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5. März 2011, 12:00 Uhr

"Entspannen Sie sich, Herr Schweiger"

Angefangen hat es mit einer Antwort auf die Kritik zu seinem neuen Film "Kokowääh" auf stern.de. Nun hat sich Til Schweiger mit Redakteurin Sophie Albers zum Streitgespräch getroffen. Ring frei.

© Matthias Bothor Til Schweiger Sein neuer Film "Kokowääh" hat in einem Monat mehr als 3,3 Millionen Besucher in die Kinos gezogen. Trotz seines großen Erfolges als Filmemacher ("Keinohrhasen") und Schauspieler ("Inglourious Basterds") finden Til Schweiger und seine Werke immer wieder leidenschaftliche Kritiker. Der 47-Jährige hat seine eigene Art, damit umzugehen.

Ständig werden Artikel über Til Schweiger veröffentlicht. Warum haben Sie ausgerechnet auf den auf stern.de reagiert?

Es ist ein Feldversuch, fühlen Sie sich doch einfach geehrt, dass ich auf Ihre Kritik reagiert habe. Ich habe in den letzten Jahren wirklich ein dickes Fell entwickelt. Damit muss man erstmal umgehen können, wenn man so angegriffen wird. Das ist nicht leicht, glauben Sie mir. Aber ich wollte einfach ein paar Sachen klarstellen, die meiner Meinung nach nicht richtig waren.

Sie sind der erfolgreichste deutsche Filmemacher und haben ein Millionenpublikum. Warum entspannen Sie sich nicht einfach?

Ich bin entspannt. Aber ich bin ein sehr engagierter Mensch und sehr emotional. Ich muss meinen Ärger rauslassen. Das ist gesünder, als ihn in sich reinzufressen.

Was genau ärgert Sie?

Zum Beispiel, dass Sie meine Filme als frauenfeindlich und perfide bezeichnen. Perfide ist ein ganz schlimmes Wort. Das hieße ja, ich würde mich mit meiner Koautorin hinsetzen, um den perfekten frauenfeindlichen Film zu kreieren und zwar so geschickt, dass es keiner merkt. Das ist doch absurd. Meine Filme sind im übrigen keine Chick-Flicks. Chick-Flicks sind Filme mit Kate Hudson und Matthew McConaughey.

Ich war häufig im Kino, um Ihre Filme zu sehen - denn es gibt ja keine Pressevorführungen. Es kommen fast nur Frauen. Männer sind nur als Anhang dabei.

Pech gehabt. Unsere Zuschauererhebungen sagen etwas anderes. "Sex and the City" ist ein Chick-Flick. Da ist kein Mann reingegangen. Bei uns sind fast die Hälfte Männer: 45 Prozent.

Die da allein reingehen?

Zum Teil. Die meisten gehen mit Partner.

Bei "Kokowääh" saß ich zwischen vier Frauen und einem Pärchen. Am Ende hat eine der Frauen vor Wut geschnaubt, und die auf der anderen Seite hat geweint. Intensiver geht es kaum. Das ist besser als Indifferenz, die ein Kate-Hudson-Film abkriegen würde. Deshalb noch mal die Frage, warum Sie sich nicht zurücklehnen, lächelnd die Zuschauerzahlen abnicken und die Kritiker ignorieren.

Das Gros der Kritiker ist lustigerweise einem Kate-Hudson-Film gegenüber toleranter als gegenüber meinen Filmen. Die sagen: Ach, das ist halt seichtes Hollywood, kann man sich aber ansehen.

... und Sie sind "seichtes" Deutschland?

Ich würde "Kokowääh" nicht als seicht bezeichnen. Das ist ein Film, der viele Menschen emotional tief berührt. Jetzt sagen Sie mir endlich, warum meine Filme frauenfeindlich sind.

Für mich taugt keine der Frauen als Identifikationsfigur. Das sind alles abhängige Mädchen, die ihr Hirn ausschalten, sobald der Kerl auftaucht und nur noch ihrer biologischen Bestimmung folgen wollen.

Wen meinen Sie genau? Anna? Anna Gotzlowski ist eine völlig moderne, aufgeklärte, selbständige Frau, die sich in einen Typen verliebt, den sie anfangs nicht leiden kann. Dieser blöde Macho, der einfach nur 'ne dicke Fresse hat, bastelt auf einmal so ein süßes Tier mit Seele: den Keinohrhasen. Und sie verliebt sich in ihn. Aber deshalb ist sie doch nicht abhängig. Sie ist cool und nimmt sich was sie möchte.

Im Kino ist eine Frau aufgestanden, hat gerufen, dieser Film sei ein Affront und ist rausgestürmt.

Und Millionen sind sitzengeblieben. Eine andere Meinung ist ja in Ordnung, aber Sie können doch nicht hingehen und sagen, dass vier Millionen Frauen und zwei Millionen Männer sich die Zeiten vor der Emanzipation zurückwünschen.

Doch, das glaube ich, zumindest teilweise. Das Weltbild, das Sie in Ihren Filmen transportieren ist sehr einfach, komplett Schwarz-Weiß.

Ja. Jede Comedy oder Romantic Comedy muss eine einfache Storyline haben. Das liegt in der Natur der Sache.

Und ich glaube, dass Menschen eine Grundsehnsucht nach eben diesem Schwarz-Weiß haben, weil sie jeden Tag soviel Grau um die Ohren gehauen bekommen. Deshalb sind Ihre Filme der perfekte Eskapismus.

Gut erkannt. Wobei Eskapismus sehr negativ klingt. Ich würde eher sagen, meine Filme laden zum Träumen ein.

Aber übertreiben Sie nicht ein bisschen? Am Ende von "Kokowääh" servieren Sie diese Orgie von Friede-Freude-Eierkuchen-Bildern: glückliche Menschen im Gegenlicht, lachendes Kind im Brunnen, slow motion. Entschuldigen Sie, aber mich bringt das zum Lachen.

Weil sie sich von vornherein verschließen. Ihre Meinung steht schon fest.

Nein, das ist nicht wahr.

Doch. Man kann sich jedem Film verschließen. Deshalb habe ich auch aufgehört, Pressevorführungen zu geben, weil ich weiß, dass ein Großteil der Kritiker hingeht und denkt: "Äh, Til Schweiger, habe ich eh keinen Bock drauf." Ich kann mich hinsetzen und mich verschließen und sagen, diese Montage ist doch lachhaft. Ich kann mich hinsetzen, "Terminator 2" gucken - einer der großartigsten Filme von James Cameron überhaupt - und sagen: Es gibt keine Roboter, die aus der Zukunft kommen, schon gar nicht mit 'nem österreichischen Akzent. Und schon fällt der Film in sich zusammen.

Das ist ein netter Vergleich. Aber warum immer wieder der Vorschlaghammer der totalen Idylle?

Weil es schön ist!

Das ist Kitsch!

Wenn ich sage, das ist Kitsch, dann habe ich Angst, etwas zuzulassen.

Immer?

Nein, nicht immer. Natürlich gibt es totalen Kitsch.

Zum Beispiel?

Ich fand "Avatar" wahnsinnig kitschig. "König der Löwen" war auch kitschig, trotzdem habe ich geweint, als der Kleine König wird. Lesen Sie auf der zweiten Seite, bei welchem Film Schweiger geweint hat und was ihm an "Leon der Profi" missfällt

Seite 1: "Entspannen Sie sich, Herr Schweiger"
Seite 2: Weinen Sie häufig im Kino?
 
 
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