In ihrem neuen Film erzählt Vanessa Jopp aus dem Leben ganz gewöhnlicher Berliner - tragisch und komisch. Ein Gespräch über "Komm näher" - und die neue Lust an der Realität im deutschen Film.

Regisseurin Vanessa Jopp während der Dreharbeiten zu "Komm näher"© Marco Dresen
Ich sitze nicht mit anderen jungen Regisseuren zusammen und diskutiere über den deutschen Film. Es gibt keine Gruppe, wie das in den 60er und 70er Jahren der Fall war. Es gibt aber einen Trend hin zum ungeschönten Realismus, der teilweise auch sehr hart ist. Es sind sehr geerdete Filme, die sich viel mit den "normalen" Menschen beschäftigen und nicht mit Menschen, die tolle Berufe haben, schick aussehen und viel Geld haben. Nicht so wie in den 80ern, wo die Menschen immer in den noblen Lofts wohnen.
Ich würde mir aber wünschen, dass wir auch wieder einen humorvolleren Blick auf die Welt werfen, in der wir leben. Bei meinem Film war mir der Humor auch deshalb auch so wichtig, weil ich das Leben einfach so empfinde: Es ist schon hart, aber es gibt immer auch Momente, wo man glücklich ist, sich verliebt und auch lachen kann. Ich denke, der Zuschauer ist irgendwann gesättigt, eine dunkle oder graue Welt zu sehen, besonders wenn er in so einer Welt lebt.
Ich habe mich immer für diese Menschen interessiert, schon in meinem ersten Film. In den 80ern wurde mit den Komödien eine sehr künstliche Welt vorgegaukelt. Von daher muss ich die Frage zurückgeben: Warum hat sich damals niemand für die Realität interessiert?
Ich lebe in Berlin und habe noch nie hier gedreht. Ich hatte große Lust, in dieser Stadt zu arbeiten.
Von den Figuren und ihren Problemen her ist der Film universell. Aber natürlich prägt der Ort die Geschichte, und Berlin hat den Film extrem geprägt.
Die sind ja auch schon ein bisschen älter.
Nein. Die Menschen in "Komm näher" träumen ja auch: von Liebe und Nähe. Und zumindest bei einigen von ihnen gibt es die Hoffnung, dass sie dies bekommen.
Ich habe mich diesmal aufs Wesentliche beschränkt. Die Menschen sind einen Schritt weiter. Vielleicht, weil ich einen Schritt weiter bin. In dem Film geht es um die Frage: Was ist am wichtigsten? Es geht darum, sich zu öffnen für eine Liebe und jemand anderen an sich heran zu lassen.
Wie man die Realität sieht, ist natürlich immer subjektiv. Ich teile den Anspruch nicht, dass ein Film sein muss wie das Leben, damit er gut ist. Ich wollte vermitteln, dass das Leben einerseits sehr hart ist, aber dass es immer wieder die Möglichkeit gibt, es aufzubrechen; es immer wieder Momente gibt, wo man lachen kann, auch wenn alles ganz schrecklich ist. Dass es auch immer wieder jemanden gibt, der doch für einen da ist und sagt: ich geb dir eine Hand und zieh dich hoch. Der Film ist schon so, wie ich das Leben empfinde.
Prinzipiell ja. Für mich hat sich aber noch nicht der Sinn erschlossen. Solange ich richtig gute Schauspieler finde, die auch eine Authentizität verkörpern und diese Qualität transportieren können, ist mir das lieber, weil ich die härter rannehmen kann und härter an Momenten arbeiten kann. Das wird mit Laien schwierig sein.
Es erleichtert die Arbeit, weil man sich gut kennt.
Das ist keine Aufgabe, die ich bewusst wähle. Man wird ja auch älter und reift mit der Zeit. Ich habe jetzt ein Kind, deswegen war eine längere Pause nach meinem letzten Film. Und da kriegt man einen völlig anderen Blick auf die Welt. Alles was mich verändert, verändert auch meine Filme.
Im Sommer verfilme ich einen ganz tollen Roman: "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel, ein Bestseller. Das wird etwas ganz anderes: ein Familiendrama in der Tradition von John Irving.