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17. Januar 2008, 14:42 Uhr

Mehr Humor, weniger Hollywood

Sonnenverwöhnte Hollywoodstars und Filmschaffende aus aller Welt haben es Robert Redford, 71, zu verdanken, wenn sie zurzeit bei Minus zehn Grad Celsius in dem verschneiten Wintersportort Park City in Utah frieren. Vom 17. bis 27. Januar findet dort das älteste und größte Festival des unabhängigen Films statt.

Wenn er ruft kommen sie alle. Robert Redford lädt zum Sundance Festival nach Utah© Evan Agostini/Getty Images

"Wir wollten das unbequemste Filmfestival überhaupt auf die Beine stellen", erinnerte sich Redford unlängst über die Anfänge seines Sundance Festivals in den 80er Jahren. "Nur um schwierig zu sein" hätten sie die Veranstaltung damals "mitten in den Winter" und in das ehemalige Silberminen-Städtchen Park City gelegt, sagte Redford der Zeitung "Desert Morning News".

Knapp 50.000 Besucher werden sich zehn Tage lang in das eisige Vergnügen stürzen, das älteste und größte Festival des unabhängigen Films zu feiern. "Weniger Hollywood", verspricht Redford, und Filme, die nicht immer "auf Nummer sicher gehen und nett" sind. 121 Spielfilme aus 24 Ländern stehen auf dem Programm, 55 davon sind das Erstlingswerk von Regie-Neulingen.

Dieses Jahr geht es etwas "leichter" zu

Doch das Festival wird auch in diesem Jahr von Hollywoodprofis in Beschlag genommen. Bruce Willis, Tom Hanks, Sienna Miller, Ben Kingsley, Charlize Theron und viele andere Stars stellen ihre "Indie"-Seite zur Schau. Den Auftakt am Donnerstagabend (Ortszeit) machen Colin Farrell und Brendan Gleeson in der Rolle von zwei Auftragskillern in London, die auf Befehl ihres Bosses (Ralph Fiennes) im belgischen Brügge untertauchen müssen. "Brügge sehen ... und sterben?" ist das Spielfilmdebüt des britischen Drehbuchautors Martin McDonagh. Die Kriminalkomödie stimmt gleich den richtigen Ton an. Es gehe in diesem Jahr etwas "leichter" zu, meint Redford. "Unsere Filmemacher nehmen sich zwar immer noch wichtige Themen vor, aber sie setzen sie etwas lockerer und mit mehr Humor um".

So dreht sich die schwarze Komödie "Sunshine Cleaning" um eine Familie, die ihr Geld mit dem Reinigen von blutverschmierten Tatorten verdient. In "Choke" wird ein sexbesessener Sohn (Sam Rockwell) zum Betrüger, um den Unterhalt für seine geisteskranke Mutter (Anjelica Huston) zu bezahlen. "The Last Word" mit Winona Ryder und Wes Bentley handelt von einem Schriftsteller, der Abschiedsbriefe für Lebensmüde verfasst. In "The Wackness" spielt Ben Kingsley einen schrägen Therapeuten, der einen jungen Dealer im Austausch für Drogen behandelt. "Downloading Nancy" dreht sich um eine frustrierte Ehefrau (Maria Bello), die sich umbringen möchte, dafür aber einen Helfer sucht, in den sie sich am Ende verliebt.

In vier Kategorien treten jeweils 16 Filme im Wettbewerb gegeneinander an. Auch Deutschland ist mit mehreren Produktionen vor Ort. In der Spielfilmsparte "World Cinema" für ausländische Filme wetteifern unter anderem Regisseur Veit Helmer mit der skurrilen Liebeskomödie "Absurdistan" und Dennis Gansel mit dem Drama "Die Welle" um ein pädagogisches Experiment mit verheerenden Folgen. In der Wettbewerbssparte "World Cinema"-Dokumentarfilme geht Alexandra Westmeier mit dem Streifen "Allein in vier Wänden" über ein Jugendgefängnis im ländlichen Russland ins Rennen. Jan Schütte stellt außerhalb des Wettbewerbs "Love Comes Lately" vor.

Festival gilt als Sprungbrett für Filmschaffende

Seit der Entdeckung des damals völlig unbekannten Steven Soderbergh in Park City mit seinem Low-Budget-Streifen "Sex, Lügen und Video", der 1989 zum Kassenknüller wurde, gilt das Festival als Sprungbrett für Filmschaffende. So wurde die 2006 gefeierte Sundance- Komödie "Little Miss Sunshine" im vergangenen Jahr mit zwei Oscar-Trophäen ausgezeichnet.

Barbara Munker/DPA

 
 
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