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27. September 2007, 14:45 Uhr

Radiosender boykottieren "Postal"-Werbespots

Der umstrittene deutsche Regisseur Uwe Boll hat wieder Ärger mit seinem Film "Postal": Verschiedene Radiosender weigern sich, Werbung für die politisch inkorrekte Satire zu spielen. Die Spots bestehen aus witzig gemeinten Nachrichten von Osama bin Laden - und die Sender haben Angst. Von Ralf Sander

Im Film "Postal" sind bin Laden und Bush alte Kumpel© Boll KG

Rockmusik im Hintergrund. Ein Mann sagt auf Deutsch, mit imitiertem arabischen Akzent: "Hallo, ich bin Osama bin Laden, und Dick Cheney ist nicht der einzige Mann, der mit Condoleeza Rice geschlafen hat."

Oder Osama sagt: "... und wenn ich nicht gerade dabei bin, Ungläubige umzubringen, trinke ich gerne ein Tässchen Kaffee, mit zwei Stück Zucker und ein bisschen Milch".

Oder: "... und fünf Prozent von dem Profit von 'Postal' gehen an die Al Kaida"

Elf Sekunden dauert jeder dieser Radiowerbespots für den Film "Postal", die politisch inkorrekte Brachialsatire des deutschen Regisseurs Uwe Boll. In dem Film spielen unter anderem eine Karikatur bin Ladens und Gruppe grenzdebiler Taliban mit.

Die meisten Radiokonsumenten in Deutschland werden diese Spots nicht zu Gehör bekommen. Viele Stationen weigern sich, die Werbung abzuspielen. Bolls Kommunikationsberater Hasso Mansfeld nennt sieben boykottierende Stationen und Senderketten, darunter das WDR-Jugendradio 1Live und Radio Hamburg. Laut Mansfeld laute die Begründung für die Ablehnung: Angst vor islamistischen Protesten. Zwei Sender - Kiss FM in Berlin und Charivari in München - würden die Werbung laufen lassen, allerdings werde derzeit geprüft, ob die Rundfunkkampagne unter diesen Bedingungen überhaupt gestartet werden sollte, so Mansfeld.

Eine Sprecherin von Radio Hamburg (RHH) sagte gegenüber der Nachrichtenagentur DDP, die Spots seien "geschmacklos", und als Privatsender wolle RHH nicht mit "solchen Terrorgeschichten" in Verbindung gebracht werden. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden dass Hörer tatsächlich glauben, bin Laden habe sich mit einer geheimen Botschaft in Programm geschlichen. Boll-Sprecher Mansfeld dazu: "Das ist absurd: Wenn dieser Spot zwischen Werbung für Nutella und Feinstrumpfhosen läuft, soll den jemand für echt halten? Am Ende wird doch sogar gesagt, dass es sich um einen Film handelt."

Regisseur Boll lässt mitteilen, er halte den Boykott für "einen unerhörten Skandal, dass in Deutschland zum wiederholten Male aus Angst vor Reaktionen von intoleranten Demokratiefeinden kulturelle Selbstzensur geübt wird".

Stefan Hoppe, Verkaufsleiter bei Hamburgs Radiovermarkter more Radio, sagt zum Thema:"Wir lehnen sehr selten Werbung ab. Von 100 Werbespots ist vielleicht einer dabei, der nicht unsere Kriterien erfüllt. Dann geht es immer um Sex, Gewalt oder Politik."

Radiospot 1
Radiospot 2
Radiospot 3
Von Ralf Sander
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Fox59Fire (27.09.2007, 21:44 Uhr)
@ JuliusKrause
"Meinungsfreiheit" bedeutet u.a., dass man seine Meinung frei äußern darf, ohne Sanktionen erwarten zu müssen. Zensur bzw. Selbstzensur wird selten grundlos ausgeübt. Ist die Selbstzensur ein Ausdruck eigener Überzeugung, so ist sie im Rahmen der Meinungsfreiheit zu akzeptieren. Ist die Selbstzensur jedoch das Ergebnis z. B. einer Angst vor Menschen, Organisationen oder – wie in diesem Fall – vor terrorartigen Übergriffen islamistischer Fundamentalisten, so ist sie zum Einen (wie viele Beispiele zeigen) nicht unberechtigt, zum Anderen jedoch auch eine Aufforderung an die verantwortlichen Institutionen, terroristische Organisationen, die im Namen ihres Gottes, also aus Glaubensgründen, Angst verbreiten und sogar bereit sind, Menschen zu töten, zu entschärfen und ihnen die "Macht" zu nehmen, andere Menschen zu unterdrücken, sodass diese z. B. die Selbstzensur nicht mehr als freiwillige Maßnahme propagieren und nicht weiter auf ihr gesetzlich verbürgtes Recht auf Meinungsfreiheit verzichten müssen.
Mag man über den Geschmack der verantwortlichen Werbeagentur geteilter Meinung sein, so dürfen derartige Werbespots jedoch nicht dazu führen, dass Menschen durch sie in Gefahr geraten und die Gefühle Betroffener oder der "gute Geschmack" mutwillig und unverhältnismäßig stark verletzt werden. Ich weiß: Es ist ein Spagat!
chatahootchee (27.09.2007, 18:37 Uhr)
Postaler Dreck,
welcher die Intelligenz normaler Menschen beleidigt. Man sollte soviel Wuerde haben, Osama nicht als Lustmittel zu benutzen.
JuliusKrause (27.09.2007, 18:21 Uhr)
fehler
Oder Osama sagt: "... und wenn ich nicht gerade dabei bin, Ungläubige umzubringen, trinke ich gerne ein Tässchen Kaffee, mit zwei Stück Zucker und ein bisschen Milch".
aber er sagt doch: ungläubige zu töten!
naja egal, man könnte jetzt diskutieren, ob durch die selbstzenzur die meinungsfreiheit eingeschränkt wird oder ob es sich um kulturellen und religösen respekt handelt. ich finde, man söllte sich nicht über menschen beschweren die selbstzenzur üben, denn jeder darf ja selbst entscheiden ob er seine meinungsfreiheit gebrauchen will...
life_is_good (27.09.2007, 17:51 Uhr)
Dumm....
Ob das gesendet wird oder nicht is ja wohl total egal. Immerhin befinden sich die spots ja auch im Internet, also dem bevorzugten Terroristen-Kommunikationsmedium. Zu den Spots selber: Nicht lustig, nicht schockierend, nicht attraktiv. Schlecht gemachter Werbeversuch.
Schwaebin (27.09.2007, 16:24 Uhr)
Na super!
Jetzt haben die Taliban ja erreicht was sie wollten. Vor lauter Schiss wird Selbstzensur gemacht!
Das ist echt ein Skandal!
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