wie atmet ein Baum? Warum hat ein Hund vier Beine? Und der Wurm keine? So was interessiert ihn selber. Weil er, unerhört unerwachsen, nie glaubt, er habe genug gesehen von der Welt. Ein Junge hat ihm mal geschrieben: "Ich kuck dich immer so gern, weil da muss ich keine Angst haben." Darauf ist Lustig heute noch stolz.

Nur sein Öko-Image, das nervt ihn. "Ich mag kein Müsli", sagt er und zieht etwas Schnupftabak die Nase hoch, "und ich trage auch keine Birkenstock-Sandalen. Ich habe Respekt vor der Natur, das ist alles." Einmal, im Restaurant, als er gerade ein Steak bestellt hatte, erhob sich vom Nachbartisch eine Frau und sagte pikiert: "Von ihnen hätte ich das nicht gedacht." Das sind die Missverständnisse im Leben des Peter Lustig.

Man kann ihn missverstehen, wenn man will. So entstehen dann böse Schlagzeilen wie die in der Bild am Sonntag, 2002: "Peter Lustig: Ich mag keine Kinder." Dabei hat er es nur nicht gern, wenn sie bei ihm im Garten stehen, mit einem Kuli in der Hand, "ich soll mir ein Auto.... äh von dir holen", nur weil die Eltern sie geschickt haben. Oder wenn sie in der Stadt tuscheln: "Das isser!" Weil er dann nicht bei Rot über die Straße gehen kann oder in Ruhe in der Nase bohren.

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