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So schizophren wie Gollum

Die Reaktionen auf den "Hobbit"-Kinostart sind gespalten. Vor allem die neue Bildtechnik HFR 3D hat vielen Kritikern die drei Stunden in Mittelerde vermiest.

Von Sophie Albers und Elias Schneider

  Gespaltenes Verhältnis: die internationale Presse und "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise".

Gespaltenes Verhältnis: die internationale Presse und "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise".

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Elias Schneider und

Man kann wirklich nicht sagen, dass die Presse dem Regisseur Peter Jackson übel gesonnen wäre. Nach dem überragenden Erfolg der "Herr der Ringe"-Trilogie haben viele Filmkritiker zusammen mit den Fans des von Jackson so liebevoll wie grandios inszenierten Tolkien-Universums neun Jahre lang gespannt auf den "Hobbit" gewartet. Nun ist mit "Eine unerwartete Reise" der erste Teil des ebenfalls auf drei Teile angelegten Prequels zum "Herrn der Ringe" angelaufen. Und viele Zuschauer fühlen sich nach drei Stunden Mittelerde fast so schizophren wie Gollum. Kaum jemand ist rundherum begeistert - obwohl sie es so gern wären.

Die hartgesottenen Tolkien-Fans würden den Film wegen seiner Detailversessenheit verschlingen, für den Rest sei der "Hobbit" jedoch zu zäh, urteilt Todd McCarthy im Branchenblatt "Hollywood Reporter". Er hoffe statt des erweiterten Director's Cut auf eine gestraffte Version für die DVD. Das sieht die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung" ähnlich: Nach drei Stunden bleibe man "mit dem Gefühl zurück, lediglich den Auftakt zum eigentlichen Film gesehen zu haben". Aber: "Nachdem Jackson nun alle Figuren in Position gebracht und alle Handlungsstränge etabliert hat, dürften die beiden kommenden Filme wohl tatsächlich einiges interessanter ausfallen".

Fernsehoptik statt großes Kino

Der "Hobbit" sei "solide und passabel", schreibt die "Los Angeles Times", aber "weder ein Höhenflug, noch außergewöhnlich". Das liege zum einen daran, dass Jackson versuche, aus einem 300-Seiten-Kinderbuch das Gleiche herauszupressen wie aus einem dreibändigen Epos. Vor allem aber die HFR 3D-Technik kommt nicht gut an: Jackson wolle das Publikum glauben machen, dass das neue System den Zuschauer tiefer ins Geschehen ziehe, "das Gegenteil ist der Fall". Die Bilder sehen eher aus wie eine moderne Version von HD-TV, anstatt wie Kino.

Die Kritik an der neuen Bildtechnik ist fast überall zu finden: "Der Hobbit" in HFR 3D habe die scharfe Live-Präsenz einer TV-Sendung, heißt es im "Boston Globe". "Es gibt Bilder, die einen Staunen machen, aber es gibt kaum mehr ein Geheimnis. Und das schmerzt mehr, als Sie glauben", schreibt Ty Burr.

"Film 4" versucht, es positiv zu sehen: Die großartige Szene zwischen Martin Freeman als Bilbo und dem animierten Gollum gebe Hoffnung, dass die neue Technik in Teil zwei und drei verbessert werde. Tragisch sei, dass der neue, harte Look des "Der Hobbit" den Fans die Rückkehr in die geliebte Märchenwelt von "Der Herr der Ringe" verweigere.

Martin Freeman war eine gute Wahl

Auch der "Guardian" kritisiert die Länge des Films. Die Optik wird mit einem "Zoom in Google Middle Earth" verglichen. HFR 3D sei die falsche Wahl gewesen, so das Urteil. Statt eines "echten Films" bekomme man eine Art Video Location-Bericht aus dem Making-Of von der DVD geliefert, so das Gefühl. "Ein edles Experiment, aber einen bedauerlichen Fehler", nennen die "New York Daily News" das neue Verfahren. Wenn es einem allerdings gelinge, die Optik zu ignorieren, gebe es ausreichend Unterhaltsames zu sehen.

Einig sind sich fast alle, dass Martin Freeman die beste Wahl für die Rolle des Bilbo Beutlin sei: Er spiele mit "Bescheidenheit und Charme", so Peter Bradshaw im "Guardian". "Viel besser als Elijah Wood" in "Der Herr der Ringe", meint Lou Lumenick in der "New York Post". Allerdings findet auch er den "Hobbit" viel zu lang. Die Rückkehr von Cate Blanchett als Galadriel, Ian McKellan als Gandalf und natürlich Andy Serkis als Vorlage für den animierten Gollum sei wiederum ein Wiedersehen mit alten Freunden. Gollum sei zudem eine der wenigen Figuren, die von der 48-Bilder-in-der-Sekunde-Technik wirklich profitiere, schreibt Dominik Kamalzadeh im österreichischen "Standard": "Im Gesicht von Gollum findet der Film zu einem Ausdruck, in dem die Technik zu dem wird, was sie immer sein sollte: eine Hilfestellung."

Mitreißend

Immerhin die französische Zeitung "Le Figaro" schließt versöhnlich: "Die animierten Spezialeffekte sowie die waghalsigen Kamerafahrten im 3D-HFR-Format seien gewöhnungsbedürftig. Man müsse aber anerkennen, "dass man schnell mitgerissen ist, von der Lyrik, der überwältigenden Macht der Bilder und dem zügellosen Rhythmus des Films".

Vielleicht hat Jackson ja neben den Figuren und Handlungssträngen auch die Technik "nur" in Stellung gebracht. Es kann also nur besser werden. Drei Stunden Pionierarbeit, nennt es ein stern.de-User.

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