6. August 2012, 10:49 Uhr

Heiler oder Dämon?

Robert De Niro spielt in seinem neuen Film "Red Lights" einen Mann mit unheimlichen Fähigkeiten. Ob er sie zum Guten oder zum Bösen einsetzt ist nicht ganz klar.

Film, Kino, Dämon, Heiler, Robert De Niro, Red Lights

De Niro übernimmt die Rolle des blinden Magiers Simon Silver©

Er hat Erfahrung mit Rollen dubioser Persönlichkeiten. Robert De Niro war der obsessive "Taxi Driver", der respekteinflößende "Pate" und der skurril paranoide Ex-CIA-Agent Jack aus "Meine Frau, unsere Kinder und ich". Als ziemlich zwielichtiger Typ tritt der 68-jährige Hollywoodstar auch in seinem neuen Film "Red Lights" auf. De Niro spielt den blinden Magier Simon Silver, der mit seinen rätselhaften Heilkräften die Massen betört und die Wissenschaft auf den Plan ruft. Ist dieser Mann tatsächlich ein Mensch mit übersinnlichen Gaben oder schlicht ein Scharlatan?

Als Jäger nicht zu erklärender parapsychologischer Phänomene schickt der spanische Regisseur Rodrigo Cortés ("Buried - Lebend begraben") zwei ungleiche Wissenschaftler in eine kalte, abweisende Welt - von Kameramann Xavi Giménez in gedeckten Farbtönen kongenial eingefangen. Sigourney Weaver ("Avatar") spielt Dr. Margret Matheson, die seit Jahrzehnten die unterschiedlichsten paranormalen Fälle untersucht. Cillian Murphy ("In Time - Deine Zeit läuft ab") ist ihr junger, ehrgeiziger Assistent Tom Buckley.

Eine Vermischung aus Okkultismus und Wissenschaft

Bislang haben sie alle Menschen mit vermeintlich außersinnlichen Fähigkeiten als Schwindler entlarvt - dabei ist zumindest Matheson dem Glauben an Übersinnliches nicht ganz abgeneigt. Der charismatische Mentalist Silver wird nun zur gefährlichen Herausforderung für die Forscher. De Niro spielt den Löffelverbieger und Geistheiler mit genau der richtigen Dosis professioneller Abgeklärtheit, um aus Simon Silver jenen unnahbaren, mächtigen Heilsversprecher zu machen.

Stark ist Cortés' Mystery-Thriller immer dann, wenn er sich auf seine hervorragenden Darsteller konzentriert - in solchen Momenten nimmt die Kamera die Bewegungen der Figuren perfekt auf, was viel Spannung und große Dynamik schafft. Längen entstehen dagegen, wenn die Diskurse über Übersinnliches und Heilsversprechungen allzu pathetisch daherkommen. Auch die Handlungsfäden sind oft zu lose verknüpft.

Als Wissenschaftlerin Matheson auf ungeklärte Art ums Leben kommt, ist ihr Assistent Buckley nicht mehr zu halten. Er verdächtigt Silver, denn schon einmal starb ein Kritiker des Magiers auf mysteriöse Weise. Cortés nimmt in seinem Film sowohl Okkultes als auch die Wissenschaft ernst. Er spielt mit der menschlichen Wahrnehmung und der Sehnsucht nach Erkenntnis. Dennoch ist "Red Lights" ein echter, temporeicher Thriller - mit überraschendem Ende.

Elke Vogel, DPA
 
 
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