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16. Januar 2012, 09:15 Uhr

Tosender Applaus für einen Stummfilm

Rückkehr eines vergessenen Genres: Mit vier Preisen wurde der Stummfilm "The Artist" bei den Golden Globes dekoriert. Filmhund Uggie stahl sogar dem besten Schauspieler George Clooney die Show. Von Frank Siering, Los Angeles

Golden Globes, Verleigung, George Clooney, The Artist, Meryl Streep, Los Angeles

Der Hund ist der Star: Der Stummfilm "The Artist" räumte ab und Filmhund Uggie vollführte daraufhin dank Produzent Thomas Langmann Freudensprünge© Robyn Beck/AFP

Aloha, Hollywood! ­Das Familiendrama "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" mit Hollywood-Liebling George Clooney in der Hauptrolle war der große Gewinner des Abends bei der 69. Golden Globes Verleihung am gestrigen Sonntag in Los Angeles.

In dem in Hawaii spielenden Streifen gibt Clooney einen gestressten Vater, der sich nach dem Unfall seiner Frau um seine beiden Töchter kümmern muss. Der Film erhielt den Hauptpreis für "Bestes Drama". Clooney selbst erhielt die kugelige Trophäe in der Kategorie "Bester Schauspieler".

Ebenso erfolgreich war der mit sechs Preisen nominierte Stummfilm "The Artist". Der Schwarz-Weiß-Film gewann die Preise für "Beste Komödie", "Bestes Musical" und "Beste Musik". Und auch Hauptdarsteller Jean Dujardin nahm einen Preis mit nach Hause.

Mit angezogener Handbremse durch den Abend

Gastgeber Ricky Gervais, der bissige englische Komiker durfte zum dritten Mal in Folge durch die Veranstaltung führen, enttäuschte nicht. Er feuerte erneut aus allen Rohen, auch wenn er diesmal ein bisschen mit angezogener Handbremse durch den Saal polterte.

Nicht nur brachte er Johnny Depp dazu, zuzugeben, seinen eigenen Film "The Tourist" (Kollegin Angelina Jolie war mit Brad Pitt im Saal) bis heute nicht gesehen zu haben, auch stellte er den sympathischen Colin Firth völlig grundlos bloß, indem er ihn als einen Menschen bezeichnete, der "blinde Kätzchen treten" würde.

Firth und all die anderen Gervais-Opfer nahmen den bissigen Humor des Briten mit Gelassenheit. "Ricky ist Ricky. Wir lieben ihn für seinen Humor, er nennt die Dinge beim Namen", so Firth in einer anschließenden Pressekonferenz.

Die dreistündige Veranstaltung lieferte keine wirklich großen Überraschungen und zauberte viele Gewinner aus dem Hut, die schon in der Vergangenheit fleißig abgeräumt haben.

Verleihung mit internationalem Flair

"Modern Family" gewann in der Kategorie für die beste TV-Komödie. Martin Scorsese nahm den Preis als "Bester Regisseur" für den Film "Hugo" mit nach Hause. Nur Steven Spielberg gewann seinen ersten Golden Globe für "Tim & Struppi" als bester Zeichentrickfilm. Morgan Freeman erhielt den Cecil B. DeMille Lifetime Achievement Award von Sidney Portier.

Meryl Streep amüsierte das Publikum im Saal, als sie den Preis für ihre Rolle als Margaret Thatcher in "The Iron Lady" entegennahm. Offensichtlich leicht irritiert, weil sie ohne Lesebrille den Text auf dem Teleprompter nicht entziffern konnte, prustete sie einige explizite Schimpfwörter in den Saal, die es nicht durch die Zensur des Senders NBC schafften und sofort ausgeblendet wurden.

Die Globes machten in diesem Jahr auch deutlich, dass es sich tatsächlich um eine internationale Preisverleihung handelt. Sowohl Antonio Banderas wie auch Sofia Vergara und Salma Hayek parlierten in ihrer spanischen Muttersprache auf der Bühne.

Wilde Madonna

Ausgerechnet Madonna ließ Lästermaul Ricky Gervais für einen Moment verstummen. Sie stach Sir Elton John in der Kategorie Original Song aus. Dabei hatte der Sänger noch vor der Veranstaltung auf dem roten Teppich gesagt, dass Madonna "null Chance" gegen ihn habe.

Als sich Gervais über Madonna und den Song "Like A Virgin" lustig machte, revanchierte sich die Sängerin mit dem Kommentar Richtung Gervais: "Warum kommst Du nicht mal kurz her, ich habe schon lange kein Mädchen mehr live im TV geküsst." Das Publikum johlte, und Gervais blieb nur der schnelle Griff zum Bierglas und ein verschmitztes Lächeln.

Von Frank Siering, Los Angeles
 
 
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