Angefangen hat es mit einer Antwort auf die Kritik zu seinem neuen Film "Kokowääh" auf stern.de. Nun hat sich Til Schweiger mit Redakteurin Sophie Albers zum Streitgespräch getroffen. Ring frei.
Es ist ein Feldversuch, fühlen Sie sich doch einfach geehrt, dass ich auf Ihre Kritik reagiert habe. Ich habe in den letzten Jahren wirklich ein dickes Fell entwickelt. Damit muss man erstmal umgehen können, wenn man so angegriffen wird. Das ist nicht leicht, glauben Sie mir. Aber ich wollte einfach ein paar Sachen klarstellen, die meiner Meinung nach nicht richtig waren.
Ich bin entspannt. Aber ich bin ein sehr engagierter Mensch und sehr emotional. Ich muss meinen Ärger rauslassen. Das ist gesünder, als ihn in sich reinzufressen.
Zum Beispiel, dass Sie meine Filme als frauenfeindlich und perfide bezeichnen. Perfide ist ein ganz schlimmes Wort. Das hieße ja, ich würde mich mit meiner Koautorin hinsetzen, um den perfekten frauenfeindlichen Film zu kreieren und zwar so geschickt, dass es keiner merkt. Das ist doch absurd. Meine Filme sind im übrigen keine Chick-Flicks. Chick-Flicks sind Filme mit Kate Hudson und Matthew McConaughey.
Pech gehabt. Unsere Zuschauererhebungen sagen etwas anderes. "Sex and the City" ist ein Chick-Flick. Da ist kein Mann reingegangen. Bei uns sind fast die Hälfte Männer: 45 Prozent.
Zum Teil. Die meisten gehen mit Partner.
Das Gros der Kritiker ist lustigerweise einem Kate-Hudson-Film gegenüber toleranter als gegenüber meinen Filmen. Die sagen: Ach, das ist halt seichtes Hollywood, kann man sich aber ansehen.
Ich würde "Kokowääh" nicht als seicht bezeichnen. Das ist ein Film, der viele Menschen emotional tief berührt. Jetzt sagen Sie mir endlich, warum meine Filme frauenfeindlich sind.
Wen meinen Sie genau? Anna? Anna Gotzlowski ist eine völlig moderne, aufgeklärte, selbständige Frau, die sich in einen Typen verliebt, den sie anfangs nicht leiden kann. Dieser blöde Macho, der einfach nur 'ne dicke Fresse hat, bastelt auf einmal so ein süßes Tier mit Seele: den Keinohrhasen. Und sie verliebt sich in ihn. Aber deshalb ist sie doch nicht abhängig. Sie ist cool und nimmt sich was sie möchte.
Und Millionen sind sitzengeblieben. Eine andere Meinung ist ja in Ordnung, aber Sie können doch nicht hingehen und sagen, dass vier Millionen Frauen und zwei Millionen Männer sich die Zeiten vor der Emanzipation zurückwünschen.
Ja. Jede Comedy oder Romantic Comedy muss eine einfache Storyline haben. Das liegt in der Natur der Sache.
Gut erkannt. Wobei Eskapismus sehr negativ klingt. Ich würde eher sagen, meine Filme laden zum Träumen ein.
Weil sie sich von vornherein verschließen. Ihre Meinung steht schon fest.
Doch. Man kann sich jedem Film verschließen. Deshalb habe ich auch aufgehört, Pressevorführungen zu geben, weil ich weiß, dass ein Großteil der Kritiker hingeht und denkt: "Äh, Til Schweiger, habe ich eh keinen Bock drauf." Ich kann mich hinsetzen und mich verschließen und sagen, diese Montage ist doch lachhaft. Ich kann mich hinsetzen, "Terminator 2" gucken - einer der großartigsten Filme von James Cameron überhaupt - und sagen: Es gibt keine Roboter, die aus der Zukunft kommen, schon gar nicht mit 'nem österreichischen Akzent. Und schon fällt der Film in sich zusammen.
Weil es schön ist!
Wenn ich sage, das ist Kitsch, dann habe ich Angst, etwas zuzulassen.
Nein, nicht immer. Natürlich gibt es totalen Kitsch.
Ich fand "Avatar" wahnsinnig kitschig. "König der Löwen" war auch kitschig, trotzdem habe ich geweint, als der Kleine König wird. Lesen Sie auf der zweiten Seite, bei welchem Film Schweiger geweint hat und was ihm an "Leon der Profi" missfällt