HOME

Der König der Billigfilme

An seinem 80. Geburtstag kann Roger Corman auf ein stattliches Lebenswerk zurückblicken: In den vergangenen 50 Jahren produzierte er mehr als 300 Filme - und förderte nebenbei Regietalente wie Martin Scorsese oder Francis Ford Coppola.

Dass Hollywood-Regisseur Roger Corman eine seiner Produktionsfirmen "Concorde" nannte ist nur folgerichtig: Schließlich legte er bei seiner Arbeit ein ähnliches Tempo an den Tag wie das berühmte Überschall-Flugzeug. In den vergangenen fünfzig Jahren drehte und produzierte der "König der Billigfilme" weit mehr als 300 Filme für Leinwand und Fernsehen. Bisher unerreichter Geschwindigkeitsrekord für einen 35 Millimeter-Streifen: "Little Shop of Horrors" (Der kleine Horrorladen). 1960 brauchte er dafür nämlich nur zwei Tage und eine Nacht. Am Mittwoch, 5. April, feiert Corman seinen 80. Geburtstag.

"Horrorladen" war für den bis dahin unbekannten Hauptdarsteller Jack Nicholson der Start zu einer sensationellen Karriere. Und nicht nur für ihn: Bei Corman sind viele in die Lehre gegangen, die in Hollywood Rang und Namen haben: Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, James Cameron und Peter Bogdanovich, um nur einige wenige zu nennen. Zur Schlüsselfigur für das junge amerikanische Kino, das später unter dem Schlagwort "Neues Hollywood" bekannt wurde, avancierte er mit Filmen über Teenager und Rebellion gegen die Gesellschaftsordnung.

Erfolg an den Kinokassen

Einen Oscar hat Corman nie gewonnen, aber an den Kinokassen war er mit seinen Schnellschüssen trotzdem erfolgreich: "Eine der schlimmsten Sachen, die man machen kann, ist mit einem geringen Budget großartig aussehende Filme machen zu wollen. So endet man mit schlechter Arbeit", sagte Corman. In seiner Autobiografie "How I Made a Hundred Movies in Hollywood and Never Lost a Dime" (1998) erklärte er, wie er zu diesem erstaunlichen Output kam. Er machte sich nicht nur den Zeitgeist ungeniert zu Nutze, sondern wusste auch, wie man rasch und billig in gemieteten Studios produzieren konnte. Oft übernahm er selbst Rollen und meistens stammen die wesentlichen Ideen für das Drehbuch von ihm.

Die Bezeichnung "King of the B's" (König der B-Movies) mochte er allerdings nicht. Denn B-Filme waren ursprünglich die minderwertigen Produktionen, die im Hollywood-Studiosystem der 30er bis 60er Jahre schnell heruntergekurbelt und im Doppelpack mit glamouröseren Star-Filmen im Kino gezeigt wurden. Cormans Filme waren jedoch immer im Kino die Hauptattraktion und keine verschämt angehängten Streifen.

Horror-Filme mit Vincent Price

Lange Kamerafahrten durch schier endlos lange Gänge, vorbei an Spinnweben und dunkelroten Kerzen, waren sein Markenzeichen. Eine sich knarrend öffnende Tür mit dumpfer Musik kündigt den nächsten Schockeffekt an. Mit einem heutzutage unvorstellbar geringen Budget drehte Corman Fantasie reiche Horrorfilme. Seine knallbunten Edgar-Allen-Poe-Adaptationen wie "Der Untergang des Hauses Usher" (1960) oder oder "Die Folterkammer des Hexenjägers" (1963) mit seinem Star Vincent Price gehören zu den besten des Genres.

Filmhistorisch bedeutend wurde Roger Corman auch als Förderer junger Talente: Francis Ford Coppola, Peter Bogdanovich und Martin Scorsese konnten als Assistenen seiner Filme erste Dreherfahrungen sammeln. Als Ausgleich für die spärliche Bezahlung durften sich die Jungfilmer an Wochenenden Equipment für eigene Projekte ausleihen und legten damit den Grundstein für eine Bewegung, aus der später New Hollywood hervorgehen sollte. Schauspieler wie Jack Nicholson, Dennis Hopper und Peter Fonda kamen in Cormans Produktionen zu ersten größeren Rollen. Ursprünglich leitete Corman sogar deren Kult-Film "Easy Rider" in den Weg.

Seit 1970 verheiratet

Seinem Ingenieurstudium verdankt der 1926 in Detroit (Michigan) geborene Regisseur, dass er Low-Budget-Filme unter Zeitknappheit drehen lernte. In die Filmbranche gelangte er durch einen Job als Botenjunge bei 20th-Century-Fox. 1953 verfilmte er sein erstes Drehbuch unter dem Titel "Highway Dragnet". Ungewöhnlich stabil für Hollywood-Verhältnisse ist sein Privatleben: Corman ist seit 1970 mit der Filmproduzentin Julie Ann Halloran verheiratet, mit der er vier Kinder hat.

che/DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo

Partner-Tools