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18. Oktober 2004, 14:16 Uhr

"Die Hölle, das sind die anderen"

Am kommenden Samstag startet die Neuauflage des berüchtigten Dschungel-Camps "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!". RTL hat dafür wieder einmal tief in die Mottenkiste gegriffen. Von Carsten Heidböhmer

RTL-Dschungel-Camp

Soll möglichst viele männliche Zuschauer vor den Bildschirm locken: Dolly Buster© Frank Rumpenhorst/DPA

"Alles ist im Fluss": Von diesen dem griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos zugeschriebenen Worten scheinen die Programm-Macher bei RTL nicht viel zu halten. Vielmehr feiert man mit Friedrich Nietzsche die "ewige Wiederkehr des Gleichen". Nein - die Rede ist hier nicht vom "Philosophischen Quartett". Es geht um die Neuauflage der im vergangenen Winter ebenso erfolgreichen wie umstrittenen Dschungelshow "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", die ab dem 23. Oktober ausgestrahlt wird.

Wir erinnern uns: Damals hatten zehn gut abgehangene Promis vom Schlage eines Werner Böhm oder einer Susan Stahnke ihre letzte Chance auf Medienpräsenz genutzt und waren in den australischen Dschungel gezogen. Dort mussten sie allerlei erbauliche Spiele über sich ergehen lassen: Mal galt es, sich in einem Glaskäfig von rund 30.000 Kakerlaken übergießen zu lassen. Einen anderen Tag musste man seinen Kopf in einen Aal-Bottich stecken. Dann wiederum sollte ein Kandidat Tuchfühlung mit Spinnen, Fliegen und Käfern aufnehmen. Diese Form von Ekel-TV bescherte dem Kölner Sender RTL - mit kräftiger medialer Untertützung der "Bild"-Zeitung - Traumquoten.

Aus der Mottenkiste ins Camp

Was läge da also näher, als das Format zu wiederholen. In puncto Kandidaten-Auswahl ist es den Verantwortlichen sogar gelungen, das ohnehin schon niedrige Niveau der ersten Staffel noch zu drücken. Diesmal exklusiv aus der Mottenkiste ausgegraben: Harry Wijnvoord, Ex-Moderator der langjährigen RTL-Show "Der Preis ist heiß". Fabrice Morvan, eine Hälfte des Schummel-Duos Milli-Vanilli. Dazu Ex-HSV-Profi Jimmy Hartwig, Sängerin Isabel Varell und Kabarettistin Désirée Nick.

An derzeit noch aktiven Fernsehgesichtern ziehen Willi Herren, besser bekannt als "Olli Klatt" aus der "Lindenstraße", und das ewige Moderatoren-Talent Carsten Spengemann ins Camp. Damit auch genügend Männer einschalten, sind Busenwunder Dolly Buster und das dominikanische Model Heydi Nunez-Gomez verpflichtet worden.

Dieter Bohlens Ex

Ach ja, wenn es billig wird, darf eine nicht fehlen: Nadja Abd el Farrag , genannt Naddel, die nur dadurch bekannt ist, dass sie einstmals mit Pop-Titan Dieter Bohlen zusammen war. Sie lässt sich ihren Dschungel-Aufenthalt immerhin mit 30.000 Euro honorieren.

Angesichts dieser Auswahl ist es kaum zu glauben, dass es Bewerber gab, die den Machern der Sendung nicht gut genug waren. Ist aber so: Die beiden Boxer Graciano Rocchigiani und Rene Weller erhielten ebenso einen Korb wie Schlagersänger Jürgen Drews, der doch im Dschungelcamp so gerne sein wahres Gesicht gezeigt hätte.

Genug Potanzial für Schadenfreude

Darauf werden wir wohl verzichten müssen. Doch auch die zehn ausgewählten Kandidaten enthalten genug Potenzial, damit die Zuschauer bei den anstehenden Ekel-Abenteuern genug Schadenfreude empfinden werden. Zumindest Naddel scheint für ihre anstehenden Prüfungen ideal gewappnet zu sein: "Nach zwölf Jahren mit Dieter Bohlen sind zwei Wochen Wildnis für mich gar nichts."

Neben den anstehenden Mutproben mit kleinerem Getier wird die härteste Prüfung jedoch wieder eine gesellschaftliche sein: Zu zehnt auf engem Raum, das hat schon in der ersten Staffel zu einem nicht unbeträchtlichen Lagerkoller geführt. Vielleicht kann auch hier ein Philosoph weiterhelfen. Der französische Existenzialist Jean-Paul Sartre wusste schon in den 40er Jahren: "Die Hölle, das sind die anderen".

Von Carsten Heidböhmer
 
 
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