18. Januar 2007, 11:11 Uhr

Mal Cabrio-Schnösel, mal erdiger Bayer

Man kennt ihn als schnöseligen Assistenten von Tatort-Kommissarin Eva Matthes. Jetzt spielt Sebastian Bezzel seine erste Kinohauptrolle. Ausgerechnet in einem Film über seine Heimat Garmisch. Nicht nur deswegen ist "Schwere Jungs" ein Glücksgriff, sagt Bezzel im stern.de-Interview.

Die Arbeit als Schauspieler ist für Sebastian Bezzel der "ganz große Joker"©

Herr Bezzel, herzlichen Glückwunsch zur ersten Kinofilm-Hauptrolle in "Schwere Jungs".

Danke.

Und dann auch noch in einem Film, der in ihrer Heimat Garmisch spielt.

Das fühlt sich gut an. Es ist nicht nur das. Den Drehbuchautor Philipp Roth kenne ich schon ganz lang. Noch als ich frisch an der Schauspielschule und er an der Filmhochschule war, hat er mir von dem Projekt erzählt. Ich fand das ganz entzückend, dass mal die Dicken die Helden sind. Damals konnte ich nicht ahnen, dass das wirklich was wird. Sein erstes Buch wird gleich als Kinofilm gedreht, er hat drei Jahre lang dafür gekämpft.

Kennt man die Bobfahrer in Garmisch eigentlich?

Die jungen Leute weniger, aber die Generation meiner Eltern kannten den Bobfahrer Anderl Ostler und sein Team sehr wohl. Es war das erste Mal nach dem Krieg, dass es positive Schlagzeilen für Deutschland gab. Was Sportler und Musiker erreichen, kann kein Politiker schaffen. Anderl Ostler war Nationalheld.

"Schwere Jungs" ist so etwas wie die bayerische Variante des jamaikanischen Kultfilms "Cool Runnings" über Bobfahren. Sie spielen den passionierten Bobfahrer Gamser, der leider keine haltbaren Schlitten bauen kann. Wie war das mit den so wackelig aussehenden Bobs zu fahren?

Man sieht es ihnen nicht an, aber das sind unglaublich schwere Stahlgestähle. Es waren teils originale Bobs, historische Gefährte, die wir gefahren sind, und die wiegen so um die 500 Kilo. Und die immer wieder aus dem Heu-Schnee-Haufen am Ende der Strecke raus zu ziehen, ist eine ganz schöne Arbeit. In Sankt Moritz war ich allerdings nicht dabei, wo die meisten Szenen mit echten Bobfahrern und Stuntdoubles gedreht wurden. Das wäre sonst zu gefährlich gewesen.

Es gab viele Außendrehs, die vor allem in Tschechien stattfanden. Wie war es, im Schnee zu drehen?

Das war anstrengend. Wir hatten ja historische Klamotten an, da wurde uns ziemlich kalt. Ein Tag im Schneesturm mit 300 Komparsen, das zehrt. Es gab mal so eine Phase, da war ich richtig kaputt. Aber das gehört dazu.

Tatsächlich sehen alle Darsteller aus wie "Schwere Jungs". Sind Sie immer so füllig?

Wir haben schon alle ordentlich gegessen. Ich würde auch mit Wattons ausgestopft. Gott sei dank waren die Dreharbeiten nach Weihnachten, das war gutes Timing, und ich habe richtig reingehauen. Dieses Jahr ist es nicht so angenehm, ich musste für eine Rolle ein bisschen abnehmen.

Es ist eine homogene Crew, fast alle sind gleich alt. Wenn man sich die Geburtsjahrgänge der Darsteller ansieht, bewegt sich das fast ausschließlich zwischen Jahrgang 1969 bis 1974.

Das kann bei Schauspielern auch nach hinten losgehen. Leute im gleichen Alter, die im gleichen Segment unterwegs sind. Aber das war toll, es hat super funktioniert. Eine gute Truppe. Wir haben viel gefeiert. Ein ganz toller Kollege war auch Bastian Pastewka. Er war der bekannteste von uns, was er überhaupt nicht raushängen lassen hat. Ein reizender Mensch, sehr professionell und so gut vorbereitet.

In "Schwere Jungs" spielt Sebastian Bezzel den Gamser, der seit fast 20 Jahren unter der Schmach leidet, von seinem Konkurrenten Dorfler bei einem Kinder-Bobrennen besiegt worden zu sein. Dann kommt die große Chance für die Revanche©

Außer Pastewka sieht man sehr unverbrauchte Gesichter. Nicht der übliche deutsche Klüngel.

Wenn wir ganz gut sind, wird das der neue Klüngel. Wir sind alle aus dem süddeutschen und österreichischen Raum. Das ist auch das Schöne an dem Job, je mehr man dreht, desto öfter begegnet man sich.

Der Drehbuchautor Philipp Roth ist kein Bayer, sondern kommt aus Münster. Wie hat er das hinbekommen?

Das Drehbuch war auf hochdeutsch geschrieben, das Bayerische mussten wir machen. Aber so wie die Pointen sitzen und die Figuren funktionieren, hat er das sehr liebevoll entworfen. Es war nie ein Habitus im Buch verlangt, den ich nicht mit der Rolle zusammengebracht hätte. Er schaut sich einfach Typen an und die sind auf dem Land so, egal ob in Bayern oder in Norddeutschland.

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