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"Die Macht? Hä?! Was soll der Quatsch?"

Vor 30 Jahren hatte er genug vom Weltraum-Cowboy Han Solo. Harrison Ford über die Gründe für sein "Star Wars"-Comeback, Beinbrüche und das Glück, sich diesmal intakte Lichtschalter leisten zu können.

Von Christine Kruttschnitt

Harrison Ford bei der Premiere von "Star Wars: Das Erwachen der Macht" am Montag in Los Angeles

Harrison Ford bei der Premiere von "Star Wars: Das Erwachen der Macht" am Montag in Los Angeles

hat Han Solo immer wie ein Schmuddelkind behandelt. Als er 1983 nach Ende der ersten Trilogie vorerst endgültig das Lederjöppchen in die Garderobe hängte, konnte sich Hollywoods knarzigster Charmeur in Interviews nur für die anderen beiden ikonischen Filmfiguren begeistern, die er damals dem Publikum präsentierte: "Indiana Jones" und den "Blade Runner". Han Solo nannte er mehr oder weniger einen Trottel, dem er keine Träne nachzuweinen gedachte: "Drei Filme sind mehr als genug."
Drei Dekaden später. Es ist erstaunlich, mit welcher Wärme der 73-Jährige nun über den Sternenkrieger spricht, dem er früher den Heldentod gewünscht und den er doch selbst unsterblich gemacht hat mit einer Replik, die ihm spontan beim Drehen eingefallen war. "Ich liebe dich!", ruft Prinzessin Leia. Darauf Solo: "Ich weiß."

Beim Interview in Los Angeles trägt Ford ein graues T-Shirt, das über dem Bizeps spannt. Er ist grau geworden, aber zeigt noch immer sein schiefes, jungenhaftes Grinsen. Auf einem Wägelchen rollt der Etagenkellner eine Platte Sushi für den Superstar herein, die der unter fortwährenden Entschuldigungen - "Ich spreche gut mit vollem Mund" - verdrückt.
Wenn Sie die Dreharbeiten von damals und heute vergleichen: Was ist der größte Unterschied?
Das Budget. 1977 hatten wir etwa zehn Millionen Dollar. Der Film war so billig gemacht – wenn man eine Tür zuschlug, brach der ganze Set zusammen. Für das Cockpit im "Millennium Falken" hatten die Ausstatter Lichtschalter aus dem Baumarkt verwendet, die im Ausverkauf waren, weil sie nicht funktionierten. Wenn die Szene zu lange dauerte, gingen die Lichter aus. Aber diesmal hatten wir großartige Kulissen. Das Budget hat sich ums Zwanzigfache erhöht. Damals verdienten Sie 1000 Dollar pro Woche. Ja, heute ist es ein wenig mehr.
Und statt vom Baumarkt kamen die Effekte aus dem Rechner?
Wir Schauspieler haben lieber richtige Kulissen, nicht Bluescreens, vor denen wir so tun, als ob. Ich merke immer wieder, wie schnell Filmemacher den Maßstab verlieren: Es ist so leicht, am Computer aus fünf Angreifern 500 zu machen oder statt zehn Raumschiffen hundert am Himmel zu haben. Dabei interessiert dieser digitale Overkill den Zuschauer gar nicht. Lieber will er emotional involviert sein. Jedenfalls haben wir im neuen "" nicht zu viele computergenerierte Szenen, und ich bin froh darüber.

Haben Sie das Phänomen, den Rummel um "Star Wars", je verstanden?
Vergessen Sie nicht, ich war immer derjenige im Film, der, wenn die anderen von "der Macht" anfangen, sagt: Hä?! Was soll der ?! So ist es wirklich. Ich habe mich von Diskussionen und Interpretationen immer ferngehalten. Ich bin froh, dass es die Nerds da draußen gibt, die jedes Wörtchen auseinandernehmen, aber ich habe keine Ahnung, wovon sie reden.
Als Mitte vergangenen Jahres die Dreharbeiten begannen: Wurden Sie nicht ein wenig sentimental?

Ich? Keine Spur. Es war nett, die anderen Schauspieler wiederzusehen. Aber ich habe mir dann gleich das Bein gebrochen.
Eine Tür vom "Millennium Falken" fiel darauf, und auch J. J. Abrams, der Regisseur, verletzte sich während der Rettungsaktion.
Es war nicht lustig. Und ein halbes Jahr später brach ich mir das andere Bein bei einem anderen Unfall. Reden wir etwas anderes! Ich klinge sonst wie ein Invalide.

Rührt Sie die überwältigende Verehrung von "Star Wars"-Fans?
Ich nenne sie nicht Fans, sondern Kunden. Und ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich noch Kunden habe! Ja, ich bin gerührt, dass sie der Marke Harrison Ford die Treue halten. Offenbar haben sie gute Erfahrungen mit ihr gemacht.
So redet ein Geschäftsmann.
Ich sehe es so: Ich bin an der Herstellung eines Produkts beteiligt. Die Menschen sollen sich in einem dunklen Saal mit einem Haufen Fremder auf ein gemeinsames Erlebnis einlassen. Wir Filmleute bieten ein emotionales Fitnesstraining an: Das Kino ist der sicherste Ort, um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen.
Und was reizt Sie an der Sache?
Mich interessiert das Handwerk, ich arbeite gern: Vom ersten Drehtag an muss man Entscheidungen fällen, Probleme lösen – drehen wir das so oder so, wie erzählt man die Story am besten? Wir sind Handwerker wie Klempner oder Chirurgen auch.

Nur einmal haben Sie einen Schurken gespielt. Fühlen Sie sich mehr hingezogen zu den Guten?
Das liegt mehr an den Konventionen des Kinos: Die Rollen, die mir in der Hoch-Zeit meiner Karriere angeboten wurden, waren die des "leading man". Anwälte oder Polizisten oder was auch immer.
Sie sind kein "leading man" mehr?
Heute übernehme ich gern Nebenrollen. Man hat früher Feierabend, und wenn der Film floppt, ist es nicht meine Schuld.
Sie wurden als berühmt, als Ihre ältesten Söhne kleine Jungs waren. Fanden die ihren Vater auf der Leinwand cool?
Sie waren kaum beeindruckt. Meine Kinder sind in Los Angeles aufgewachsen, wo viele Väter und Mütter im Showgeschäft sind. Da ist ein Filmauftritt eben Papas Arbeit, damit kann man nicht angeben. Sie fanden meinen Beruf nicht so toll, weil ich ständig unterwegs war. Mein Jüngster ist jetzt 14, er hat, wenn es hoch kommt, vielleicht ein Drittel meiner Filme gesehen und ist gar nicht scharf darauf, sich den Rest anzutun.
Wer waren Ihre Kindheitshelden?
Cowboys und Indianer. Der erste Film, den ich im Kino gesehen habe, war aber "Bambi". Er hat mich so aufgewühlt, dass ich nie wieder dorthin zurückwollte. Mittlerweile habe ich den Schock verkraftet.

Lamentieren Sie, wie alle Stars, gern über den Verlust Ihres Privatlebens?
Nein, ich beklage mich nicht, wenn Leute mich ansprechen. Ich sage immer, es ist, als wenn man einen Laden hätte und darüber seine Wohnung. Selbst wenn an der Tür "Geschlossen" steht, klopfen immer wieder Leute an der Tür und wollen rein, man ist schließlich im selben Haus. Ich bin das Geschäft! Und solange meine Augen auf sind, denken die Leute, der Laden habe geöffnet, und sie klopfen an.
Ihnen steht ein fünfter "Indiana Jones"-Film bevor: Wie halten Sie sich fit für die Action?
Ich spiele Tennis – wenn ich nicht gerade verletzt bin. Und fahre Mountainbike. Das hat aber nichts mit der Filmerei zu tun, ich bewege mich einfach gern. Ich esse gesund und achte auf meinen Körper.
Vor Han Solo waren Sie Zimmermann. Gefällt Ihnen die Arbeit noch?
Sehr. Ich stelle gern etwas her. Ich mache zum Beispiel gern Möbel. Überhaupt repariere ich gern Sachen im Haushalt.
Sie klingen wie der perfekte Ehemann.

Daran hatte ich nie Zweifel.

Das Gespräch erschien zuerst im stern vom 10.12.2015

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo