. .
News am 28.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. Oktober 2007, 10:40 Uhr

Der FBI-Verräter und sein Jäger

Er lieferte Menschen ans Messer, doch zugleich schwadronierte er über den Dienst für das Vaterland, über Moral und Patriotismus, und natürlich betete er jeden Tag. Hatte sechs Kinder, und oft besuchte er die Frühmesse, bevor er zur Arbeit fuhr. Lebte dort sein zweites, dunkles Leben und abends, zuhause, ein drittes. Filmte heimlich den Sex mit seiner tiefgläubigen Frau, schickte die Videos einem Schulfreund - zur Begutachtung.

Eric O'Neill war die Katze

Schließlich hatte man seinen Fingerabdruck auf einem Stück schwarzer Abfalltüte - ausgerechnet ein russischer Informant hatte diesen Hinweis geliefert. Doch man musste ihn auf frischer Tat ertappen. Das FBI baute eine gigantische Falle. Und Hanssen tappte hinein.

Kurz vor seiner Pensionierung wurde er Anfang 2001 auf einmal zum "Section Chief" befördert. War auf einmal eine echte Nummer. Bekam sogar seinen Traumjob: Leitung der Abteilung Informationssicherung für das gesamte FBI. Ein eigenes Büro in der Zentrale, dazu einen Assistenten, einen junger Mann mit bernsteinfarbenen Augen, schüchtern, aufmerksam. Eric O'Neill.

"Ich sollte ihn knacken", erinnert er sich. " Ich hatte so etwas noch nie gemacht. Warum man mich auf ihn ansetzte? Ganz einfach: Ich wusste, wie man mit einem Computer umgeht. Denn noch vor ein paar Jahren tippten die Meisten beim FBI ihre Berichte noch mit der Schreibmaschine. Man wusste, Hanssen war ein Computer-Freak. Er würde nur jemandem akzeptieren, der technisch interessiert war. Und außerdem war ich katholisch."

Im Januar 2001 begann ein dramatischer Zweikampf in Zimmer 9930 der FBI-Zentrale. Ein abhörsicheres Büro, muffig, keine Fenster, die Tür mit dreifachem Kode gesichert - perfekte Kulisse für einen Psychothriller. "Ich war eingeschlossen wie in einem Safe. Dieser Mann war undurchdringlich wie eine Festung, nahezu gemein misstrauisch. Er war ekelhaft, spielte Katz- und Maus mit mir. Ich hatte nur eine Chance: ich musste ein besserer Schauspieler sein als er. Nach drei Wochen begann er schließlich zu reden, nach einem gemeinsamen Kirchenbesuch."

Vom Agententhriller zum Langweiler-Job

Und dann hörte Hanssen nicht mehr auf. Als ob er endlich alles loswerden könne. Er zog über Kollegen her, brüstete sich eitel mit Details über hochgeheime Operationen. O'Neill musste sich jede Winzigkeit merken, er kritzelte kleine Klebezettel voll, einmal wäre er beinahe erwischt worden, als er sie in seiner Schreibtischschublade versteckte. Doch er behielt die Nerven. "Du darfst dich niemals von der Angst überwältigen lassen", sagt er. Eric O'Neill war der bessere Schauspieler. Er war die Katze.

Und dann hatte man ihn. Robert P. Hanssen wurde am 19. Februar 2001 verhaftet, nachdem er eine Tüte voller Geheimdokumente unter der Fußgängerbrücke eines Parks deponiert hatte. Es hätte seine letzte Lieferung sein sollen.

Heute verbüßt Hanssen ein "Lebenslang ohne Begnadigung" im Hochsicherheitsgefängnis von Florence, Colorado, dort sitzt er 23 Stunden in Einzelhaft. Es heißt, seine Frau Bonnie habe ihm in christlicher Demut verziehen.

Und Eric O'Neill? Er stand vor dem Karrieresprung seines Lebens. Doch seine Ehe mit Juliana, der netten Deutschen aus der Nähe von Cottbus, kriselte heftig. "Ich war nie zu Hause, durfte Nichts erzählen, musste die Wahrheit verbergen." Vielleicht hatte ihm der Fall Hanssen einen Blick in die Abgründe seines Berufes erlaubt. O'Neill traf eine Entscheidung. Er kündigte. "Ich wurde erwachsen", sagt er.

Er studierte Jura, arbeitet heute als Anwalt in Washington, berät Firmen, prüft Verträge, absolviert langweilige Besprechungen in langweiligen Büros. "Es ist in Ordnung so", meint er. Vermisst er die Arbeit beim FBI?
"Jeden Tag."

Von Katja Gloger
1 2
weiter  
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Vincent_Vega (19.10.2007, 15:43 Uhr)
Doppelagent kann er ja nun nicht mehr werden
schließlich ist er nicht mehr beim FBI. Trotzdem klingt er ziemlich enttäuscht.
schoolar (18.10.2007, 16:19 Uhr)
Au weia!
Mit 34 schon dem vermeintlich zurückliegenden Höhepunkt seines Lebens hinterhertrauern? Wenn sich daraus mal nicht der nächste unverstandene und vom Leben enttäuschte Doppel-Agent entwickelt...
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft