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9. Januar 2007, 21:49 Uhr

Dani Levys Hitler-Satire in der Kritik

Am Tag der Uraufführung der Hitler-Satire "Mein Führer" in Essen hat sich die Kritik an Dani Levys Filmkomödie mit Helge Schneider in der Hauptrolle zugespitzt. Vor allem von jüdischer Seite wurde vehemente Kritik geäußert.

Regisseur Dani Levy (l.) und der Schauspieler Helge Schneider bei der Premiere des Kinofilms "Mein Führer" in der Lichtburg in Essen© Jörg Carstensen/DPA

Dani Levys Hitler-Satire "Mein Führer" erntete bei ihrer Uraufführung viel Kritik. In dem Streifen werde bagatellisiert, verharmlost und verniedlicht, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, nach Mitteilung von dem Stadtmagazin "Journal Frankfurt". "Ich komme selbst aus einer Holocaust-Familie. Daher habe ich schlimme Bauchschmerzen, wenn man das Thema Hitler und Holocaust zur Komödie macht", sagte Graumann "Hier kann ich einfach nicht mitlachen, denn jedes Lachen würde mir sofort im Hals stecken bleiben.

Der Dramatiker Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter") kritisierte in Berlin den Film, der am Donnerstag bundesweit mit 250 Kopien in die Kinos kommt, als "Verklärung" Hitlers und seiner Zeit. Es sei "unerklärlich, wie ein Mann, der selbst Jude ist, so eine Geschichtsfälschung ins Kino bringen kann", sagte Hochhuth über Regisseur Levy ("Alles auf Zucker!)". Hochhuth selbst hat eine Tragikomödie über Hitler geschrieben, die am13. Januar unter dem Titel "Heil Hitler" in der Akademie der Künste in Berlin uraufgeführt wird. "Wenn zu einem Ereignis alles gesagt ist, muss man die komische Seite beleuchten", meinte Hochhuth zu seinem Theaterstück, das er als "groteske, ironische und humoristische Aufarbeitung von Geschichte" beschrieb.

Kritik von Lea Rosh

Zahlreiche Kulturvertreter hatten im Vorfeld das Konzept von Regisseur Levy kritisiert, über Hitler eine Filmkomödie zu drehen. Damit würden die Verbrechen der Nationalsozialisten womöglich verharmlost, hieß es vielfach. So sagte die Initiatorin des Berliner Holocaust Mahnmals, Lea Rosh, Levys Film verniedliche das Grauen. Levy stammt selber aus einer jüdischen Familie.

Ulrich Mühe ("Das Leben der Anderen") spielt in der Komödie den jüdischen Schauspieler Adolf Grünbaum, der Hitler auf eine Neujahrsrede zum Jahreswechsel 1944/45 vorbereiten soll. In zahlreichen Unterrichtsstunden enttarnt der Schauspieler den Diktator als einen vom Vater geschlagenen und zurückgewiesenen Schwächling, der beim deutschen Volk nach Anerkennung sucht.

Zur Uraufführung im Essener Traditionskino "Lichtburg" am Dienstagabend hatten zahlreiche deutsche Filmstars ihre Teilnahme angekündigt. Auf dem roten Teppich wurden neben Levy und Helge Schneider auch der Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer sowie die Schauspieler Jan Josef Liefers, Ulrike Folkerts, Christiane Paul und Katja Riemann erwartet. Riemann spielt im Film die Rolle der Eva Braun.

TV-Entertainer Stefan Raab wird am Donnerstag in seiner bei ProSieben ausgestrahlten Comedy-Show "TV total" mit Helge Schneider und Regisseur Levy über die Film-Satire sprechen.

DPA

 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
Bernd1972 (12.01.2007, 10:28 Uhr)
Wir "jüngeren" Leute denken vielleicht anders ...
Es ist immer noch brisant, etwas über Hitler zu machen, doch ich finde, warum soll man nach über 60 Jahren nicht darüber lachen dürfen?
Gut, ich kenne, wie die meisten heute noch lebenden Personen, das 3. Reich nur aus dem Fernsehen und dem Geschichtsbuch. Mein Opa ist auch in der Tschechoslowakei gefallen - ich habe ihn nie kennen gelernt, selbst meine Mutter war erst 2 Jahre alt, als sie ihn zuletzt gesehen hat. So kenne ich ihn halt nur aus Erzählungen von meiner Oma.
Meine Familie hat also im 3. Reich auch einen Verlust erlitten, und trotzdem - oder gerade darum - sollte man Hitler, dem armen Wicht, der sich für den "Kaiser der Welt" hielt, doch so richtig hochnehmen und grundlegend verarschen.
Wer die Kommödie ernst nimmt, ist selbst schuld. Würden wir alle Kommödien, Science-Fiction-Filme und andere Fantasien ernst nehmen, würde es die Menschheit und die Erde gar nicht mehr geben. Ich denke da an Filme wie "The Day After", "The Day After Tomorrow", "Star Wars" und auch nur "Goodbye Lenin", der auch ziemlich in der Kritik stand.
Also, man muss einfach mal alles etwas anders sehen, und warum soll Verarschen eines Idioten wie Hitler nicht auch der Vergangenheitsbewältigung dienen. Was Charly Chaplin in "Der große Diktator" schon 1940 (also zu einer Zeit, als Hitler noch "regierte") tat, kann man jetzt, im Jahr 2007, doch wohl erst recht dürfen, oder?
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