Mit riesigem Bohei startet jetzt der Simpsons-Film. Im Gespräch mit stern.de sagt Al Jean, Chef der TV-Serie, warum die Fans so lange auf das Kino-Abenteuer warten mussten, was an Barts Penis schlimm ist und welcher echte US-Präsident seinen ersten Gastauftritt bekommt.

Bart nackt - das schockt nicht nur Springfield sondern auch die US-Filmwächter© Fox/DDP
... ja, und ein Journalist hat sich fürchterlich darüber aufgeregt. Dabei ist es nur kleiner, alberner Witz.
Doch. Deswegen und wegen einer anderen Szene. (In Deutschland ab sechs Jahren, d. Red.) Dabei ist das gezeichnete Genital einer zehnjährigen Comicfigur wohl so ziemlich das unsexuellste was man sich vorstellen kann. Und die Szene ist wirklich kurz. Lächerlich eigentlich.
Als wir den Film angekündigt hatten, waren die Fans ziemlich aufgeregt und gespannt. Was soll ich sagen, wir wollen diese Spannung möglichst lange aufrechterhalten (kichert hämisch).
Von mir erfahren Sie nichts. Naja, vielleicht ein bisschen.
Dass der Schauspieler Albert Brooks einer der Gaststars sein wird ...
... wir haben auch einen anderen Star dabei. Einen richtig großen. Aber den Namen verrate ich nicht.
Unser Präsident im Film ist Arnold Schwarzenegger, der wird aber von einem Imitatoren gesprochen. Wir haben alle noch lebenden Ex-Präsidenten angefragt, aber alle haben Nein gesagt. Ronald Reagan hat uns die netteste Absage geschrieben, aber letztlich wollte auch er nicht.
Wir hatten schon eine Szene mit Rudi Giuliani (ehemaliger Bürgermeister von New York City, d. Red.) fertig. Kurz bevor die Sendung ausgestrahlt werden sollte, hat er sich als Präsidenten-Kandidat aufgestellt. Nun schreiben die US-Gesetze vor: Wenn man einen Kandidaten in der Sendung hat, müssen alle anderen auch kommen. Wir haben die Szene wieder rausgenommen. Sollte Giuliani irgendwann Präsident werden und immer noch wollen, dann wäre er der erste.
Oh, es ging sogar noch weiter. Jede einzelne Seite des Scripts, jede Szene - auf allem und jedem stand mein Name. Das heißt, wäre irgendwas nach außen gelangt, wäre klar gewesen, woher es kommt.
Das war amüsant, es wurde natürlich wieder allerhand in den Film hineininterpretiert. Aber es gab einen Typen, der die ganze Geschichte ziemlich gut aus Gerüchten, dem Trailer und den wenigen Dingen, die wir im Vorfeld verraten hatten, zusammengepuzzelt hat. Erstaunlich.
Nein, wir haben wichtige Szenen in Testvorführungen gezeigt. Einige haben funktioniert, andere gar nicht, die haben wir dann geändert. Ehrlich gesagt haben wir selbst grundsätzliche Szenen noch bis vor wenige Wochen komplett umgeschrieben. Die endgültige Fassung ist erst Mitte Juni fertig geworden. Also rund einen Monat vor dem Starttermin.
Die Vorbereitungszeit war ziemlich lang. Von den ersten Ideen bis zur Fertigstellung haben wir vier Jahre gebraucht. Dann natürlich das riesige Leinwandformat. Es erlaubt eine viel größere Detailfülle. Es erlaubt, in jeder Ecke irgendwas passieren zu lassen, aber es muss auch in jeder Ecke etwas passieren. Und natürlich brauchten wir eine Geschichte, die anderthalb Stunden trägt, die Leute zum Lachen bringt, aber eben mehr ist, als nur drei aneinandergereihte Folgen. Selbst wer die Serie nicht kennt, kann und soll Spaß an dem Film haben.
Leute in meiner Position sagen natürlich immer: Ich bin glücklich mit dem Ergebnis. Aber ich bin aber wirklich glücklich damit. Der Druck auf uns war enorm und wir haben schwer geschuftet, damit der Film gut wird. Wissen Sie, nach 18 Fernseh-Jahren haben die Leute so viele Erwartungen an einen Simpsons-Film. Aber klar, man kann es nicht allen Recht machen.
Wir hätten den Film nicht gemacht, wenn wir nicht wirklich gewollt hätten. Uns ging es nicht ums Geld - im Gegensatz zum Filmstudio. Aber alle waren sich darüber einig, dass wenn das Drehbuch nicht wirklich perfekt ist, dann lassen wir es auch.
(stöhnt) Fragen Sie mich in zehn Jahren noch mal. Ich bin für die Show verantwortlich und habe gleichzeitig am Film mitgearbeitet. Jetzt freue ich mich darauf, nur noch die Serie zu machen. Und zurzeit gibt es ohnehin keine Verträge für einen weiteren Film.
Ich halte nichts davon, schon auf Jahre im Voraus die jeweils nächsten Teile anzukündigen. Es ist doch viel wichtiger ein gutes Drehbuch zu haben und erst dann den Film zu machen. Wenn es ein gutes Script gibt, machen auch einen Film. Wenn nicht, dann nicht. Zum Glück haben wir die Möglichkeit, Nein zu sagen.
Gerne.
Zwei. Homer eins, Marge eins. Aber auch nicht immer. Wir sind da nicht so streng. Es gibt im Film eine Fenster-Szene, und der Regisseur sagt, so ein Fenster gibt es aber nicht - und ich habe geantwortet: Jetzt schon.
Ja, es gibt ein paar Karten von Matt Groening. Aber auch die dienen nur als Anhaltspunkte. Im Film etwa ist die Kirche von Springfield direkt neben Moes Bar. Da war sie vorher nie und wird vermutlich auch nie mehr sein.
Was Charakter und Verhalten der Familie betrifft schon. Niemand darf glatzköpfiger sein als Homer, niemand Haare wie Bart haben. Was aber Springfield betrifft, ändern wir immer alles so, wie es die Witze erfordern. Das ist ja das Tolle von Cartoons - man kann alles so aussehen lassen wie man will.
Stimmt teilweise. Am Anfang reichte es, simple Geschichten zu erzählen. Etwa: Marge sorgt sich darum, dass Homer pünktlich nach Hause kommt. Mittlerweile haben wir 400 Shows gemacht. Und über die Jahre sind die Geschichten natürlich etwas komplexer geworden - allein schon, um uns nicht zu wiederholen. Und die müssen natürlich auch anders erzählt werden. Das gilt übrigens auch für den Film. Andererseits haben wir mittlerweile junge Autoren, die mit den Simpsons aufgewachsen sind. Die bringen wieder etwas alten, neuen Wind in die Serie.
Sie tun es nicht wegen des Geldes.
(grinst). Die Simpsons werden auf der ganzen Welt geliebt. Ich meine, wer würde nicht bei uns arbeiten wollen? Es ist der beste Job der Welt.
Zur Person Al Jean ist seit Beginn der Simpsons dabei und mittlerweile als Ausführender Produzent für die Serie verantwortlich. Auch am Film war er maßgeblich beteiligt. Er hat zudem einige "Alf"-Drehbücher geschrieben und einen Emmy für die Simpsons-Folge "Der berüchtigte Kleinhirn-Malstift" bekommen.