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9. Januar 2009, 10:06 Uhr

Will Smith in der Hollywood-Falle

In dem Schuld-und-Sühne-Drama "Sieben Leben" verausgabt sich Hollywoods größter Kassenmagnet mit aller Macht als Charakterdarsteller. Doch will sein Publikum das gar nicht sehen. Der verzweifelte Kampf um das Image des Will Smith. Von Sophie Albers

Will Smith, Sieben Leben, Rosario Dawson, Gabriele Muccino, Seven Pounds, Hancock, Men in Black, Independence Day, Bagger Vance

Schluss mit lustig: Die neuen Töne von Will Smith© Michael Gottschalk/DDP

Seien wir mal ehrlich: Ohne Will Smith hätte dieser Film keine Chance. Er würde untergehen im Meer der ambitionierten, aber erfolglosen Leinwand-Experimente. Wegsortiert ins Regal der vergessenen Filmproduktionen, verstaubt in der Videothek. Doch weil eben der erfolgreichste Superstar Hollywoods die Hauptrolle spielt, muss die Filmwelt darüber reden. Und Smith verlässt sich darauf. Allerdings ohne den erhofften Erfolg.

Kassenmagnet Smith, Independentfilm-Schönheit Rosario Dawson ("Death Proof") und der italienische Regisseur Gabriele Muccino ("The Pursuit of Happyness") sind angetreten, um ihren Film "Sieben Leben" in Berlin vorzustellen. Das Werk ist so seltsam wie die Teamzusammenstellung. Und Smith darin so düster wie nie zuvor. Im Interview kratzt der offenbar zweifelnde Superstar dann sogar ein bisschen an der spiegelglatten Oberfläche seines Erfolges.

"Sieben Leben" ist ein Experiment

Doch zunächst zum Film: Ein ausgezehrter Smith spielt einen Steuereintreiber, der Menschen auf ihre wahre Größe testet. Wer ein guter Mensch ist, bekommt Aufschub. Sieben Leben will der schwer besorgt dreinschauende Mann mit Einfluss ändern. Seine Motive sind dabei äußerst fragwürdig. Mehr zu verraten, würde den Kinobesuch überflüssig machen.

"Sieben Leben" kann man nur ein Mal sehen. Es ist ein Kinoexperiment. Da sind sich Smith und Muccino einig. Und was für eins. In der Geschichte geht es um Manipulation, Moral und Glaubensfragen, in deren Rezeption auch noch um die Funktionsweise Hollywoods. Denn während Will Smith zum Interview Platz nimmt, scheint er bereits zu wissen, dass dieser Film nicht der übliche "Big Willie"-Kassenerfolg wird. Obwohl er es natürlich hofft. Er sei in seine eigene Falle getappt, sagt Smith im Gespräch mit stern.de und lacht ungewohnt leise. "Die Leute gehen von der Aussage aus, dass gut ist, was Will tut." Die können mit düsteren Tragöden wenig anfangen. Das hätte er wissen müssen, vervollständigt man seinen Satz. Schließlich hat kein Schauspieler je so pragmatisch und durchgeplant Karriere gemacht wie er. Wenn man der Legende glaubt, die er selbst verbreitet.

Ende der 80er stand der Sohn eines Kühlschrank-Reparateurs und einer Verwaltungsangestellten aus Philadelphia vor dem Bankrott. Er hatte zwar eine steile Karriere als familienfreundlicher Rapper hingelegt, doch hatte sich der Fresh Prince nicht um die Steuern gekümmert. Zu seinem Glück fiel just in diese Zeit sein Erfolg als Held der TV-Serie "Der Prinz von Bel-Air". Damals habe er beschlossen, der größte Filmstar der Welt zu werden. Also habe er Kinohits untersucht: "Von den zehn erfolgreichsten Filmen aller Zeiten waren in zehn Spezialeffekte oder Animationen zu sehen. In neun Spezialeffekte und animierte Ungeheuer. In acht Spezialeffekte, animierte Ungeheuer und eine Liebesgeschichte. Also haben wir 'Independence Day' gemacht", beschreibt Smith seinen Weg. "Wenn du das Muster erkennst, sorge dafür, dass du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist."

Das Smith'sche Kalkül

Ob nun Mustererkennung oder Glück, für Smith begann ein märchenhafter Aufstieg in Hollywoods A-Liga: Auf "Independence Day" folgten Kinokassenknüller wie "Men in Black", "Staatsfeind Nummer eins", "Men in Black II", "Bad Boys II", "I, Robot", "Hitch - Der Datedoktor", "Pursuit of Happyness", "I am Legend", "Hancock". Smith ist der einzige Schauspieler, der jemals in acht aufeinanderfolgenden Filmen die Hauptrolle spielte, die die US-Film-Hitparade anführten.

Doch während sich der mittlerweile 40-jährige lachend und johlend an seinem Image des schlagkräftigen Witzbolds dumm und dusselig verdient, eine Musterehe mit der Schauspielerin Jada Pinkett führt und anders als sein Kollege und Freund Tom Cruise immer wieder am Scientology-Verdacht vorbeischlittert, scheint er eigentlich einen ganz anderen Plan zu verfolgen: den, ein ernstzunehmender Charakterdarsteller zu sein.

Der wahre Will

Von Beginn seiner Karriere an war Smith immer auch als solcher zu sehen: 1993 in dem brillanten Sozialdrama "Das Leben - Ein Sechserpack" mit Stockard Channing und Donald Sutherland. 2000 in Robert Redfords "Die Legende von Bagger Vance" neben Matt Damon und Charlize Theron. Und 2001 in Michael Manns Muhammad-Ali-Biopic "Ali". Den Filmen ist gemeinsam, dass sie an der Kinokasse für Will-Smith-Verhältnisse allesamt versagten. Sie spielten gerademal einen Bruchteil des Ergebnisses der Smith'schen Lachnummern ein. Jedes Mal wieder, egal, wie sehr die Kritik die Schauspielkunst auch lobte. Das ist eine herbe Enttäuschung für den erfolgsverwöhnten Smith, der immer wieder betont, sich "persönlich eher in dramatischen Rollen zu gefallen".

Will Smith, Sieben Leben, Rosario Dawson, Gabriele Muccino, Seven Pounds, Hancock, Men in Black, Independence Day, Bagger Vance

Hollywoods sicherste Lachnummer© Mario Anzuoni/ Reuters

Doch wie soll der König der Leichtigkeit, der Feel-good-Actionstar und ewig lachende Schönling sein Publikum vom Genrewechsel überzeugen? Und wie seine Arbeitgeber dazu kriegen, auf eine wandelnde Gelddruckmaschine zu verzichten? Das scheint auch Smith sich zu fragen, der im Interview sofort auf schnelle Lacher ausweicht, wenn seine Intellektualität aufzufallen droht. Niemand kann wohl so schnell von Ausführungen zur Erzähltheorie zu Gags über Schwanzgrößen wechseln.

"Er ist ein großes Spielzeug"

Gabriele Muccino, Regisseur von "Sieben Leben", sagt, der Film sei ein Experiment gewesen, für ihn selbst und auch für Smith. "Ich habe das Gefühl, mit einem sehr großen Spielzeug zu spielen, und ich kann es kaputt machen", so der Filmemacher im Gespräch mit stern.de. "Aber ich kann ja immer noch nach Italien zurückgehen." Und Smith?

Nach der kleinen Tour de Force des Melancholikers, der den Komödianten gibt, der einen Melancholiker spielt, beendet Smith das Gespräch auf dem sicheren Terrain seines milliarden-vergoldeten Lachens, und dabei scheint er gleichzeitig vom Film und der eigenen Karriere zu sprechen: "Auch ein Ende, das nicht deinen Vorstellungen entspricht, ist von Wert." Sein glattes Gesicht verzieht sich zum Lachen, das plötzlich einer Grimasse gleicht: "Wenn es nicht funktioniert, mach' ich wieder Tanzeinlagen."

Von Sophie Albers
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Orki72 (10.01.2009, 15:11 Uhr)
Medien sind eher in die Falle getappt
Reden wir hier von Will Smith, der für "Ali" und "Das Streben nach Glück" mit zwei Oscar-Nominierungen bedacht wurde?
Reden wir hier von Will Smith, der nach "Bad Boys II" wegen Rassismus im Film gegen Latinos angeprangert wurde?
Reden wir hier von dem, der Millionen mit Musik und Actionfilmen begeistert, aber die Kritiker und Medien oft mit Hohn und Spott als Gute-Laune-Bären mit den Jumbo-Ohren bezeichneten?
Medien hätten diese (wahrscheinlich schon vorhandenen und geschriebenen) Artikel damals bei "Das Streben nach Glück" schon veröffentlichen können. Will Smith, der Rapper, der lustige Bursche - als fertiger, abgewrackter Vater? Doch der Film wurde ein Erfolg. Oops. Jetzt kommt "Sieben Leben", ein zugegeben schwerer, schwermütiger Film - dessen Inhalt nicht nur für Diskussionen sorgt und sogar sorgen sollte, und die 60,3 Millionen an den amerikanischen Kinokassen sind nicht mehr gut genug für ein ambitioniertes Drama. "Halleluja, lasst uns gemeinsam den Filmhelden zu Grabe tragen", sagen sich die Medien und hauen drauf. Darum gibt es auch heutzutage keine Superstars mehr, weil die Medien in Schubladen denken. Die Einzigen, die es noch schaffen in vielen Genres zuhause zu sein, sind vielleicht Clooney, Pitt und Co. Wenn man dagegen bedenkt, wie viele Komödien Paul Newman gedreht hat und als Charakterdarsteller und Actionstar akzeptiert wurde, oder James Stewart oder Cary Grant oder viele, viele andere Darsteller, die ganz einfach als gute Schauspieler galten. Warum nicht Will Smith auch in verschiedenen Rollen akzeptieren. Bin kein Fan von ihm, aber seine Filme sind durchweg gut und unterhaltsam, weil er gut spielt. Lasst ihn doch einfach spielen, das kann er nämlich im Gegensatz zu vielen anderen so genannten Schauspielern.
Mindsplitting (09.01.2009, 21:07 Uhr)
@postit
Genau das mag ich am Film, Musik, Test und Bild. Jeder kann sich seine Kritik selber machen. Alleine unsere Aussagen zeigen schon das Filmkritiken meist nicht viel taugen :)
postit (09.01.2009, 12:48 Uhr)
Ich sehe das anders
Will Smith ist doch eher der lustische Faxenmacher von Nebenan, der Actionstar mit dem lockeren Spruch auf den Lippen. Es ehrt Ihn, dass er aus diesem Korsett ausbrechen möchte und sich auch im Genres DRAMA beweisen möchte.
doch wen der gute Will menscheln will, wird der Zuschauer meist mit Pathos und Kitsch erschlagen. Da ist der Zuckerguss meterdick und gefühlvoll wird meist mit gefühlsdusselig verwechselt. Schon "das Streben nach Glück" war eine arge Schmonzette voller kLischees und Kalenderspruchweisheiten. Solche Filme können andere besser drehen, die werden aber leider vom Mainstreampublikum ignoriert. Smith bringt das alles ohne Ecken und Kanten rüber, weshalb sich zumindest ein gewisses Stammpuplikum doch für seine Dramen begeistern...
atticus (09.01.2009, 11:51 Uhr)
Habe neulich
im Fernsehen den Sixpack Film von 93 gesehen. Es ist schon beeindruckend, wie er damals schon spielen konnte - und das zu einer Zeit als er mit Prince von Bel Air gerade erst "rauskam".
Mindsplitting (09.01.2009, 11:34 Uhr)
Meine Subjektive Meinung
Will Smith aufgelistete Kassenschlage habe ich allesamt im Kino gehen da es Typische, lohnenwerte Kinoproduktionen sind. Im Kino möchte man Effekte Spannung und Spaß haben.
Die vermeindlichen "Kinoflops" sind meinerseits eher so zu erklären, das man sich Charakterbezogene Filme nunmal lieber gemütlich zuhause auf dem Sofa ansieht. Das Streben nach glück zum Beispiel, ist ein sehr seh guter Film in der Smith als Charakterdarsteller sehr gute Leistunen bringt. Aber so einen Film muss ich nicht für 8€ im Kino sehen. Für so einen Film reicht mir das Heimkino auch aus.
Auch 7 Leben werde ich nicht im Kino sehen, sondern mir mal aus der Videothek leihen wenn er raus kommt. Wenn ich so beobachte welche Filme im Kino am meisten besucht werden, denke ich das viele Leute meine Meinung zu der "Kinogenre Frage" teilen. Daher sollte man eher an der Vermarktung ansetzen, zum beispiel in dem man für solche Filme ein "Genrekino" öffnet (hier gibt es zB eins was dazu gut geeignet wäre) wo dann die Filme keine 8€ sondern nur 4€ kosten, dann würden mehr Leute auch solche Filme sehen.
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