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Will Quadflieg ist tot

Der Schauspieler Will Quadflieg ist tot. Der bekannte Künstler starb bereits am vergangenen Donnerstag im Alter von 89 Jahren.

Er war der große alte Mann des deutschen Theaters, hat mit Heinrich George, Walter Felsenstein, Gustaf Gründgens und Rudolf Noelte zusammen gearbeitet. Ob Goethe oder Schiller, Shakespeare oder Molière, Hauptmann, Ibsen, Hölderlin oder Schnitzler - Will Quadflieg kannte die Texte der Wortgewaltigen und hat alle wichtigen Bühnenrollen seines Fachs gespielt. Der Schauspieler, der am vergangenen Donnerstag im Alter von 89 Jahren gestorben ist, konnte stundenlang Monologe und Verse aus dem Gedächtnis aufsagen. "Ich habe so viele Dichterworte in meinem Kopf, dass ich es selbst kaum glauben kann. Nachts, wenn ich schlaflos bin, rezitiert es in mir", sagte Quadflieg einmal.

Quadfliegs Blick auf die Welt war eher pessimistisch. "Die Menschen haben aus der Geschichte nichts gelernt, die Welt besteht aus Leiden", meinte er. Das 20. Jahrhundert voller Grausamkeit, Kriege und Tote sah er gerne scheiden. Seinem eigenen Tod blickte der Künstler "getrost und mutig" entgegen und hatte bereits zu Lebzeiten einen Platz für die Urne ausgesucht. Einmal betonte er: "Trotz der Schrecken dieser Welt glaube ich an eine höhere Macht und den Sinn des Lebens. Könnte ich mir eine Figur aussuchen, um mit ihr in einen Dialog einzutreten, wäre das Jesus Christus."

Theatermagier und Sprachkünstler

"Theatergeschichte auf zwei Beinen" hat ihn der ehemalige Intendant des Hamburger Thalia Theaters, Jürgen Flimm, genannt. "Solche Etiketten bekommt man eben verpasst, wenn man 1933 angefangen hat, auf der Bühne zu stehen - ob man will oder nicht", sagte Quadflieg dazu. Er zog das Publikum immer wieder als Sprachkünstler und Theatermagier in seinen Bann und weckte bis zuletzt bei Zuschauern und jungen Bühnen-Profis Bewunderung, Zuneigung und Respekt.

"Wahr sprechen"

Dank seiner Erfahrung, seiner Begabung und der absoluten Beherrschung künstlerischer Mittel konnte Quadflieg aus dem Effeff jede Bühnen-Schublade ziehen. Doch Schnickschnack und aufgesetzte Hinzufügungen waren seine Sache nicht. "Noelte war mit Abstand der wichtigste Regisseur für mich, denn erst er hat mir Mitte der 70er Jahre meine Eitelkeit bewusst gemacht. Wo ich schön sprechen wollte, lehrte er mich, wahr zu sprechen. Er hat mir auch Langsamkeit und die Bedeutung von Pausen beigebracht."

Kritische Selbstbetrachtung

"Ein Schauspieler muss Distanz zu seinem Beruf haben, sonst ist er keiner. Wichtig ist, dass man sich nicht mit den Texten verwechselt, die man spricht und die einen größer machen. Ohne kritische Selbstbetrachtung und Skepsis kommt man nicht weit." Quadflieg glaubte nicht daran, dass Theater die Welt verändern kann. "Es kann nur manchmal dem Leben einen Moment lang einen Sinn geben." Schauspieler hätten die Aufgabe, "ihr Talent zu nutzen, um das Wort der Dichter an die Menschen heranzutragen".

Als Faust in der verfilmten Gustaf-Gründgens-Inszenierung von 1957/58 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg war Quadflieg weltberühmt geworden. Die Liebe zur Sprache hatte ihn zur Bühne getrieben. "Eigentlich war ich entsetzlich schüchtern. Vorsprechen und Auftreten waren lange eine Tortur für mich."

Der Schauspieler, der sich für Umwelt- und Tierschutz engagierte, hat bis zu seinem Lebensende gerne und häufig Rezitationsabende gegeben. "Die Poesie ist mein zweites Standbein. Am Theater wird man von Kostümen und Bühnenbild abgelenkt. Als Rezitator, ganz privat und unverkleidet, kann ich pur den Sinn der Texte vermitteln und auch selbst oft erst erfassen." Einen Großteil seiner Bildung erwarb Quadflieg als junger Schauspieler mit Lektüre an seinen spielfreien Abenden. "Meine jungen Kollegen von heute tun mir leid. Sie springen von der Bühne zum Fernsehen und zum Film - da bleibt für Bildung keine Zeit", meinte er einmal.

Brita Janssen, dpa/DPA
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