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Emotionsgeladenes Psychogramm

11. September 2001: Die Twin Towers in New York versinken in Schutt und Asche. Regisseur Färberböcks neuer Film "September" verfolgt deutsche Schicksale nach dem Anschlag.

Deutschland, 11. September 2001: Als die ersten Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Center die Weltöffentlichkeit erschüttern, versucht eine junge Mutter (Catharina Schuchmann) zu Hause verzweifelt, den Kindergeburtstag einfach fortzusetzen. Währenddessen lädt ein Pakistani (René Ifrah) seine Freunde zum Feiern in sein Restaurant ein, was das Misstrauen seiner schwangeren Freundin (Nina Proll) weckt. Mit seinem neuen Spielfilm «September» liefert der deutsche Regisseur, Autor und Produzent Max Färberböck («Aimée & Jaguar») ein emotionsgeladenes Psychogramm, in dem acht Menschen in einer deutschen Großstadt durch diesen Terroranschlag aus ihrem Alltag gerissen werden. In Cannes wurde «September» als deutscher Beitrag in der Sektion «Un Certain Regard» präsentiert.

Die Idee zu diesem Filmprojekt entwickelte Färberböck wenige Tage nach der Katastrophe. Dabei setzte er sich zum Ziel, innerhalb von vier Wochen ein fertiges Skript zu erarbeiten. «Ich wollte, dass dieses Gefühl vom 11. September noch in uns lebt», sagt der Regisseur. Zu diesem Zweck engagierte er die Co-Autoren John von Düffel, Sarah Khan, Matthias Pacht und Moritz Rinke, die jeweils einen der insgesamt vier Handlungsstränge verfassten. «Alle Stories im Film besitzen eine reale Basis. In dieser Zeit gab es reihenweise Nervenzusammenbrüche und latente Psychosen, was in die Geschichte mit eingeflossen ist.»

"Der Film war von Anfang an ein Experiment"

Als Produzenten dieses 4,3 Millionen Euro teuren Kinofilms zeichnen Martin Hagemann von Zero Film («Black Box BRD») und Färberböck selbst verantwortlich, die «September» in Koproduktion mit Telepool, Distant Dreams und dem ZDF realisierten. «Der Film war von Anfang an ein Experiment», sagt der Regisseur. Dabei verfolgte er den Ansatz, die verschiedenen Geschichten nicht klassisch in drei Akten zu erzählen, sondern fragmentarisch miteinander zu verknüpfen. «Die Zeit nach dem 11. September war von einer starken Zerrissenheit geprägt. Daher wollte ich in diesem Film jegliche Harmonisierung vermeiden.»

Dieser konsequente Stil spiegelt sich auch stringent in dem visuellen Konzept wider. Statt gleitender Kamerabewegungen setzt Färberböck in «September» auf statische Bilder mit abrupten, harten Schnittfolgen, welche die emotionale Aufgewühltheit der Figuren unterstreichen. Zu ihnen gehört der Leiter eines Mobilen Einsatzkommandos der Polizei (Jörg Schüttauf), der mit seinem überzogenen Patriotismus den US-Kollegen vom FBI auf die Nerven geht oder ein junger Autor (Moritz Rinke), der mit seinem eigenwilligen Standpunkt einen Eklat in der Redaktion provoziert. Als weitere Mitwirkende für «September» gewann der Regisseur unter anderem Justus von Dohnànyi, Anja Kling und Stefanie Stappenbeck.

In «September» vermittelt der deutsche Regisseur anhand von vier universellen Geschichten hautnah die Verwirrung, die der 11. September weltweit ausgelöst hat. Dabei verfolgt er bewusst kein konventionell-dramaturgisches Konzept, das die Entwicklung der Figuren einem Plot unterwirft oder eine mögliche Lösung von Konflikten zulässt. «Das Disparate der Zeit bestimmte die Struktur des Films», resümiert der Regisseur, «denn dieser Tag hat uns alle in einen Ausnahmezustand versetzt.»

Birgit Heidsiek

Mit viel Beifall hat das Hamburger Premierenpublikum am Mittwochabend einen Tag vor dem Bundesstart den Film «September» belohnt. Der knapp zwei Stunden dauernde Streifen sei sehr persönlich geworden, sagte Regisseur Färberböck nach der Vorstellung. Vier Co-Autoren hatten nur wenige Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 unabhängig voneinander Einzelschicksale aufgeschrieben, die der Filmemacher zu einem Psychogramm voller Emotionen verband. Das Filmteam hatte in Berlin, Hamburg und Köln gedreht.

«Der 11. September hat in allen von uns ein Vakuum hinterlassen», sagte Färberböck. Um zu verhindern, dass die Terror-Anschläge zu schnell vergessen würden, habe er sich als Regisseur bewusst für eine «härtere Gangart» entschieden. Abrupte Schnittfolgen unterstreichen die Aufgewühltheit der Charaktere, die in vier parallelen Geschichten von der Zeit unmittelbar nach den Attentaten erzählen.

Er sei beeindruckt, wie viele Geschichten der Regisseur in «September» zusammengefasst habe, sagte der Dramaturg des Hamburger Thalia Theaters und Co-Autor des Films, John von Düffel. «Es ist für mich eine Überraschung, dass eine Blume in so viele verschiedene Richtungen geblüht hat.»

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