Til Schweiger hat einen emotionalen Actionfilm gedreht. Der soll nicht nur unterhalten, sondern auch vom Krieg erzählen. Ein Gespräch über Männer, Angst und Bettina Wulff. Von Sophie Albers
Ich mache keine Werbung für die Bundeswehr, aber wenn der Nebeneffekt meines Films ist, mehr Aufmerksamkeit für das zu erreichen, was die Soldaten da unten leisten, was sie für einen Preis zahlen, und wenn das denen hilft, die aus dem Einsatz zurückkommen, dann wäre ich froh.
Ich fühle mich zu gar nichts berufen, außer zu unterhalten. Aber dass das jetzt eine Eigendynamik entwickelt hat, finde ich gut.
Ja, und ich habe auch von den Soldaten nur Positives über ihn gehört. Es wurde geschrieben, dass sei alles nur PR gewesen, dass er hier unten war. Aber abgesehen von ein paar Augenrollern über die Fernsehsendung mit Kerner fanden die Soldaten es durchweg gut - auch dass der Verteidigungsminister seine Frau mitgebracht hat.
Ich glaube, dass sich in der Bevölkerung mehr darüber Gedanken machen, als man glaubt. Aber nicht so sehr in den Medien. Ich saß heute Morgen im Frühstücksfernsehen mit einem Veteranen, der meinte, in den letzten drei Jahren hätte sich schon etwas getan, aber eben noch nicht genug.
Ich habe nichts über den Krieg gelernt, dazu muss man selbst im Krieg sein.
Vier Tage. Ich glaube aber, in vier Tagen da unten bekommt man eine deutliche Bewusstseinserweiterung, weil man sich mit dem Thema eigentlich überhaupt nicht beschäftigt. Man guckt sich gern Actionfilme an, aber dann ist's auch gut, wenn der Gute gewinnt. Aber was es mit Leuten macht, die im Krieg sind, die beschossen werden oder die mit der ständigen Angst leben müssen, beschossen zu werden, da bekommt man einen ganz anderen Einblick.
Nur im Flieger, ich habe Flugangst. Im Lager selbst hatte ich keine Angst. Aber wenn man das Lager verlässt, steigt sofort der Adrenalinspiegel. Auch in so einem gepanzerten Fahrzeug, denn du hast vorher gelernt, dass jedes Panzerfahrzeug "zu knacken" ist, wie die Soldaten sagen. Das ist nur eine Frage der Sprengstoffmenge.
Ich war ja beim Bund, aber nach drei Monaten Grundausbildung habe ich gedacht, jetzt habe ich alles gelernt, was ich lernen muss, und jetzt sitze ich hier nur noch rum und saufe Bier. So war das ja früher. Da mache ich lieber etwas Vernünftiges im Krankenhaus. Das hat sich jetzt völlig geändert. Aber wenn ich mir überlege, was ich alles von Paul (Ex-Soldat und Drehbuch-Co-autor, Anm.d.Red.), von den Soldaten da unten und auch von den Veteranen gehört habe, die alle in Feuergefechten waren und was das mit denen gemacht hat, mit diesem Wissen würde ich sagen: Ich will das nicht.
Max ist per Definition ein Held, weil er Heldenhaftes getan hat. Weil er seinen Kollegen geholt hat, obwohl alle auf ihn geschossen haben, und er selbst hätte sterben können. Aber Max geht es ja nicht gut damit. Er leidet darunter, dass er ein Held ist, und fühlt sich verantwortlich dafür, dass sein Freund die Beine verloren hat. Ich glaube nicht, dass unser Film seinen Helden glamourifiziert. Was für mich einer der wahnsinnigsten Eindrücke da unten war, ist, dass es ganz anders ist, als ich es in der Kaserne erlebt habe, in einer Armee, die nicht kämpfen durfte: Da unten herrscht eine wahnsinnige Kameradschaft zwischen Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten. Die sagen: Im Ernstfall fliegen uns dieselben Kugeln und Granaten um die Ohren, deshalb sind wir Kameraden. Der Begriff Kameradschaft ist dort etwas ganz Ausgeprägtes, und es ist auch etwas Heldenhaftes. Wir haben die Geschichten erzählt bekommen, wir waren am Mahnmal für die gefallenen Soldaten. Und das waren Geschichten wie sie Max erlebt hat - den ich mir ja nicht selbst ausgedacht habe, sondern mit jemandem, der im Krieg war. Diese Geschichten passieren. Deshalb habe ich den Film auch den Soldaten gewidmet.
Den Krieg findet aber keiner gut, auch die Soldaten nicht. Die wären auch lieber zuhause.
Ich bin kein Politiker, aber ich glaube, wenn die sofort rausgehen würde, bricht da unten die Hölle los. Das wird 2014 wohl auch passieren. Mein Film ist kein Statement für die Verlängerung des Afghanistanmandats. Aber nicht einmal die Generäle oder Politiker können sagen, ob es das alles wert war.
Ja, zwei Tonnen nach Masar-e-Scharif. Nutella hat es gesponsort. Der General hat mir einen langen Brief geschrieben, darin steht, dass die Soldaten sich wahnsinnig gefreut haben. Für die ist Nutella ein Stück Heimat.
Das ist ja eine wahnsinnig intrigante Frage! (lacht) Der Mathias und ich haben uns vor Jahren kennengelernt, ich schätze ihn sehr, er schätzt meine Arbeit sehr. Das ist eine Freundschaft. Aber das hilft jetzt nicht, dass er da mitspielt. Im Übrigen fahre ich nicht mir der "Bild"-Zeitung nach oben. Bin ich noch nie. Ich bin selbst hochgefahren, weil ich diese Filme mache.
Wenn die "Bild"-Zeitung eines Tages sagt, jetzt müssen wir auf den Schweiger draufhauen, dann kann ich es nicht verhindern. Aber ich werde mich wehren, wie gegen alles andere auch.
Nein, bei der Geschichte kann man nicht lachen, und spannend ist sie auch nicht. Ich sehe da keinen Kinostoff