15. August 2008, 09:17 Uhr

Böse wie Batman

Christopher Nolans zweiter Batman-Film bricht in den USA Besucher-Rekorde. Sogar das sensationelle Einspielergebnis von "Titanic" könnte überboten werden. Woher kommt die Lust am dunklen Ritter, der niemals lacht? Liegt es tatsächlich am letzten Auftritt von Heath Ledger? Von Sophie Albers

Ein Nihilist, dessen einziges Ziel es ist, die Welt brennen zu sehen: Heath Ledgers Joker©

In den USA hat "The Dark Knight" am ersten Wochenende alle Rekorde gebrochen. Nach zehn Tagen hat die Neuverfilmung des DC-Comic-Klassikers die 300-Millionen-Dollar-Grenze gesprengt. Schneller als jeder Film zuvor. Batmans Erfolg könne sogar "Titanic" versenken, der in den USA insgesamt 600 Millionen Dollar eingespielt hat, heißt es. User der "Internet Movie Database" werten die Geschichte von Gut, Böse und dem dazwischen derzeit als besten Film - vor "Der Pate" und "Einer flog übers Kuckucksnest". Der Batman-Hype ist enorm. Aber warum eigentlich?

Es war ein langer Weg für Bruce Wayne, den Multimillionär aus Gotham City, der des Nachts die Fledermausmaske auspackt und sich ins Batmobil schwingt. Die Comicfigur, die Bob Kane 1939 als Anti-Superman erfand, war ein unerwarteter Erfolg. Der dekadente Partylöwe gegen den spießigen Saubermann. Der Mensch gegen den Außerirdischen. Schwarz gegen Weiß, doch beide wollen das Gute. Wie bei allen erfolgreichen Reihen schlief jedoch auch der Erfolg von Batman irgendwann ein. Mit seinem jugendlichen Helfer Robin im Familienanwesen musste sich der Retter der Nacht in den 50er und 60er Jahren zudem vorwerfen lassen, mittels Homoerotik die Jugend zu verderben. Da half auch eine TV-Serie über die Helden in Strumpfhosen nicht.

Tauchgang in die Superhelden-Psyche

Dann kam das Ende der 80er Jahre, und der begnadete Comicautor Frank Miller ("Sin City") nahm sich der Fledermaus an, um sie neu zu erfinden. Es wurde ein Tauchgang in die Superhelden-Psyche, das Ende der großen Geschichte, die im Kleinen weiterging. Und der Erfolg gab Miller Recht.

Und schon kamen aufmerksame Geldverwerter in Hollywood auf die Idee, sich des düsteren Helden anzunehmen. Regisseur Tim Burton ("Nightmare before Christmas", "Big Fish") drehte 1989 "Batman". Mit Michael Keaton hinter der Maske und Jack Nicholson als Joker war der Film ein wohlberechneter Erfolg, es folgten drei weitere Filme. Zwei Mal führte Burton Regie, zwei Mal Joel Schumacher. Am Ende war die Reihe tot, eine Lachnummer, grellbunter Schabernack und das sogar, obwohl 1997 in "Batman&Robin" George Clooney in den Latexanzug stieg. Die Warner Studios hatten mit dem Thema abgeschlossen.

Doch so wie einst Frank Miller die Comicfigur neu erfand, stellte sich im neuen Jahrtausend Christopher Nolan ("Memento", "The Prestige") zum cinematografischen Neustart zur Verfügung - allerdings nur unter der Bedingung, dass er auch tatsächlich machen darf, was er will. 2005 kam "Batman Begins" in die Kinos, und es war so, als habe es die vier anderen Filme nie gegeben.

Abgang Heath Ledger

Und nun also "The Dark Knight". Die Geschichte schließt chronologisch an "Batman Begins" an, doch steht der sechste Film ganz im Zeichen des Bösewichts, und das hat ganz realistische Gründe: Der Joker ist die letzte Rolle des im Januar an einer Überdosis Medikamente verstorbenen Heath Ledger ("Brokeback Mountain"). Nicht nur sein Tod schwebt über diesem ohnehin morbiden Film als dunkler Schatten, sein Auftritt stößt sogar Jack Nicholson vom Thron, dessen Joker 1989 in die Filmgeschichte eingegangen ist. Soviel Boshaftigkeit und Brutalität hätte eine Comicverfilmung damals nicht gewagt, hätte womöglich sogar Nicholson in einer solchen nicht gewagt.

Christian Bale jagt als Fledermaus-Mann durch Gotham City©

Nolans Joker ist ein Nihilist, ein Geist, der stets verneint, dessen einziges Ziel es ist, "die Welt brennen zu sehen". Keine Ideologie, keine Verblendung, kein Terrorismus, da ist reiner Zerstörungswille am Werk. Und da das Böse bekanntlich spannender ist als das Gute, geht neben Ledger die große, aber eben subtile Schauspielleistung von Christian Bale ("American Psycho", "The Machinist") fast unter. Wie bereits in "Batman Begins" bietet Bale einen ganzen Fächer an Charakterzeichnungen dieses "realistischsten aller Superhelden", wie Nolan seine Hauptfigur einst beschrieb. Hat "Batman Begins" noch nach den Dämonen im Kopf von Bruce Wayne gesucht, scheinen diese nun in Gotham City auf ihn zu warten.

Batman und Bush

Deutungen gibt es viele für den Helden der düsteren Grautöne. Manche verstehen "The Dark Knight" als Allegorie auf den Antiterrorkampf, auf das Post-9/11-Trauma, andere nehmen es als Gesamtmetapher für die Schizophrenie des Lebens, das nie nur gut oder nur schlecht ist. Einen wahren Blogger-Krieg hat ein Meinungsstück im "Wall Street Journal" vom vergangenen Freitag ausgelöst: Darin steht zu lesen, "The Dark Knight" sei ein "Lobgesang auf die Tapferkeit und Zivilcourage, die George W. Bush in Zeiten des Terrors und Krieges zeigt". Schließlich werde auch Bush dafür verachtet und verunglimpft, dass er Terroristen in der einzigen Weise angehe, "die sie verstehen".

"Ich wollte etwas machen, das ich so vorher noch nie gesehen habe", sagt Regisseur Nolan über seine "Batman"-Reihe. "Warum können die Leute den Film nicht einfach als Film genießen", fragt fast ein bisschen resigniert Blogger "Stx". "Hört auf alles mit dem Terrorismus zu vergleichen. Menschen gucken sich diese Filme an, um der Realität zu entfliehen." Damit muss das deutsche Publikum allerdings noch ein bisschen warten: Hier läuft das neue Abenteuer des dunklen Ritters zuletzt an - nach Peru, Libanon und Russland: am 21. August.

 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
schreibtherapie (30.07.2008, 12:46 Uhr)
Im Prinzip
ist es egal, wer die Rolle spielt. Heath Ledger spielte diese Rolle aber unglaublich gut. Wer ihn nur aus Broadback Mountain oder Ritter aus Leidenschaft kennt, wird ihn nicht erkennen. Zumal sein Gesicht die ganze Zeit über eh geschminkt ist. Wer also nicht weiß, dass er das ist, wird es auch nicht merken. Man merkt aber, dass Ledger auch eine andere Rolle spielen kann und das ziemlich gut, wenn nicht sogar perfekt.
faustjucken_de (30.07.2008, 12:13 Uhr)
Heath wer?
Als ob das jemanden jucken würde, wer diese Rolle spielt?
Nennt mir einen Film (außer Broadback Mountain) Na?
Siehste, alles nur Hype.
Trotzdem werde ich ihn mir anschauen
kuki83 (30.07.2008, 11:28 Uhr)
Vielversprechender Trailer
Habe vor kurzem im Kino die Vorschau zu diesem Film gesehen und kann nur sagen, dass dieser einen wirklich heiß auf diesen Film gemacht hat. Heath Ledger hat auch davor schon gute Filme gedreht und war ein guter Schauspieler. Nach dem besagten Trailer kommt er aber wahnsinnig gut bzw böse rüber und ich denke mal, dass er sich hier noch einmal gesteigert hat und ich demnächst seine beste darstellerische Leistung sehen werde. Die Leistung in irgendeiner Form mit seinem Tod in Verbindung zu bringen halte ich für vollkommen daneben. Und zwar in beiden Richtungen hin. Wenn er eine grandiose Vorstellung abliefert, dann sollte man das so auch akzeptieren und dann ist es auch das Recht der Filmbosse mit dieser Leistung zu werben. Slogans wie "Leadgers letzter Film" usw. sind aber wirklich vollkommen überzogen.
rolling_stock (30.07.2008, 11:06 Uhr)
hochgejubelt
ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich mir den film ansehe oder nicht. andererseits war "batman begins" schon nicht schlecht, daher wäre es schon angebracht, diesen film auch zu sehen
.
was heath ledger angeht...
er war ja nicht schlecht als schauspieler, aber ihn post mortem als den größten schauspieler aller zeiten hochzujubeln (wie es oft genug gemacht wird), halte ich für vollkommen verfehlt und überzogen.
.
wenn dieser batman film jetzt damit hausieren geht, eben weil es der letzte film ist, in dem heath ledger mitgespielt hat, finde ich das peinlich, da es doch irgendwie impliziert, dass der film ansonsten nicht viel zu bieten hat. hoffen wir, dass das nicht so ist
Cienne (30.07.2008, 10:05 Uhr)
hm
Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen, der Trailer sah schon super aus.
Ob nun Heath Ledger an dem Erfolg Schuld ist, denke mit "Ja" zu beantworten. Aber wenn dann nur aufgrund Seiner Leistung nicht seines Todes.
Ritter aus Leidenschaft ist einer der Geilsten Filme, die ich kenne.
...
Dann wollen wir Titanic endlich mal vom Thron schmeißen. :)
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