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Aus den "Feuchtgebieten" in den Film-Olymp?

Auf der Berlinale wurde sie als "Shooting Star" ausgezeichnet, im Sommer könnte ihre Karriere tatsächlich abgehen: Carla Juri spielt die Hauptrolle in der Charlotte-Roche-Verfilmung "Feuchtgebiete".

Von Carsten Heidböhmer

Die 27-jährige Schweizerin Carla Juri könnte kurz vor dem Sprung zu einer großen Karriere stehen. Sie spielt die Hauptrolle in der Verfilmung von "Feuchtgebiete".

Die 27-jährige Schweizerin Carla Juri könnte kurz vor dem Sprung zu einer großen Karriere stehen. Sie spielt die Hauptrolle in der Verfilmung von "Feuchtgebiete".

Vielleicht sind 27 Jahre schon ein wenig zu alt, um noch als Jungtalent zu gelten. Andererseits ticken die Uhren in der Alpenrepublik bekanntlich langsamer als anderswo. Und so passte es schon, dass die Schweizerin Carla Juri auf der diesjährigen Berlinale als "Shooting Star 2013" ausgezeichnet wurde. Zwar ist sie in ihrem Heimatland bereits eine gestandene Schauspielerin und hat sogar zwei Mal, 2011 und 2012, den Schweizer Filmpreis gewonnen. Einem internationalen Publikum ist sie jedoch kein Begriff.

Das dürfte sich schon bald ändern. Denn im August kommt Juri mit einem Film in die Kinos, der ganz gewiss Wellen schlagen wird. Sie spielt die Hauptrolle in "Feuchtgebiete", der Verfilmung jenes Buches, mit dem Charlotte Roche 2008 für einige Monate das halbe Land in Aufruhr versetzte. Auf Schulhöfen, in Talkshows und den Feuilletons diskutierten Leser wie Nichtleser über die versauten Erlebnisse und Phantasien der 18-jährigen Helen Memel, die sich ans Krankenbett gefesselt diesen Gedanken umso hemmungsloser hingibt. Ob die Ergüsse der Viva-Moderatorin als furchtlose, zeitdiagnostische Kunst zu werten sind, oder es sich um geschmackloses, Aufmerksamkeit heischendes Geschreibsel handelt - darüber konnte bis heute keine Einigkeit hergestellt werden.

"Talent, Menschen mit Geheimnissen zu porträtieren"

Ungeachtet der literarischen Kontroversen feierte das Buch einen beispiellosen Siegeszug: sieben Monate an der Spitze der Bestsellerliste, mehr als zwei Million verkaufte Exemplare. Die "Feuchtgebiete" schafften es sogar auf Platz eins der internationalen Bestsellerliste von Amazon - als erstes deutschsprachiges Buch! Es sollte keinen wundern, wenn der Film ähnlich einschlägt, wenn auf den Literaturhit nun der Kassenknüller folgt.

Carla Juri scheint für die Rolle der Helen Memel bestens geeignet. In der Begründung der Jury für den "Shooting Star" heißt es: "Sie hat echtes Talent, Menschen mit Geheimnissen zu porträtieren. Ihr verführerisch romantisches Gesicht verbirgt die faszinierende Fähigkeit, das Publikum zu überraschen, indem sie nie verrät, was ihr Charakter tun wird." Liest sich beinahe wie eine Stellenausschreibung für die Hauptrolle in "Feuchtgebiete".

Eine große Karriere könnte folgen

Diejenigen, die schon den fertigen Film gesehen haben, sind jedenfalls von der vorher kaum bekannten Hauptdarstellerin begeistert. Juri meistert den Reigen aus Ekel und Perversitäten offenbar so würdevoll und souverän, dass ihr schon jetzt eine große Karriere prophezeit wird.

Vielleicht sollte sie diesen Sommer noch genießen, ein letztes Mal unerkannt einkaufen gehen, im Café rumlungern. Ab dem 22. August könnte alles anders werden. Carla Juri ein Star? An den Gedanken sollte sie sich schon mal gewöhnen.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo