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13. Mai 2006, 07:00 Uhr

Die fliegende Mittsechzigerin

Obwohl Senta Berger ihrer Autobiografie den Titel "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann" gegeben hat, ist sie wohl eine der wenigen Schauspielerinnen, die trotz Hollywood-Ausflug allürenfrei geblieben ist. Wir gratulieren zum 65.

Das Leben habe oft viel Mut von ihr verlangt, sagt die 65-jährige Senta Berger© Roberto Pfeil/AP

Vom kleinen Mädchen aus der Wiener Vorstadt bis zum gefragten Filmstar in Hollywood: Senta Bergers Leben könnte auch aus einem Drehbuch der großen Studios in Los Angeles stammen. Doch sie selbst sieht es nüchterner. Das Leben habe oft viel Mut von ihr verlangt - "den Mut zum Fliegen". Entsprechend stand auch der Titel ihrer jüngst erschienenen Lebenserinnerungen "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann" von Anfang an fest. Die Autobiografie hat es auf Platz zwei der "Spiegel"-Bestellerliste geschafft. "Man muss sich lösen können, und das hat auch etwas mit Fliegen zu tun", sagt Senta Berger, die 65 Jahre alt wird.

Gelöst von der elterlichen Wohnung im Gemeindebau an der Lainzerstraße hat sich Senta Berger schon sehr früh. Bereits mit 16 Jahren wurde sie am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien aufgenommen. Schon der österreichische Schauspieler Hans Moser schien zu ahnen, was einmal aus der gut gebauten "Sophia Loren vom Gemeindebau" werden würde: Er schickte Autogrammjäger nach der Premiere der "Lindenwirtin vom Donaustrand" mit dem Hinweis zur Berger: "Holt's euch amal a Autogramm von der Kleinen da drüben. Des könnt's später tauschen. Nämlich, aus der wird was."

"Entscheidende Jahre"

Doch bevor Hollywood ihr Talent entdeckte, ging es für Senta Berger erst einmal von Wien nach Berlin, wo sie auch ihren späteren Mann Michael Verhoeven kennen lernte. "Es waren entscheidende Jahre", erzählt sie, "als ich 1959 nach Berlin kam, war die Stadt noch nackt. Überall gab es verbrannte Häuser, und wir sind über Trümmergrundstücke gestöckelt. Aber die Stadt war voller Lebensfreunde." Ein Wiedersehen mit Berlin feierte sie erst vor kurzem in der Kriminalkomödie "Nette Nachbarn küsst man nicht". Das Fernsehen ist seit gut 20 Jahren ihre berufliche Heimat.

Ob als selbstbewusste Reporterfreundin Mona in Helmut Dietls Kult-Serie "Kir Royal", als Taxifahrerin in "Die schnelle Gerdi" oder als "Lilli Lottofee" - Senta Berger begeisterte das Fernsehpublikum. Ihren jüngsten Erfolg kann sie in der ZDF-Serie "Unter Verdacht" feiern. Als Kriminalrätin Eva Maria Prohacek ermittelt sie gegen Amtsmissbrauch. "Mir gefällt, dass sie gescheit ist, einen Dickschädel hat und einen angeborenen Gerechtigkeitssinn", sagt Senta Berger über ihre Rolle. Und das könnte auch auf sie selbst zutreffen.

Vom Sexsymbol zur selbstbestimmten Frau

In Bergers glanzvoller Karriere spiegeln sich nicht nur fast 50 Jahre Filmgeschichte, sondern auch das gewandelte Rollenbild der Frau vom Fräuleinwunder und Sexsymbol zur erfolgreichen, selbstbestimmten Frau. Mit Charme, Intelligenz und Vielseitigkeit hat sich Senta Berger ein Millionenpublikum erobert - und dies alles ohne Skandale. Auch, wenn es zu Beginn ihrer langen Karriere durchaus einige Begehrlichkeiten von Kollegen gab, ob sie nun O.W. Fischer oder Charlton Heston hießen. Diese Geschichten sind nur kleine Episoden in ihren wunderschön erzählten Familienerinnerungen.

Als eine der wenigen deutschen Schauspielerinnen konnte sich Berger auch international in Hollywood, Italien und Frankreich einen Namen machen. Sie hat mit Sam Peckinpah gedreht und Lina Wertmüller, mit Wim Wenders, Volker Schlöndorff und immer wieder mit ihrem Mann, dem Arzt und Regisseur Michael Verhoeven. Obwohl ihr Herz nach eigenem Bekunden am Kino hängt und sie in mehr als 100 Filmen vor der Kamera stand, gab sie dennoch lange der Bühne den Vorzug. Als verführerische Buhlschaft wurde sie an der Seite von Curd Jürgens und dann Maximilian Schell viele Jahre in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen gefeiert.

"Willkürliche Einschnitte sind mir verdächtig"

Am Wiener Burgtheater brillierte Berger unter anderem mit Klaus Maria Brandauer in Molières "Tartuffe" und am Schiller-Theater in Berlin in Schnitzlers "Reigen". 1965 gründete sie zusammen mit Michael Verhoeven, den sie 1966 heiratete, die Sentana- Filmproduktion, die 1967 mit dem Kinofilm "Paarungen" (nach Strindbergs "Totentanz") erstmals auf sich aufmerksam machte.

Ihren Beruf versteht Berger als eine Mischung aus Konzentration, Fantasie, Handwerk und Technik. "Das hält ganz schön auf Trab." Ihren Geburtstag will sie nicht groß feiern. "Willkürliche Einschnitte sind mir verdächtig", sagt Senta Berger, die ihre Kunst an ihre beiden Söhne weitergereicht hat. "Ich sage einfach Danke zum Leben."

Hilmar Bahr/DPA
 
 
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