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14. März 2007, 10:32 Uhr

"So ein Schwein kann man nicht dressieren"

Während er in den USA noch als DDR-Dichter in dem Oscar-gekrönten Drama "Das Leben der Anderen" gefeiert wird, ist Sebastian Koch hierzulande mit der Komödie "Rennschwein Rudi Rüssel 2" zum Alltag zurückgekehrt. Im stern.de-Interview erzählt er von alleinerziehenden Väter und Schweinebändigern.

Zur Abwechslung spielt Sebastian Koch mal keine Figur, die Geschichte geschrieben hat, sondern einen ganz normalen Familienvater© Henning Kaiser/DDP

Herr Koch, Sie haben in letzter Zeit sehr viele historische Figuren gespielt, Albert Speer, Klaus Mann, Graf von Stauffenberg. Jetzt sind Sie in diesem Alltagsfilm zu sehen, "Rennschwein Rudi Rüssel 2". Darin spielen Sie Thomas, den alleinerziehenden Vater und Bio-Mathematiker. Was hat Sie an dieser Figur gereizt?

In erster Linie das Buch, das ich sehr mochte. Und das Thema ist aktuell wie nie. Es geht darum, wie es ist, als Kind ohne ein Elternteil aufzuwachsen, und es geht um eine Patchwork-Familie. Dann gibt es noch dieses Schweinchen, das den Stress potenziert. Das war so witzig konstruiert und ist im Endeffekt ein wirklich schöner Film geworden. Ich habe das ja nicht bewusst geplant, so viele schwere Charaktere zu spielen, aber es waren einfach die besten Rollen. Es gibt wenig leichte Stoffe, Komödien, die richtig gut und nicht so krachledern sind.

Ihre elfjährige Tochter ist nur zwei Jahre älter als ihr Filmsohn Nickel, und Sie leben getrennt von der Mutter Ihrer Tochter - eine ähnliche Situation wie die der Filmfigur Thomas. Können Sie für diesen Rolle aus Ihrem Privatleben schöpfen?

Nein, das ist eine komplett andere Situation. In dem Film ist die Frau gestorben, Sohn und Vater leben seit zwei Jahren allein und haben schon einen gemeinsamen Rhythmus gefunden, bei dem alles super ist. Und der Junge findet das bombig. Von außen betrachtet sieht es nach einem Chaos aus, aber intern sind die beiden glücklich. Deswegen sagt der Junge, ich brauche weder eine neue Mutter noch eine Schwester. Intuitiv verteidigt er die verstorbene Mutter. Ich finde das sehr nachvollziehbar. Es gibt so viele Trennungskinder, die sich darin wiederfinden werden.

Haben Sie für die Rolle mit ihrer Tochter über die Trennungsthematik gesprochen?

Wir haben über das Thema lange gesprochen, als es aktuell war. Wir haben uns vor sieben Jahren getrennt. Natürlich, wenn man ein Kind hat, kennt man die Problematik und kann das viel mehr nachempfinden, als wenn man keins hat. Meine Tochter war auch am Set von "Rudi Rüssel", eine Woche lang.

Nicht nur Kinder, sondern auch Eltern werden sich darin entdecken.

Ja, all diese Fragen, zum Beispiel: Wann stelle ich meine Freundin dem eigenen Kind vor? Er ist ein schräger Vogel, dieser Thomas, der Biomathematiker, der so beschäftigt ist mit Nachdenken, dass er vor lauter Genauigkeit nicht mehr zum Handeln kommt.

Wie waren die Dreharbeiten von "Rudi Rüssel"?

Mit Tieren und mit Kindern zu drehen, ist ganz was anderes. Ich mag das sehr. Es ist strategisch nicht so durchgeplant wie ein Albert Speer. Aber es ist schauspielerisch eine schöne Möglichkeit, aus der Situation zu schöpfen. Kinder reagieren sehr eigenwillig und nicht immer nach Plan, das mag ich sehr gerne. Und das Ferkel Rudi macht wirklich, was er will.

Der war wahrscheinlich schwer zu bändigen...

Wir hatten eine sehr guten Tiertrainer, Michael Schweuneke, so heißt er auch noch. Der hat sich irrsinnig Mühe gegeben. Aber so einen Ferkel kann man eben nicht wie einen Hund dressieren. Michael, der Tiertrainer, hat die Ersatzmutter mit Fläschchen gemacht und das Ferkel sogar bei sich schlafen lassen.

Rudi hat doch sicher einiges angestellt.

Es war auf jeden Fall sehr zeitaufwendig. Wir haben unheimlich oft probiert, ihn mit "Rudi Rudi" immer wieder gelockt, ganze Einstellungen umgebaut, um es so zu drehen, dass es schneidbar ist - es war eine technische Herausforderung. Sehr schön gemacht ist auch das Schweineland, das am Computer entstanden ist.

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