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Der bezauberndste Film des Jahres

"The Revenant" ist wohl das dreckigste und intensivste Kinoerlebnis des Jahres. "Danish Girl" ist dagegen das emotionale Wonnebad. Ein opulenter Liebesfilm über Menschen, deren Herzen größer sind, als wir es uns vorstellen können.  

Von Sophie Albers Ben Chamo

Eddie Redmayne in "The Danish Girl"

Der grandiose Eddie Redmayne als Lili in "The Danish Girl"

Der größte Schock in "Danish Girl" ist nicht, dass ein Mann sich 1930 unter Lebensgefahr zur Frau operieren lässt. Der Schock kommt mit dem Blick auf die Stadt, wo es passiert. Eine wunderschöne Stadt an einem wunderschönen Fluss, wo offensichtlich wunderschöne Menschen wohnen, deren Kultur so offen und fortschrittlich ist, dass solche Operationen dort möglich sind. Nicht in Paris, nicht in London, sondern in Dresden! 


"Dresden war das Epizentrum der liberalen Offenheit, des wissenschaftlichen Fortschritts, der offenen Arme", sagt "Danish Girl"-Regisseur Tom Hooper im Gespräch mit stern. Mal ganz abgesehen von dem, was nach 1933 folgte, ist dieser Blick auch in heutigen Zeiten, da jeden Montag in Dresden Pegida pöbelt, sagen wir mal, erfrischend. Die Erinnerung daran: Ein anderes Dresden ist möglich. Aber dieser Exkurs nur am Rande, denn eigentlich geht es bei diesem Film tatsächlich um eine der größten Liebesgeschichten der Welt.

Im falschen Körper

"Danish Girl" erzählt vom Schicksal des dänischen Malers Einar Wegener – den es wirklich gegeben hat. Eine Frau gefangen im Körper eines Mannes, und Einar setzt alles daran, sich von diesem männlichen Körper zu befreien, um ganz die zu werden, die er innerlich schon ist: Lili. Dabei wird er fast bis zur völligen Selbstaufgabe von seiner Frau unterstützt.

Oscar-Gewinner Eddie Redmayne, der bereits in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" als Stephen Hawking gezeigt hat, dass er zu den besten Schauspielern unserer Zeit gehört, spielt ein weiteres Mal mit so viel Feingefühl und Hingabe, dass das Publikum sehr genau mit Einar/Lili mitfühlen kann. In dieser quälenden Zerrissenheit aufgefangen wird der Zuschauer von Einars Frau, der unerschrockenen, bewundernswerten, wahre Liebe in sich tragenden Gerda. Gespielt von Alicia Vikander, Hollywoods neue Wunderwaffe, bekannt aus "Ex Machina" und "Codename U.N.C.L.E.", Schwedin und gelernte Balletttänzerin. Zur Beschreibung des Zusammenspiels von Redmayne und Vikander müsste man das Wort "Chemie" neu erfinden. Und das alles funktioniert ganz ohne Kitsch. 

Ein Moment der Freiheit

Bleibt der Mann, der es möglich gemacht hat: Tom Hooper. Dem britischen Regisseur sind seit "The King's Speech" und "Les Misérables" Zuschauer- und Academy-Herzen sicher. Sieben Jahre lang hat er an der Umsetzung von "Danish Girl" gearbeitet. Es war diese "außergewöhnliche, wunderschöne Liebesgeschichte", die ihn bei der Stange gehalten habe, sagt er. Wie Gerda ihren Mann, den sie damit doch auch verliert, unterstützt, ohne ihn je zu verurteilen, mit welcher Leidenschaft sie zu ihm steht, das sei die große Inspiration gewesen, so Hooper.

Denn "Danish Girl" war auch ein Leidenschafts-Projekt des Regisseurs. Nach dem großen Erfolg von "The King's Speech" und "Les Misérables" sei ihm bewusst geworden, dass er nun, für einen Moment, ganz allein entscheiden könne, was sein nächster Film sein soll und wie er ihn drehen wolle. "Ich war frei für diese universelle Liebesgeschichte", sagt Hooper und lächelt. Und wir lächeln mit ihm – bezaubert von Lili und Gerda.

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