Seinen neuen Steinzeit-Blockbuster "10.000 B.C." drehte Roland Emmerich mit völlig unbekannten Schauspielern in Afrika und Neuseeland. Im Gespräch mit stern.de erzählt der Regisseur ("The Day After Tomorrow") von aufregenden Landschaften und Buschmännern, die noch nie eine Dusche gesehen haben.

"10.000 B.C."-Held D'leh mit einem Säbelzahntiger© 2008 Warner Bros. Ent.
Ich habe mal eine Dokumentation über Mammutjäger gesehen, die mich total fasziniert hat. Jahrelang träumte ich davon, einen Kinofilm über diese Zeit zu machen, aber irgendwie fehlte der entscheidende Kick. Da müssen mehr Viecher rein, sagte ich zu meinem Ko-Drehbuchautor Harald Kloser. Säbelzahntiger, Raubvögel. Wir haben uns hingesetzt und mal unsere Geschichte aufgeschrieben: von Mammutjägern, deren Dorf von "vierbeinigen Dämonen" überfallen wird, nämlich Reitern, die junge Frauen entführen und versklaven. Unsere Jäger müssen sie verfolgen, damit sind sie dramaturgisch perfekt schon mal auf der Reise. Ich fing schon an, Motive und Drehorte zu suchen. Vier, fünf Jahre ist das her. Und dann fiel mir zufällig ein Buch in die Hand, das mir die rettende Idee gab: "Fingerprints of the Gods."
Genau: Er sagt, dies sei eine Erklärung, weshalb es überall Pyramiden gibt. Das hat Sinn gemacht für mich. Und so werden meine Jäger am Ende mit einem Volk konfrontiert, das diese wahnsinnigen Bauwerke schafft.
Ach, das habe ich oft gehört. Aber es geht mir ja gar nicht darum, einen realistischen Film zu machen. Ich will in meiner Geschichte einen Blick werfen auf die ersten Stufen der Zivilisation. Das sind unsere Jäger. Sie treffen erst auf Sammler und Bauern. Und dann auf diese technisch hochentwickelte Kultur - das sind, simpel ausgedrückt, im Film die Bösen. Meine Botschaft: Technik muss nicht immer gut sein.
Wir haben uns gedacht, dass so eine komplizierte Struktur wie die Pyramide eigentlich nur gebaut werden kann, wenn jemand das totalitäre System erfindet. Die Befehle müssen ausgehen von einem "Leader", bei uns eine Art Priester, und durchgesetzt werden sie von Unterlingen, die die Peitsche schlagen.
Ja, am Schluss, in Namibia, arbeiteten wir zuweilen mit 600 Statisten. Da haben wir auch immer größere Filmsets gebaut, vier Pyramiden zum Beispiel in verschiedenen Größen und einen gigantischen Steinbruch. Auf eine der Pyramiden führt eine 90 Meter lange Rampe zu, das war ganz schön hoch. Meine Mutter kam mich einmal besuchen, sie sagte, wir seien verrückt.
Nein: Landschaften. Jedenfalls war das unsere ursprüngliche Absicht, wir suchten die aufregendsten und authentischsten Szenerien der Welt. Aber jetzt, im fertigen Film, fällt mir auf, dass die Gesichter der Menschen noch viel spannender sind. In Neuseeland die Maori... und in Afrika die verschiedenen Kulturen, das ist ja der Wahnsinn. Ich bin richtig stolz auf die Gesichter, die ich gesammelt habe.
Manche wohl nicht. Auch Bezahlung war ihnen nicht wichtig, sie waren mehr am Catering interessiert. Wir haben tolle Leute kennengelernt, ganz einfache, herzliche Menschen, die uns total ans Herz gewachsen sind. Wir haben sogar mit Buschmännern gearbeitet. Grandiose Gesichter. Aber mitten im Dreh waren sie plötzlich verschwunden. Die Leute aus Namibia trösteten mich, ich sollte froh sein, dass sie drei Wochen mitgespielt hätten: Normalerweise blieben sie nur eine Woche an einem Ort. Und andere Komparsen, die wir aus Spitzkoppe mit in die Küstenstadt Swakopsmund genommen haben, wo wir den Rest des Films drehten, hatten noch nie das Meer gesehen. Hatten noch nie in einem Hotel übernachtet! Und noch nie eine Dusche gesehen. Am nächsten Morgen berichtete die Hotelleitung, dass die Gäste aus Spitzkoppe die ganze Nacht unter fließend Wasser verbracht hätten.