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27. September 2009, 20:56 Uhr

Auslieferung an die USA droht

Die Verhaftung des Meisterregisseurs Roman Polanski in Zürich war einem Medienbericht zufolge schon Tage zuvor von der US-Justiz eingefädelt worden. Dem 76-Jährigen droht nun die Auslieferung an die USA. Er soll eine 13-Jährige vergewaltigt haben.

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Roman Polanski vor zwei Jahren auf den Filmfestspielen in Cannes© AFP

Gefängnis statt Auszeichnung: Der Star-Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski ist am Samstag bei der Einreise in die Schweiz überraschend verhaftet worden. Dem 76-Jährigen droht die Auslieferung an die USA, wo er vor mehr als drei Jahrzehnten eine 13-Jährige vergewaltigt haben soll. Das sagte der Sprecher des Schweizer Justizministeriums, Guido Balmer, am Sonntag in Bern. Polanski war vom Filmfestival Zürich eingeladen worden und sollte dort am Sonntagabend für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden.

Polanskis Verhaftung war nach Informationen der "Los Angeles Times" schon längere Zeit von der US-Justiz vorbereitet worden. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Polanski in einem Land festgenommen werden sollte, das ein Auslieferungsabkommen mit den USA abgeschlossen hat, zitiert die Zeitung die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Sandi Gibbons. Wenigstens zweimal schon seien alle erforderlichen Papiere in Los Angeles vorbereitet worden. "Aber offensichtlich bekam er Wind davon und änderte seine Reisepläne", sagte Gibbons.

Polanski mied die USA

Der französisch-polnische Filmemacher hatte 1977 zugegeben, in der Villa seines Freundes Jack Nicholson ein Mädchen mit Champagner und Drogen zum Sex verführt zu haben. Während des Verfahrens war er dann aber 1978 nach Frankreich geflüchtet - und hatte die USA seither gemieden. Auch zur Oscar-Verleihung im Jahr 2003, wo er für "Der Pianist" als bester Regisseur ausgezeichnet wurde, wagte er die Einreise nicht. Der Filmemacher sei in "provisorische Auslieferungshaft" genommen worden, erklärte Ministeriumssprecher Balmer.

Auf die Frage, warum der Regisseur, der in den vergangenen Jahren mehrfach vollkommen unbehelligt in der Schweiz zu Gast war, gerade jetzt festgenommen wurde, antwortete der Sprecher: "Wir wussten diesmal genau, wann er einreist." Der "Los Angeles Times" sagte er, Polanski könne schon "in wenigen Tagen" dem Gericht in Kalifornien überstellt werden, wenn er seiner Auslieferung zustimme. Umgekehrt könnte sich das Verfahren in der Schweiz "Monate, wenn nicht sogar länger" hinziehen, sagte Guido Ballmer der Zeitung.

Haftstrafe bis zu vier Jahren droht Polanski

US-Rechtsexperten zufolge könnte ihm eine Haftstrafe bis zu vier Jahren drohen. Für vorsätzliche Vergewaltigung gebe es keine Verjährung. Die französische Regierung zeigte sich überrascht über die Festnahme. Er sei "höchst erstaunt" über "das Vorgehen gegen den international renommierten Regisseur", erklärte Kulturminister Frédéric Mitterrand im Rundfunk. Präsident Nicolas Sarkozy wünsche "eine schnelle Lösung der Lage". Polanskis Anwalt Georges Kiejman kündigte an, gegen die Festnahme Widerspruch einzulegen.

Polanski stammt aus Polen, Mitte der 70er Jahre nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. In der polnischen Hauptstadt Warschau sagte ein Außenamtssprecher, der polnische Botschafter in der Schweiz habe dem Regisseur Konsularhilfe angeboten. Außenminister Radoslaw Sikorski kündigte an, die US-Behörden um Gnade ersuchen zu wollen. Präsident Lech Kaczynski sagte, derartige Fälle seien "verdammt schwierig". Zuständig seien ja nicht die Bundesbehörden, sondern ein US-Staat. Die Organisatoren des Filmfestivals wurden von der Verhaftung des Regisseurs total überrascht. Polanski war offiziell als Ehrengast eingeladen. Die Schweizer Filmszene zeigte sich empört. Das Vorgehen der Behörden sei nicht nur eine "groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheuerer Kulturskandal", schrieb der Verband der Regisseure.

Festnahme sorgt bei vielen für Unverständnis

Für Unverständnis sorgte die Festnahme bei vielen auch deshalb, weil das damalige Opfer dem Regisseur längst öffentlich verziehen hat. Im Mai war Polanski dennoch endgültig mit seinem Antrag gescheitert, das Vergewaltigungsverfahren in Kalifornien für geschlossen zu erklären. Ein Gericht in Los Angeles lehnte sein Ersuchen ab und forderte das persönliche Erscheinen Polanskis. Der US-Haftbefehl gegen ihn liegt bereits seit 1978 vor, seit Ende 2005 gibt es einen internationalen Haftbefehl.

Trotzdem konnte Polanski zum Beispiel im Frühjahr 2009 unbehelligt seinen neuen Film "The Ghost" mit Stars wie Pierce Brosnan und Ewan McGregor in Deutschland drehen, unter anderem auf Sylt. Zwei Tage vor seiner Verhaftung war eine der Mörderinnen von Polanskis hochschwangerer Frau Sharon Tate gestorben. Der Tod von Susan Atkins hatte den Fall in die Medien zurückgebracht. Die frühere Anhängerin des Sektenführers Charles Manson erlag einem Krebsleiden. Sie hatte 38 Jahre lang hinter Gittern gesessen und starb 61-jährig in einem Gefängnis in Kalifornien.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Sanjoaquin (29.09.2009, 08:18 Uhr)
Jungs, ich sag Euch was, (@softplaner & Metzger 99)
Sollte sich jemals die kuriose Situation ergeben, dass ein Delinquent die Wahl des Gerichtes hat und zwar entweder Typen wie Euch oder das Bezirksgericht von Izmir, dann würde ich dringend Izmir empfehlen.
SoftPlaner (28.09.2009, 17:27 Uhr)
@Sanjoaquin
bei Marco Weiss handelte es sich um einen Fall in dem zwei Jugendliche geschmust und vielleicht auch Sex gehabt haben. Vergewaltigung wurde weder erwiesen noch gestanden. Das ist etwas ganz Anderes als ob ein erwachsener (sogar ziemlich alter) Mann ein Kind/eine Jugendliche betrunken macht, unter Drogen setzt und missbraucht.
Countryjoe (28.09.2009, 16:11 Uhr)
@herrfreitag
Nein, er kann sich nicht freikaufen. Bei Kinderschändern, Mördern und dergleichen geht das nicht. Wäre ja auch noch schöner, wenn sich die Promis auch hier so einfach über das Gesetz hinwegsetzen könnten. Der Mann gehört vor Gericht wie jeder andere Verbrecher.
butcher99 (28.09.2009, 13:57 Uhr)
@Sanjoaquin
Du machst es Dir wie immer zu einfach. Bei Marco ging es nicht um die Tat, sondern den nicht rechtstaatlichen Gerichtsweg. Natürlich muss jeder Täter, so er denn schuldig ist, seine "gerechte" Strafe erhalten. Herr Polanski hat seinerzeit die Tat zugegeben. Auch das war bei Marco anders.
butcher99 (28.09.2009, 13:38 Uhr)
so kann es gehen
wenn man egoistisch und ignorant allen verfügbaren Informationen totzt. Der Herr Polanski erhält hoffentlich jetzt mit viel zu viel Verzögerung seine gerechte Strafe.
1Stejn (28.09.2009, 13:06 Uhr)
der hat schon längst gestanden
polanski hat schon längst gestanden und die aussage des opfers ist unmissverständlich.
wenn polanski in haft stirbt, ist das sein eigenes problem. wäre er in den staaten geblieben, hätte er ein paar jahre abgesessen, sich rehabilitiert und hätte weiter seiner arbeit nachgehen können. die schweiz als mörder polanskis darzustellen ist wohl mehr als peinlich.
Johann58 (28.09.2009, 13:00 Uhr)
@antimatterbomb
Irrtum mein Guter, die Sache ist absolut klar.Polanskihat es seinerzeit vor Gericht zugegeben. Polanski was 42 Tage im Hochsicerheitsgefaengnis unter psychiatrischer Aufsicht.der damalige Richter sollte ihn eigentlich fuer weiter 48 Tage dort hin schicken, hat ihn aber aus unerklaerlichen Gruenden bis zur Verhandlung freigelassen und Polanski hat sich abgesetzt. Die Original Anklege ist im Internet bei CNN veroeffentlicht..Ausserdem solltest du die Gesetze in Kalifornien beruecksichtigen und die sind ebenso klar. Drt ist Sex mit einer Minderjaehrigen unter 14 immer Vergewaltigung.
herrfreitag (28.09.2009, 12:15 Uhr)
übertrieben...
...wie sich hier manche ereifern, die frau hat ihm längst verziehen, somit könnte er, wenn er es nicht schon längst getan hat, sich mit der frau aussergerichtlich einigen.
Styx2007 (28.09.2009, 11:15 Uhr)
@antimatterbomb
Sie haben aber eine etwas seltsame Sichtweise - "dann ist die Schweiz das Land, welches Polanski umgebracht hat" - immer mal schön halblang! Wenn Polanski wirklich schuldig ist, dann ist er natürlich zu bestrafen - und zwar mit allem, was geht! Und wenn er dann in der Haft stirbt? - Na und? Schlisslich hat er fröhlich über drei Jahrzehnte ohne Starfe im Ausland gelebt! Ausserdem - wieso hat er sich denn wohl dem Zugriff entzogen??? natürlich, weil er Dreck am Stecken hat - kein Mitleid mit diesem Kerl!
Styx2007 (28.09.2009, 11:11 Uhr)
Endlich!!
Richtig so!!! Bravo!! Endlich ist dieser Kerl geschnappt worden! Sich schön absetzen zu können und diese abartige Tat in anderen Ländern auszusitzen ist endlich vorbei - hoffentlich bekommt Polanski - so er denn schuldig ist, die gerechte und lange Strafe. Sich hierüber aufzuregen zeigt von einem sehr seltsamen verständnis. Gott sei Dank kann sich nicht jeder Promi alles erlauben und schön freikaufen. Dieses abartige Kinderschänderpack gehört mit aller Härte bestraft!
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