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25. September 2009, 07:54 Uhr

Porno ist nicht geil

Rammstein dreht einen Hardcore-Porno. Deutsche Filmemacher inszenieren einen Terroranschlag in Amerika. Unsere Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut, da müssen brachiale PR-Aktionen her. Doch hat auch Werbung ihre Grenzen. Von Sophie Albers

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Eine Nachrichtensprecherin berichtet schockiert von einem Anschlag - alles nur Fake© muxfilm/ dpa

In Zeiten, da die Gier nach Aufmerksamkeit die Gier nach Geld überflügelt, herrscht Krieg an der Unterhaltungsfront. Weil es immer schwieriger wird, das Meer der Informationsflut zu teilen, um zum potenziellen Konsumenten, Fan oder Zuschauer durchzudringen, werden die Werbeaktionen um das knappe Gut der öffentlichen Anteilnahme zunehmend krawallig. Ein Busenblitzer à la Verona Pooth ist heutzutage kaum mehr als ein netter Versuch.

Verlässliche Helfer im Geschäft mit dem großen Auftritt sind Sex und Gewalt. Die erzeugten Gefühle - vor allem Lust und Angst - sind das Tor in die Aufmerksamkeitsarena. Das weiß jeder Marketing-Praktikant. Und auch Rammstein: Nach vier Jahren Pause präsentiert die Rockband das Stück "Pussy" und setzt auf die PR-Wucht eines Hardcore-Pornovideos, das durch einen Klick auf den heuchlerischen "Ich bestätige, volljährig zu sein"-Button für jedermann im Netz zugänglich ist. Computertechnik macht möglich, dass die Band in allen Positionen bis zum Cumshot durchhält.

Gewalt statt Sex haben sich die Regisseure des deutschen Films "Short Cut to Hollywood" als Brechstange in die Köpfe der Menschen ausgesucht: Am Morgen des 10. September gingen Anrufe bei deutschen Medien ein, in denen ein Mann behauptete, dass es in einer amerikanischen Stadt namens Bluewater einen Terroranschlag gegeben habe. Araber mit Bombengürteln hätten ein Restaurant überfallen. Und das einen Tag vor dem Jahrestag der Anschläge des 11. September. Im Internet fanden sich bestätigende Videos, Internet-Seiten und Wikipedia-Einträge. Allerdings war alles erfunden. Kurzum: Medien, die darüber berichteten, waren auf eine ausgefeilte, gut organisierte PR-Aktion hereingefallen.

Aber kaufen wir deshalb jetzt alle Rammstein-CDs und "Short Cut to Hollywood"-Kinokarten? Ist es wirklich so einfach, sind wir so leicht zu kriegen?

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