Drogen, Entzug, wieder Drogen, Knast: Niemand wollte mehr mit ihm zu tun haben. Doch seit vier Jahren ist Robert Downey Jr., der beste Schauspieler seiner Generation, clean. Jetzt versucht er den Neuanfang.

"Wenn du Gott lachen hören willst, erzähl ihm deine Pläne": Robert Downey Jr., 40, kennt die Unwägbarkeiten des Lebens© Andrew Macpherson/Corbis Outline
Es ist ein warmer Mittag, es regnet, und als er in der Tür steht, ist man ganz froh. Darüber, dass die beim stern nicht wieder auf die Idee gekommen sind, eine Frau hierher zu schicken, weil sie glauben, Frauen können Männer besser erklären.
Mag ja manchmal auch stimmen, aber ihn hätte keine Frau erklären können. Weil sie spätestens jetzt in Ohnmacht gefallen wäre oder wie eine Kaulquappe dagesessen hätte: Mund auf, Mund zu. Er ist Robert Downey jr., und Frauen, heißt es, wollen ihn nur noch in die Arme schließen, wenn sie seine großen melancholisch dunklen Augen sehen, die wie große Öltropfen auf seinem Gesicht liegen, und darunter den schüchtern lächelnden Mund, diese Gesichtslandschaft, auf der sich das Schicksal wie bei einem Baum in Jahresringen verewigt hat.
Er ist nicht besonders groß, seine Stimme ist tief, und er sieht nicht so aus, als ob er einen großen Kleiderschrank hätte. Downey sagt "Hallo!", setzt sich, raucht eine Zigarette und trinkt Milchkaffee aus einem großen Pappbecher, und wenn er jetzt anfangen würde, das Telefon zu reparieren, wäre das auch okay. Alles ganz normal also.
Und doch nicht. Es gibt nicht wenige Menschen, die Robert Downey jr. für einen der besten Schauspieler der Welt halten. Weil er jede Sekunde die Leinwand füllt, auch wenn er nur am rechten Bildrand zu sehen ist. Kritiker sagen, dass man Downey in einem Film auch spürt, wenn er gar nicht im Bild ist, man weiß ja, dass er irgendwann kommt, und allein das sei wie ein Intensitätskompressor.
Downey ist jetzt 40, aber wenn er wirklich alles aus seinem Leben erzählen würde, könnte man glauben, er sei 80. Die Filme sind ja nur ein Teil davon, und auch wenn sie schon groß waren, hat Downey sie noch veredelt. Den karrierezynischen TV-Reporter in "Natural born killers" hat er so gespielt, dass man hinterher auch über den Zynismus des Fernsehens sprach und nicht nur über Serienkiller; "Chaplin" hat er so gespielt, dass man das Traurige im Witz verstand.
In der Bret-Easton-Ellis-Verfilmung "Unter Null" hatte er 1987 seinen ersten großen Auftritt als heroinsüchtiger Millionärssohn, damals nicht ahnend, dass die Rolle in sein Leben hineinwachsen würde. Das ist der andere Teil seines Lebens: Kokshaufen, Entzugsklinik, Razzien im Hotelzimmer, eine ungeladene Magnum 357 auf dem Beifahrersitz, Blaulicht, Handschellen, ein Therapeut, der sagt, Downey sei wohl "von Wölfen aufgezogen", ein Wechselleben zwischen Entzug und Knast, Zelle 17, "zu viert, ich hatte das Bett oben". Die Presse schrieb sich heiser, als Downey seine quotenbringende Gastrolle in der Serie "Ally McBeal" aufgab, weil er wieder mal in den Bau gehen musste.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 43/2005