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2. September 2004, 12:42 Uhr

"Glaubwürdig sein, authentisch wirken"

Den meisten ist er als Moderator von "heute nacht" bekannt. Jetzt wird Thomas Kausch Anchorman bei den Sat.1-Nachrichten. An seinen neuen Job geht er gelassen ran: Beim ewigen Quotenvierten kann er nicht viel falsch machen.

Er soll den als schrill verschrienen Nachrichten auf Sat.1ein Gesicht geben: Thomas Kausch© Thomas Koy

Berlin, Schlosshotel im Grunewald. Er sitzt an einem Tisch auf der Terrasse, die braunen Haare geheimratseckig, die Koteletten ohrläppchenlang, er kneift die blauen Augen zusammen, die Sonne blendet. Ein Kellner bringt Kaffee und fragt: "Milch?". "Nein, danke", sagt er. Und dann rutscht dem Kellner die Milchkanne vom Tablett, und die volle Ladung landet auf Thomas Kauschs dunkelblauem Jackett. Man könnte in solch einer Situation laut "Scheiße!" brüllen oder aufspringen und den Kellner zusammenfalten. Thomas Kausch guckt kurz auf sein Sakko und dann auf den Kellner, der sich entschuldigt und hektisch zappelt. "Macht nichts", sagt Kausch, "ich geh das mal eben abspülen." Als er zurückkommt, sagt er: "Vielleicht hätte ich doch Milch nehmen sollen."

Bodenständiger Westfale

Thomas Kausch, 41, scheint ein eher gelassener Mensch zu sein. Er sei halt Westfale, sagt er, "Westfalen bleiben ein Leben lang auf dem Teppich". Es könnte sein, dass so einer genau der Richtige für eine besonders aufgeregte Fernsehanstalt ist: Seit dem 1. August stellt sich Kausch der Aufgabe, die Nachrichten bei einem Sender zu revolutionieren, den man nicht auf dem Schirm hat, wenn man Nachrichten gucken will - Sat 1. Thomas Kausch besetzt dort einen Posten, der extra für ihn geschaffen worden ist: "Leiter Information". Und vom 30. August an wird er als Anchorman von "18:30" zu sehen sein - er soll der als zu schrill verschrienen Nachrichtensendung ein Gesicht geben; siehe Peter Kloeppel, siehe "RTL-aktuell".

Markenzeichen: "Ciao"

"Ich will erreichen", sagt Kausch, "dass wir auf Augenhöhe sowohl mit ARD und ZDF als auch mit RTL wahrgenommen werden - als seriös, kompetent, schnell." Das hinzukriegen dürfte in etwa so einfach sein wie der Gewinn des Meistertitels für den Bundesliga-Neuling FSV Mainz 05. Wie also lautet der Plan? Und warum tut er sich das an? Thomas Kausch hätte auch beim ZDF bleiben können, wo er in den vergangenen vier Jahren "heute nacht" moderierte, die Spätnachrichten, bei denen er am Ende immer "Ciao" sagte, was bei einem latent verstaubten Sender lässig daherkam und natürlich sein Markenzeichen wurde. Vermutlich hätte er irgendwann beim "heute journal" landen können, aber das, sagt er, sei ja gerade neu besetzt worden. "Wenn du siehst, auf der Autobahn ist ein Stau, lohnt es sich manchmal, einen anderen Weg zu nehmen. Außerdem siehst du mehr von der Landschaft."

Lernen und gestalten

Die Sat-1-Nachrichten haben im Leben des Thomas Kausch bislang "keine Rolle" gespielt, und deshalb dachte er zunächst auch "Nee, das interessiert mich nicht", als der Sat-1-Geschäftsführer Roger Schawinski ihn anrief. Der war gerade in Wiesbaden - und stand zwei Stunden später bei Kausch vor der Tür. Schawinski sagte: "Ich will Sie, ich rede mit keinem anderen." Und dann erfuhr Kausch, was er künftig verdienen würde, und fand es doch spannend, dort anzufangen, wo er noch etwas gestalten kann. "Ich glaube nicht", sagt er ruhig und lehnt sich zurück, "dass mir das schadet, unabhängig davon, ob es gelingt oder nicht. Ich werde unheimlich viel lernen."

Mit Mut zur Lücke

Wahrscheinlich ist er auch deshalb so gelassen, weil er weiß, dass er es zumindest nicht schlechter machen kann beim ewigen Quotenvierten. Die Sendung bekommt einen neuen Namen ("Sat 1 News") und ein größeres Studio, in dem der Moderator herumlaufen kann. Dort will Kausch den Leuten "das Ganze ein bisschen anschaulich machen". Was er ganz gut kann, Kausch spricht gern in Bildern. "Wenn ich einfach alles nacheinander anbiete, rauscht es an den Zuschauern vorbei - man muss den Mut zur Lücke haben und Schwerpunkte setzen und sagen: Ich stelle euch jetzt ein Menü zusammen, mal ist es leicht bekömmlich, mal ist es schwer verdaulich", je nach Nachrichtenlage. Mal kommentiert er mit einem Grinsen oder hochgezogener Augenbraue, oft ist er einfach ernst.

Das wichtigste Rezept sei, sagt Kausch, "glaubwürdig zu sein, authentisch zu wirken. Wenn man emotional moderiert, wenn es um Menschen geht, die in einem Krieg gestorben sind, sollte man schon mal Menschen gesehen haben, die in einem Krieg gestorben sind - und nicht 22 sein, von der Moderatorenschule kommen und auf die Tränendrüse drücken".

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